Predigt zum Pfingstsonntag, 5.6.2022 (Röm. 8,1-2+10-11)

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  • Zuletzt aktualisiert 5. Juni 2022

Predigt zum Pfingstsonntag, 5.6.2022 (Röm. 8,1-2+10-11)

Predigt zum Pfingstsonntag, 5.6.2022 (Römer 8,1-2+10-11)

So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht. ...

Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen. Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Wir beten mit einem alten Pfingstgebet: “Herr, erneuere deine Kirche. Und fange bei mir an.”

Liebe Schwestern und Brüder in Christus, liebe Pfingstgemeinde,

morgens um Neun schon so besoffen, dass sie nur noch lallen können – das wurde Petrus und den anderen Jüngern unterstellt. Dort in Jerusalem, 50 Tage nach Ostern, am Pfingstmorgen. 11 Männer, richtige Kerle, an die Arbeit gewöhnt bei Wind und Wetter – ha, da wird es wohl spät geworden sein beim Weintrinken, oder auch schon wieder früh.

Obwohl – man fragt sich eigentlich, wer hier nüchterner ist. Wenn man nämlich wirklich darauf achtet, was hier passiert, merkt man das selber, was Petrus darauf antwortet: Besoffen, nein. Und nicht um diese Zeit (gut, wenn einer das so einfach sagen kann!). Sondern es ist Gottes Geist, der aus ihnen spricht. Der Prophet Joel hat das vorhergesagt für die letzte Zeit. Durch den kann jeder selbst Gott erkennen. Dass keiner mehr einen Vermittler braucht – außer Christus selbst. Es ist also etwas ganz Neues, was hier geschieht. Und das tut der Heilige Geist. Menschen aus allen Völkern und Ländern kommen zu Gott.

Und was Menschen sagen, die diesen Geist in sich haben, das ist kein unverständliches Lallen, kein dummes Gerede, das führt auch nicht zum Streit wie sonst manchmal, wenn Menschen im Suff reden. Im Gegenteil: Hier wird das, was die Apostel sagen, plötzlich verstanden von Menschen, wo das vorher nicht möglich war. Hier entsteht Einigkeit und Frieden zwischen Menschen aus ganz verschiedenen Ländern und Sprachen.

Was hier geschieht, ist also etwas Geordnetes und etwas ganz Neues. Und etwas Wunderbares. Da sind Juden zusammen aus allen möglichen Ländern um das Mittelmeer herum, dass es schon eine Herausforderung ist, diese Namen alle zu lesen in der Epistellesung für den Pfingstsonntag. Und dazu kommen andere, die gehört haben, dass aus Israel der Retter kommen soll, die angefangen haben, Gottes Wort für sich selbst zu lesen. Menschen, denen Gottes Geist an diesem Pfingstfest mit einem Mal zeigt, was sein Sohn mit seinem Sterben und Auferstehen für sie getan hat, und ihnen damit den Schlüssel gibt zu allem, was sie geglaubt haben und worauf sie gewartet haben. Und Menschen, die erst durch die Predigt der Apostel merken, was ihnen bisher gefehlt hat. 3000 von ihnen werden an diesem Tag getauft. So wird aus allen Völkern die eine heilige, christliche, apostolische Kirche geboren. Und das tut der Heilige Geist.

Bei denen aber, die spotten, ist ein anderer Geist am Werk. Hier findet ein geistliches Gegeneinander statt. Von diesem Kampf schreibt Paulus in seinem Brief an die Christen in Rom. Das muss auch eine ziemlich bunt zusammengesetzte Gemeinde gewesen sein in der Hauptstadt des römischen Weltreiches. Und er predigt in diesem Brief so wie Petrus am Pfingstfest ganz grundsätzlich von Gottes Sohn; von dem, was er getan hat, um uns zu retten, und vom Christ-Werden und Christ-Sein. Und er redet von dieser geistlichen Spannung zwischen der Welt und Gott. Und dabei sagt er an unserer Stelle in seinem Brief etwas, das für die Hörer in Rom genauso neu und wunderbar war wie für die in Jerusalem:

“Ihr seid nicht fleischlich gesinnt, sondern geistlich (wenn denn Gottes Geist in euch wohnt).” (V. 9)

Das ist etwas ganz Erstaunliches: Ihr seid Menschen, an denen Gott seine Freude hat: Die Sklaven, die jeder als nutzlos beschimpft. Die Lehrlinge, die vom Chef jeden Tag hören, “ihr lernt es nie”. Der verheiratete Christ, der seinem Ehepartner kaum noch etwas recht machen kann. Und der unehrliche Geschäftsmann. Dass sie gut sein sollen, das hören sie immer wieder. Aber dass Gott, der heilige, gerechte, unbestechliche Gott, an ihnen Freude hat – das klingt entweder nach Einbildung, oder total unwahrscheinlich.

Ja, wenn sie die letzten Wochen im Gottesdienst waren, als die ersten Teile des Paulusbriefes vorgelesen wurden, dann haben sie ziemlich genau das Gegenteil davon gehört: Gottes Gesetz, seine Gebote sagen uns, wie wir sein sollen. Und eben damit zeigen sie uns, dass wir nicht so sind. Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist keiner, über den Gott nicht zornig ist. Das hat Paulus geschrieben.

Und das ist unsere Erfahrung als Christen, wenn wir Gottes Gebot ernstnehmen. Wenn wir das wie einen Maßstab für unser Gewissen an das anlegen, was wir tun und sagen und denken. Wir sind nicht gut.

