Predigt zum 6.2.2022 (Matth. 14,22-33)

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  • Erstellungsdatum 5. Februar 2022
  • Zuletzt aktualisiert 5. Februar 2022

Predigt zum 6.2.2022 (Matth. 14,22-33)

Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe. Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein. Und das Boot war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen. Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See. Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst! und schrien vor Furcht. Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht! Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, hilf mir! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und sie traten in das Boot, und der Wind legte sich. Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!

Liebe Gemeinde,

Jesus hilft Menschen in Situationen, in denen sie sich selbst nicht helfen können. Und seine Hilfe ist nie nur symbolisch. Nicht so, als ob man einem, der mit Covid19 zur Beatmung ins Krankenhaus muss, ein Bild aufs Handy schickt vom winterlichen Brocken mit der klaren Bergluft. Jesus macht den Menschen auch nicht nur Mut, damit sie etwas länger durchhalten, bis von selbst irgendwie eine Lösung kommt. Nein, er hilft echten Menschen in echter Not. Und er hilft ihnen so, dass es dafür nur eine Erklärung gibt: Gott ist in die Welt gekommen. In seiner Person. Um uns von allen Mächten freizumachen, die uns bedrohen.

Es geht dabei zuerst um die Menschen, von denen wir in den Berichten der heiligen Schrift hören. Hier sind's die 12 Jünger. Aber so wie Gott mit ihnen umgeht, geht er auch mit uns um. Deshalb verbindet uns die Erfahrung, die sie an dem Tag auf dem See Genezareth gemacht haben, in der Kirche mit ihnen. Und die lässt sich ganz einfach zusammenfassen: 1. Hilfe, mein Christus ist weg. Und 2. Hilfe, mein Glaube ist weg.

Die Jünger sind ohne Christus im Boot. Zunächst geht das ganz gut. So wie es uns ganz gut gehen kann, wenn wir im Alltag alles mögliche zu tun haben und deshalb wenig an ihn denken. Dabei wirkt wohl auch das Erlebnis vom vergangenen Tag bei ihnen noch nach. Mit ganz wenig Lebensmitteln hat Jesus Tausende von Menschen satt gemacht. Und dann hat er die Jünger losgeschickt.

Und damit mitten in diesen Sturm. Dass vier von ihnen Fischer sind, dass dieser See ihr Alltagsarbeitsplatz ist, macht es nicht besser. Im Gegenteil: sie wissen genau, wie gefährlich so eine Wetterlage ist. Sie rudern zwar weiter. Aber mit immer weniger Hoffnung. Denn die Richtung ist schon fast egal, das Ufer ahnen sie sowieso höchstens für einen Augenblick, wenn's gerade blitzt. Und dann ist da wohl der Gedanke: Wären wir doch bei Christus geblieben, auf der anderen Seite. Aber er hat uns ja weggeschickt! Wäre er doch nur hier. Aber er hat ja kein Boot.

So dicht, liebe Gemeinde, liegt das für die Jünger beieinander: Die wunderbare Erfahrung der Macht Jesu in der großen Menge, das Gefühl, mit ihm geht's mir gut. Und kurz darauf solche Verzweiflung: Unser Christus ist weg!

Aber Matthäus erzählt, dass Jesus an dem Abend allein auf einen Berg steigt. Er redet mit dem Vater. Wir wissen aus anderen Stellen, wofür er betet: Für sein eige­ nes Werk. Gegen das Böse, ja gegen den Bösen, der seinen Willen brechen und hindern will. Für die, die durch sein Wort an ihn glauben, und zuerst die Jünger.

Schon bevor der Sturm aufzieht, betet Jesus also für sie. Vielleicht kann er von weitem ihr Boot noch sehen, bis die Sonne untergeht, aber darauf kommt es nicht an. Er sieht ihre Not, wie er jede menschliche Not sieht, und er sieht schon, wie und wann er helfen wird. Haben sie das nicht am Tag vorher mit ganz vielen erlebt?

