Predigt zum Gründonnerstag, 1.4.2021 (Match. 26,17-30)

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  • Zuletzt aktualisiert 1. April 2021

Predigt zum Gründonnerstag, 1.4.2021 (Match. 26,17-30)

Aber am ersten Tage der Ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wo willst du, daß wir dir das Passahlamm zum Essen bereiten? Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister läßt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passa feiern mit meinen Jüngern. Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Passahlamm. Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen. Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzeln, ihn zu fragen: Herr, bin ich's? Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten. Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre. Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich's, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es. Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich von neuem davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich. Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Da sah es letzte Woche ja so aus, als ob der Tag heute und der Sonnabend dieses Jahr zusätzliche Ruhetage werden. Geschäfte sollten geschlossen werden, die meisten Betriebe auch. Aber sehr schnell gab es Kritik. Es schien nicht einzusehen, was das bringen soll, wenn drei Tage vorher alle gleichzeitig einkaufen gehen. Und die Einrichtungen, die jetzt mit Mühe wieder öffnen durften, hätten noch mehr Einbußen. Die Bundeskanzlerin hat diese Entscheidung dann sehr schnell mit einer beispiellosen öffentlichen Entschuldigung zurückgenommen. Und es hieß in den Medien, „Gründonnerstag und Karsamstag werden keine Feiertage.“

Aber ist nicht für uns Christen der Gründonnerstag immer ein „Feiertag“, ein Tag, an dem wir etwas feiern, was Gott zu unserem Heil gegeben hat? Auch wenn wir zur Arbeit fahren oder einkaufen? Oder – fehlt uns genau der geistliche Feiertag, wo wir dieses Jahr zum zweiten Mal in der Karwoche und am Osterfest nicht in der Kirche zusammenkommen?

Am Gründonnerstag hören wir, wie unser Herr Christus den Jüngern das heilige Abendmahl gibt. “Nehmt und esst,“ sagt er, „das ist mein Leib. Nehmt und trinkt, das ist mein Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ Und: „Das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.“

Dieses heilige Essen und Trinken gibt er also der Kirche. Denn dieses „Gedächt­ nis“ ist ja ihre ganze Botschaft: Gottes Sohn ist für unsere Schuld gestorben und ist auferstanden. Wir haben's richtig begriffen, wenn wir diese Einladung auf uns beziehen: „Nehmt und esst, nehmt und trinkt.“ Das aber geht nicht durch eine Glasscheibe und über das Internet. Ich bete deshalb darum, dass ich ganz bald wieder vom Altar aus so einladen kann: „Kommt, nehmt und esst und trinkt, das ist der wahre Leib und das wahre Blut unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus, für euch gegeben und vergossen zur Vergebung eurer Sünden.“ Martin Luther sagt im Kleinen Katechismus, das Essen und Trinken mit dem Mund ist neben diesen Worten das Hauptstück im Sakrament.

Neben diesen Worten“: Die können nicht fehlen. Mit jedem Konfirmandenjahr­ gang gehe ich die Teile der Abendmahlsfeier durch, von denen wir gleich einige hören werden, und dann frage ich sie: Was kann ich weglassen, wenn ich zu einem Krankenabendmahl gehe, wenn die Person schwach ist, wenn es zu anstrengend wird? Und wir sprechen darüber, warum diese Worte nicht wegfallen können. Ja, ich sage ihnen: Wenn ich die je vergessen sollte, dann müsst ihr mich stoppen und mir das sagen.

Denn diese Worte bewirken etwas. Sie sind Schöpfungsworte. So wie Gott am Anfang gesprochen hat, „es werde Licht“ und eben nicht auf einen Lichtschalter gedrückt hat, der nur noch die elektrischen Leitungen verbindet, sondern das Licht damit gemacht hat. So wie er überall Leben geschaffen hat mit seinem Wort: „Die Erde bringe hervor Bäume und Sträucher, das Meer wimmle von Tieren.“ Mit demselben göttlichen Wort hat Jesus an dem Abend vor seinem Tod nicht zu den Jüngern gesagt: Nehmt das Brot und den Wein als Zeichen für meinen Leib und mein Blut. Sondern er hat gesagt: „Das ist mein Leib, das ist mein Blut.“ Das sind seine Schöpfungsworte. Damit ist das geschehen. Deshalb: wo diese Worte fehlen, haben wir nur einen Snack mit etwas Brot und einem Schluck Wein, aber nicht das Sakrament, das er eingesetzt hat. Wo aber die Kirche die Absicht hat, damit seinem Auftrag nachzukommen und diese Worte über dem Brot und Wein gesprochen werden, da verbindet sich sein Leib und sein Blut damit. Und wo wir's mit dem Mund essen und trinken, da schafft er unser Leben neu.

Damit aber schafft dieses Wort noch mehr. Es schafft auch Glauben. Wer die Fragen zum heiligen Abendmahl im Kleinen Katechismus liest, der merkt, wie Martin Luther diese Worte durchbuchstabiert. Aus ihnen hat er das, dass Jesus damit leiblich zu uns kommt. Wenn mir Zweifel kommen, wie das sein kann, dann bin ich froh, dass mein Herr mir das jedesmal wieder sagen lässt.

