Predigt zum 6.6.2021 (Jona 1,1 – 2,11)

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  • Zuletzt aktualisiert 5. Juni 2021

Predigt zum 6.6.2021 (Jona 1,1 - 2,11)

Hinweis: Die Datei im Anhang enthält den gesamten Gottesdienstablauf zum Mitfeiern zuhause.

Es geschah das Wort des HERRN zu Jona, dem Sohn Amittais: Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen. Aber Jona machte sich auf und [...] als er ein Schiff fand, das nach Tarsis fahren wollte, gab er Fährgeld und trat hinein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren und dem HERRN aus den Augen zu kommen. Da ließ der HERR einen großen Wind aufs Meer kommen, und es erhob sich ein großes Ungewitter auf dem Meer, daß man meinte, das Schiff würde zerbrechen. [...] Aber Jona sprach zu den Schiffsleuten: Nehmt mich und werft mich ins Meer, so wird das Meer still werden und von euch ablassen. Denn ich weiß, daß um meinetwillen dies große Ungewitter über euch gekommen ist. [...] Da riefen sie zu dem HERRN und sprachen: Ach, HERR, laß uns nicht verderben um des Lebens dieses Mannes willen und rechne uns nicht unschuldiges Blut zu; denn du, HERR, tust, wie dir's gefällt. Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer. Da wurde das Meer still und ließ ab von seinem Wüten. Und die Leute fürchteten den HERRN sehr und brachten dem HERRN Opfer dar und taten Gelübde.

Aber der HERR ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte. Und Jona betete zu dem HERRN, seinem Gott, im Leibe des Fisches. [...]

Und der HERR sprach zu dem Fisch, und der spie Jona aus ans Land.

Liebe Brüder und Schwestern in Christus,

es gibt im Internet ein Foto von dem deutschen Taucher und Meeresfotografen Rainer Schimpf. Es zeigt ihn im Wasser vor der Küste Südafrikas. Das heißt, man sieht von ihm nur die Beine bis zur Hüfte. Kopf und Oberkörper stecken im Maul eines gewaltigen Brydewals. Das war im März 2019. Der Wal hatte ihn mit seiner Nahrung eingesogen. Aber nach zwei Sekunden war er wieder frei. Ihm und seiner Kamera ist nichts passiert. Ein amerikanischer Reporter meinte, er könnte der erste Mensch seit Jona gewesen sein, der im Maul eines Wals war und das überlebt hat.

Dass ein Mensch in einen Wal gerät, ist nicht ausgeschlossen. Und Archäologen haben vor kurzem Knochen von mindestens zwei Walarten im Mittelmeer gefunden. Auf die Frage, wie ein Mensch im Bauch eines Wals drei Tage überleben kann, kenne ich aber bisher keine Antwort. In solchen Fällen ist es gut, dem Rat von Martin Luther zu folgen: „Ich lese die Bibel, wie ich meinen Apfelbaum ernte: Ich schüttle ihn, und was runterkommt und reif ist, das nehme ich. Das andere lasse ich noch hängen. Wenn ich eine Stelle der Bibel nicht verstehe, ziehe ich den Hut und geh vorüber.“

Was reif ist und runterkommt, sind drei Dinge: Erstens, Jesus legt uns das, was wir von Jona lesen, als einen Tatsachenbericht aus. Er sagt, „wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.“ (Mt 12,40) Wir können deshalb nicht sagen, das hat sich jemand ausgedacht, um eine kleine Weisheit darin zu verpacken. Zweitens, Jona wird gerettet, weil er einen Auftrag hat. Er soll die Menschen in Ninive zur Umkehr rufen. Gott könnte auch jemand anders schicken. Aber er hat Jona dazu berufen, hat ihn zu seinem „Apostel“ gemacht. Drittens, wer von Gott berufen ist, ist mehr als ein Nachrichtensprecher. Was er weiterzugeben und zu -sagen hat, betrifft ihn selbst. Sein eigenes Leben hängt daran.