Und er weiß auch jetzt in dem Sturm, in den sie geraten sind, was er tun will. Er kommt zu ihnen, als die Not am größten ist. Auf eine Weise, wie Menschen es nicht können und auch nicht erklären können. Sie bekommen es gar nicht gleich mit, so verzweifelt sind sie – auch das kommt bei uns vor! Sie halten ihn für ein Gespenst! Da spricht Jesus sie an. Sein Wort nimmt ihnen die Angst. Und die Verzweiflung weicht langsam dem Glauben: Christus ist bei ihnen. Sie sind gerettet.

Und in diesem Glauben ist Petrus wie verwandelt. Er lässt sich vom Herrn rufen – er weiß, er selbst könnte nie über das Wasser laufen –, steigt aus dem Boot und geht über das Wasser, auf ihn zu. Aber mit einem Mal scheinen der Wind und die Wellen viel wirklicher als das Wort, mit dem Christus ihn ruft. Als seine Gegenwart, die er ja doch nicht fühlen kann. Da ist er wieder, der Zweifel. Petrus geht unter.

Das ist, Gott sei Dank, im Moment nicht unsere Situation. Wir sitzen hier ruhig und im Trockenen. Aber diese Erfahrung kennen wir wohl auch. Eben noch schien alles möglich. Und mit einem Mal ist das Herz leer, als ob unser ganzer Glaube bisher umsonst war. Aber der Glaube ist nicht nur ein Hochgefühl innen drin. Er ist gar nicht zuerst der Blick auf sich selbst. Er ist die Stimme des heiligen Geistes im Herzen. Der in uns Ja sagt zu dem, was Gottes Wort sagt. Und der jetzt mit dieser Stimme aus Petrus herausschreit: “Herr, hilf mir!”

Siehst du, das will Matthäus uns zeigen: Das erste Wunder: viele Tausende be­ kommen das, was sie zum Leben brauchen. Das größere Wunder: Jesus setzt um seine Jünger herum allen Mächten, die sie bedrohen, eine Grenze. Und das größte Wunder: er lässt den einzelnen, der zu ihm kommt, nicht untergehen, wenn der Zweifel nach ihm greift. Wenn's dir so geht wie Petrus, wenn's deinen Lieben so geht, dann schrei einfach: “Herr, hilf!” Und hör auf sein Wort. Das rettet dich. Denn ob du's fühlst oder nicht, ja, selbst wenn du's nicht glauben würdest, hier ist Christus. Hier im Gottesdienst holt er dich immer wieder hinein ins Boot der Kirche.

Wundere dich also nicht, wenn du Zweifel erlebst. Der gehört zum Glauben dazu. Die alte Natur in uns sucht die Rettung bei sich selber. Die kann dabei ganz fromm sagen: Ich glaube an Gott, ich kenne keine Angst und keinen Zweifel mehr! Aber dieser alte Mensch muss ja untergehen. Weil kein Mensch sich selbst halten kann. Aber wenn uns alles Vertrauen auf uns selbst aus der Hand rutscht, dann will Christus den neuen Menschen aus dem Zweifel und Kleinglauben herausziehen. Den, der allein auf ihn schaut. Der mit Petrus und allen Aposteln schließlich bekennt: „Du bist wahrhaftig Gottes Sohn. Du hilfst, wie kein Mensch helfen kann!“.  Lasst uns beten:

Herr, hilf mir, so zu glauben. Wie oft denke ich, dass etwas nicht möglich ist. Lass mich lernen, dir ganz zu vertrauen. Lass mich nicht aufhören, um das Wunder zu beten, dass du da hilfst, wo kein Menschen helfen kann, für mich und für die, für die ich bete. Vor allem aber will ich dich bitten, dass dein Wille geschehe, denn dann hat das Böse keine Macht gegen uns. Amen.

(Predigtreihe IV neu,

Daniel Schmidt, P.)

 

 

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