Deshalb freue ich mich auch immer, wenn unsere Kinder und Konfirmanden mit zum Altar kommen; wenn ich ihnen das gesegnete Brot und den gesegneten Kelch hinhalten und ihnen sagen kann: „Auch für dich gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden.“ Denn ich bin gewiss, dass diese Worte den Hunger danach wecken und den Glauben; so wie ein Vater oder eine Mutter einem kleinen Kind sagt: Ich habe dich lieb, und ihm damit ihre ganze Liebe geben, lange bevor es die Worte mit dem Verstand versteht, und dann irgendwann auch sagt: „Hab Mama lieb!“

Nun ist gerade dieses Jahr dieser Bericht zur Predigt vorgesehen. Der Jünger Matthäus hält uns damit genauso diese Gaben vor Augen und predigt uns: Für euch dahingegeben zur Vergebung der Sünden.

„Dahingegeben“: das war für ihn und für die anderen Jünger an dem Abend ein Rätsel. Sie hatten gerade das Passahmahl mit Jesus gefeiert. Dahingegeben war doch das Lamm, wie beim ersten Passahmahl in Ägypten. Das Opfer, das Gott an Stelle der Menschen eingesetzt hatte, damit sie nicht sterben. Männlich sollte es sein und ohne Fehler und noch jung. Sein Blut sollte ein Zeichen sein, nicht für Gottes Volk, sondern für Gott. Ein Zeichen, dass die vom Tod verschont werden, die von diesem Opfer essen.

Aber nun sprach Jesus davon, dass sein Leib und sein Blut dahingegeben werden. Ja, sie wussten, dass die Anführer ihres Volkes beschlossen hatten, ihn umzubringen. Es hing etwas Bedrohliches in der Luft. Aber wenn ihm etwas geschehen würde, wenn er leiden würde, dann doch nicht um ihretwillen. Das würde doch durch die Hohenpriester und Schriftgelehrten kommen. Sie waren doch seine Jünger.

Wenn wir rätseln, was Gottes Sohn uns mit diesen Worten sagen will, dann sind wir also in guter Gesellschaft. Und doch macht er uns das Glauben leichter. Denn wir wissen, was am Karfreitag geschehen ist. Wir haben die Briefe der Apostel, mit denen sie uns wie in einen Unterricht mitnehmen, wo wir lernen, was die Sünde mit uns Menschen macht, und in dem sie uns auf jeder Seite dieses „für euch“ einprägen. Und wir wissen, dass der himmlische Vater seinen Sohn am Ostertag vom Tod wieder auferweckt hat. Damit hat er sein Opfer angenommen. Sein Leib und sein Blut, die wir mit dem Mund empfangen, sind nun jedes Mal neu die Erinnerung für ihn: An diesem Menschen ist keine Schuld mehr. An dem geht der ewige Tod vorbei.

Ein Geheimnis bleibt es trotzdem. Ein Geheimnis, wie es kommt, dass er uns so lieb hat. Wie es kommt, dass wir eins werden mit dem lebendigen Gott, mitten in dieser so irdischen Welt. Und ein Staunen darüber, dass er uns in diesem Glauben zu einer Gemeinschaft verbindet, obwohl wir so verschieden sind. Wir würden ja nie alle in denselben Verein eintreten oder denselben Fußballfanclub. Und wir brauchen ja viel Geduld miteinander, gerade in dieser Zeit der Pandemie.

Für mich ist dieses Geheimnis ein Trost, liebe Gemeinde, wenn ich merke, wie ich von euch manchmal viel Geduld brauche, und wenn ich sehe, dass manche Entscheidungen in den Kirchenvorständen in dieser Zeit viel Geduld von allen brauchen. Wir hören im Moment täglich Zahlen von Erkrankungen und von Sterbefällen. Heute abend aber hören wir den, der der Erste ist und der Letzte und der Lebendige, der unsere Schuld fortträgt, wie er's für die Jünger am nächsten Tag getan hat, der uns sein Leben gibt, der sich mit uns verbindet für Zeit und Ewigkeit. Zu dem lasst uns beten, wie es in manchen Gemeinden gesprochen oder gesungen wird, nachdem Brot und Wein mit Gottes Wort gesegnet sind:

„Geheimnis des Glaubens: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und dein Auferstehung preisen wir bis du kommst in Herrlichkeit.“

Und mit einer Abendmahlsstrophe aus unserem Gesangbuch: „O Herr, verleih, daß Lieb und Treu / in dir uns all verbinden, / daß Hand und Mund / zu jeder Stunde / dein Freundlichkeit verkünden, / bis nach der Zeit / den Platz bereit' / an deinem Tisch wir finden.“ Amen.

Predigtreihe III neu, zum Evangelium des Tages

Daniel Schmidt, P.