Jona ist einer, der genau das Gegenteil von dem tut, was Gott ihm aufträgt. Er will nach Tarsis im heutigen Spanien. Er läuft vor Gott weg. So kann man's auch von den Leuten in Ninive sagen. Ihr Gewissen sagt ihnen zumindest ungefähr, was richtig und falsch ist. Aber sie laufen genau in die andere Richtung. Die Folge für Jona ist, dass er sich und andere in Gefahr bringt. Als der Sturm das Schiff einholt – als Gott ihndamit einholt –, sieht er ein: ihm bleibt nur noch der Tod. Und er sagt das den Seeleuten. Siehst du, da wird er mitten auf dem Meer doch zum Prediger und lernt selbst dabei: Egal ob in Ninive oder sonstwo, die Menschen um ihn herum müssen das hören: Wer ohne Gott leben will, für den bleibt nur der Tod.

Als Jona ins Wasser klatscht, ist ihm klar: das war's. Aus und vorbei. Aber Gott will nicht den Tod des Menschen. Auch nicht, wenn der sich die Ohren zuhält und seinen Gott nicht hören will und von ihm wegläuft. Gott will, dass er umkehrt und lebt. Deshalb tut er etwas, das sich kein Mensch ausdenken konnte. Und das sich mit dem Verstand nicht erklären lässt. Wir könnten meinen, das sind drei Tage voller Todesangst. Aber in dem Moment, wo Jona im Wal ist, ist er gerettet. Er ist weg von der Welt, aber er ist umgeben von Gott. Es sind drei Tage im Gebet:

In meiner Not rief ich zu dir, Herr, und du hast mir geantwortet. Du hattest mich mitten ins Meer geworfen, die Fluten umgaben mich. Aber du, Herr, mein Gott, hast mich lebendig aus dem Grab gezogen. Ich will dir danken und dir die Opfer darbringen, die ich dir versprochen habe; denn du, Herr, bist mein Retter.“ (Jona 2,1-10 in Auszügen, frei nach der „Guten-Nachricht“-Übertragung)

Der Wal spuckt Jona aus. Er kommt ein zweites Mal ans Licht der Welt. Und macht sich auf nach Ninive, wo heute die Stadt Mosul im Irak ist. Nun fängt er auch den Menschen dort zu predigen an. Er spricht als einer, der selbst gerettet ist. Aber er predigt nicht seine eigenen Erlebnisse. Sondern das, was Gott durch seine Boten allen Menschen sagen lässt, zu allen Zeiten: „Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe.“

Und doch wird dieser Prophet wider Willen mit seiner eigenen Person ein Hinweis auf den Sohn Gottes. So wie alle rechten Anführer im alten Bund, durch die Gott sein Volk vor dem Verderben rettet. Ja, noch mehr, denn durch ihn rettet Gott Menschen, die bisher nicht an ihn glauben.

Genau das aber muss Jona noch weiter lernen: Dass seine Vergebung ein echter Neuanfang ist. Jona denkt: Warum diese Menschen, die bisher gar nicht nach Gottes Regeln leben. Warum, wo man nicht weiß, wie lange dieser Sinneswandel überhaupt anhält. Gott aber sagt: Sie haben auf mich gehört. Sie haben ihr Verhalten im Alltag geändert, ihren Umgang mit ihren Mitmenschen. Sie sollen leben. Das sollen andere in Zukunft von ihnen erleben.

Denn wer gerettet ist, wer Vergebung hat, der ist selbst zum Boten berufen. Er hat keinen Grund, die Menschen einzuteilen in die Frommen, die gerettet werden, und die anderen. Denn wenn er die anderen nicht zu denen zählt, die auch Gottes Wort hören und gerettet werden sollen, dann ist er selbst nicht fromm. Wenn er das aber annimmt, dass er mit seiner Person eine Einladung, ein lebendiger Hinweis auf den lebendigen Gott sein soll, dann sagt er in Demut: Ich bin nichts Besseres. Aber ich habe etwas Besseres, als was diese Welt hat. Und das will ich weitergeben wo ich kann, meinen Brüdern und Schwestern in der Gemeinde, und den anderen. Damit wir am Ende zusammen sagen können: Ich war im Grab, aber du hast mich herausgezogen, dass ich lebe. Dazu helfe uns Gott. Amen.

1. Sonntag nach Trinitatis (Predigtreihe III neu)

Daniel Schmidt, P.