Nun aber sagt Gottes Geist, der Pfingstgeist zu dir: Wer getauft wird, wer an Christus glaubt, an dem hat Gott seine Freude. Der ist nicht mehr ein “fleischlicher”, sondern ein “geistlicher” Mensch. Ja, mit Gottes Wort gesagt: Dann bist du in seinen Augen gut.

Da ist zum Wundern. Aber damit spricht er eben nicht über das, was wir von Natur aus sind. Oder das, was wir tun. Sondern, wozu er uns macht. Und was er tut. Und wie er ist: Nämlich heilig. Ja, wo Gott seinen Geist über Menschen ausgießt, da geschieht etwas Neues. Da wird ein Mensch, der vor Gott schuldig ist, gerecht; ein Sünder wird heilig.

Aber wie geschieht das? Dadurch, dass Gott seinen Sohn für uns geschickt hat. Dass er in unser Fleisch gekommen ist, wie es Gottes Wort ausdrückt: Er ist Mensch geworden. Er hat sich unsere Sünde aufgeladen. So sagt der Apostel an unserer Stelle:

Gott sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch. (V. 3)

Gottes Sohn hat sich dafür verdammen lassen, zum Tod verurteilen. Aber damit ist dieses Urteil vollstreckt. Unsere Sünde aber, die er auf sich genommen hat, kann nicht ein zweites Mal verurteilt werden. So sind wir durch sein Leiden und Sterben frei geworden. Das ist ein Geschenk, das wir nicht verdient haben. Ja, Gott schenkt uns Sündern das Leben. Das meint das Wort “Gnade”.

Und das geschieht persönlich in der Heiligen Taufe. Da wird ein Mensch in den Tod Christi hineingetauft, und steht auf, um mit ihm zu leben. Da wird der Tod Christi so gerechnet, dass wir damit auf geistliche Weise die Todesstrafe für unsere Schuld schon erlitten haben. Und schon auferstanden sind in ein neues Leben.

Und damit wird die Gerechtigkeit des Sohnes Gottes zu deiner und meiner Gerechtigkeit. Oder wie Paulus es hier sagt: Damit wird die Gerechtigkeit, die vom Gesetz gefordert ist, in uns erfüllt. (V. 4) Durch Christus, den wir nun im Herzen und in unserem Leben haben. Der gerecht ist und heilig.

Das ist also der Wende-Punkt, wo aus einem Menschen, der von Natur gegen Gott ist, ein Mensch wird, an dem Gott seine Freude hat. Das schafft nur der Heili­ ge Geist. Von dem heißt es zu Recht, dass der nichts weiß außer Christus. Den malt er uns vor Augen, den predigt er uns ins Herz, an den lässt er uns glauben. So ist es dasselbe, dass Christus in uns wohnt und dass wir den Heiligen Geist haben.

Und genau das erklärt Paulus an dieser Stelle in seinem Brief. Der Mensch, der so in Christus ist und Christus in ihm, das ist der geistliche Mensch. Und dass ein Mensch Gott gefällt, das gilt von dem Christen, der nicht mehr “nach dem Fleisch” lebt, sondern “nach dem Geist”. Also von dem, der auf rechte Weise “nüchtern” ist. Der weiß, dass hier in diesem Leben die Sünde – und die Lust daran! – immer noch in uns steckt. Der sich deshalb von ihr nicht verleiten lässt. Der nicht sagt: “Ich bleibe ja sowieso ein Sünder. Und Gott vergibt sowieso.” Sondern: “Gerade weil die Sünde bis zuletzt in mir steckt, will ich jeden Tag gegen sie ankämpfen. Dazu brauche ich Gottes Geist in mir. Es gibt in mir kein Gutes, außer Gott tut es.

Nun kommt es auch in so einem geistlichen Menschen vor, dass der alte Mensch den Kopf wieder über das Wasser steckt, dass wir etwas tun, was Gott nicht will. Und was wir, wenn wir seinen Willen ernstnehmen, auch nicht tun wollen. Da  brauchen wir Gottes Vergebung immer wieder neu. Aber im Geist zu leben heißt, dass dieser alte Mensch sich nicht durchsetzt. Dass er unser Leben nicht bestimmt. Sondern immer wieder eingefangen wird. Und dass er so – ja, Paulus sagt, dass der alte Mensch mit seinen Lüsten, mit seinem Verlangen, das gegen Gott gerichtet ist, ans Kreuz gebracht wird.

Das heißt Leben im Geist. Trotz der Sünde, die in uns ist. Frei sein als ein Kind Gottes in der Kraft der Vergebung. Denn es ist seine Vergebung, die die Kraft der Sünde in uns bricht. Wer so lebt, der ist wirklich lebendig. Wie Paulus den Christen in Rom ganz grundsätzlich sagt:

Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Lebendig machen, dass wir diesen geistlichen Kampf aufnehmen. Dass du guckst, wo du etwas ändern musst, um als Christ zu leben. In der Hoffnung, die so groß ist, dass sie alle Ungewissheit verdrängt: Der festen Hoffnung, dass wir ewig leben!

Dass Menschen das auf Erden haben können, das ist am Pfingsttag sichtbar geworden. Das ist der Anfang der letzten Zeit. Da ist diese Botschaft “zur Welt gekommen”. Dass der heilige Geist am Werk ist, das merken wir daran, dass diese Botschaft bis heute von Menschen in immer mehr Sprachen gehört wird.

Lasst uns beten:

“Herr, gib du uns deinen heiligen Geist, dass diese frohe Botschaft unsere Herzen füllt, und dass wir Worte finden, davon so zu reden, dass Menschen es hören und begreifen. Erneuere deine Kirche, und fange bei uns an.” Amen.

(Predigtreihe VI)

Daniel Schmidt, P.