Predigt zum 30.1.2022 (2. Mose 34,29-35)

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  • Erstellungsdatum 29. Januar 2022
  • Zuletzt aktualisiert 29. Januar 2022

Predigt zum 30.1.2022 (2. Mose 34,29-35)

Als nun Mose vom Berge Sinai herabstieg, hatte er die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand und wußte nicht, daß die Haut seines Angesichts glänzte, weil er mit Gott geredet hatte. Als aber Aaron und ganz Israel sahen, daß die Haut seines Angesichts glänzte, fürchteten sie sich, ihm zu nahen. Da rief sie Mose, und sie wandten sich wieder zu ihm, Aaron und alle Obersten der Gemeinde, und er redete mit ihnen. Danach nahten sich ihm auch alle Israeliten. Und er gebot ihnen alles, was der HERR mit ihm geredet hatte auf dem Berge Sinai. Und als er dies alles mit ihnen geredet hatte, legte er eine Decke auf sein Angesicht. Und wenn er hineinging vor den HERRN, mit ihm zu reden, tat er die Decke ab, bis er wieder herausging. Und wenn er herauskam und zu den Israeliten redete, was ihm geboten war, sahen die Israeliten, wie die Haut seines Angesichts glänzte. Dann tat er die Decke auf sein Angesicht, bis er wieder hineinging, mit ihm zu reden.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Mitchristen,

es gibt Dinge, die sind einmalig. Die Geburt, der erste Kuss, vielleicht ein besonderer Sonnenaufgang. Das sind die Dinge, die viele heute auf Instagram oder bei Facebook posten. Einmalig ist auch die Statue des Moses von Michelangelo in der kleinen Kirche San Pietro in Rom. Obwohl er sitzt, ist die zwei Meter hohe Figur voller Muskelspannung, als ob er im nächsten Moment aufsteht. Ein Meisterwerk des großen Künstlers!

Nicht ganz einmalig ist dabei, dass Mose zwei Hörner auf der Stirn hat. Das kommt von einem Übersetzungsfehler in der lateinischen Bibel. Das Wort dafür, dass Strahlen der Herrlichkeit Gottes von dem Gesicht des Mose ausgehen, wie wir gerade gehört haben, kommt im Alten Testament nur einmal vor. Ganz ähnlich klingt das Wort dafür, dass vom Kopf eines Tieres Hörner ausgehen. So wurde Mose lange Zeit in der Kunst mit Hörnern dargestellt.

Aber Mose ist nicht deshalb einmalig, weil er einen so seltsamen Kopf hatte. Sondern weil er ein solches Verhältnis zu Gott hat. Dass ein Mensch so strahlt, das sehen wir manchmal, wenn einer rundum glücklich ist – ob's ein Baby ist, eine bis in die Haarspitzen verliebte Jugendliche oder im Alter. Da strahlt das Glück aus einem Menschen heraus.

Auf dem Gesicht des Mose strahlt die Herrlichkeit Gottes. Die hat etwas mit uns zu tun. Denn Gott ist nicht für sich heilig irgendwo da oben oder irgendwo weit zurück in der Geschichte. Seine Heiligkeit ist auf uns bezogen. In solcher Heiligkeit hat er den Menschen geschaffen: Ohne Fehler, ohne etwas Falsches oder Schlechtes an ihm, 1A. Nach seinem eigenen Bild in vollkommener Reinheit. Und in seinen Augen – weil er den Menschen liebhat – in vollkommener Schönheit.

Nun ist das alles für uns Menschen längst “Geschichte”, als Mose auf den Berg Sinai steigt, wo Gott ihm die 10 Gebote gibt und alle Regeln für das Zusammenleben im Volk Israel. Eine ferne Erinnerung. Nichts mehr als eine Ahnung, eine bleibende Sehnsucht in uns Menschen zu hören, dass nichts Verkehrtes an uns ist, und dass Gott uns so grenzenlos liebt.

Aber dass diese Liebe bei Gott nicht vorbei ist wie wenn eine Ehe oder Freundschaft auseinandergeht, das sehen wir hier. Und wir sehen noch etwas: die Steintafeln im Arm von Moses mit den Geboten. Die sollen es möglich machen, dass wir miteinander und mit Gott leben.

Wie herrlich wäre es, wenn sie das könnten. Aber dass Gott uns sagt: “Du sollst” und “du sollst nicht”, das macht uns nicht so, wie wir sein sollen. Dass wir uns das selbst sagen, damit können wir zwar in äußerlichen Dingen viel erreichen. Eine 92jährige Frau in einem Seniorenheim hat uns letzte Woche gesagt, dass sie sich vorgenommen hat, nicht zu meckern. Sie arbeitet an sich, jeden Tag, und das tut allen gut. Aber unser Herz können wir mit aller Anstrengung nicht ändern. Unseren geistlichen Geburtsfehler können wir nicht selbst in Ordnung bringen.

Wir sehen das hier an den Israeliten. So wie das Gesicht des Mose glänzt, haben sie Angst näherzukommen. Wir ahnen, dass wir vor der Heiligkeit Gottes nicht bestehen können. Dass wir jedes “du sollst” und “du sollst nicht” von Gott – das was Mose in Kurzform auf den Steintafeln im Arm hält – erst erfüllen müssten bis in unsere innersten Gedanken und Gefühle hinein. Sie bitten ihn, dass er dieses Glänzen verdeckt mit einem Tuch, oder, wie ein Ausleger meint, mit einer Maske.

Das ist wie bei Petrus, als Jesus ihn mitten am Tag mit dem Boot zum Fischen schickt und er einen riesigen Fang macht und mit einem Mal ganz klar erkennt: In diesem Jesus ist die ganze Macht Gottes. Und was tut Petrus? Er fällt auf die Knie und bittet ihn: Geh weg von mir. Du hast mir so viel Gutes getan, ich habe es nicht verdient. Aber wenn du hier bleibst, ist das mein Ende. Denn was unheilig ist, kann vor dem Heiligen nicht bestehen.

Aber was sagt Jesus? Er beruft ihn zu seinem Jünger. Gerade weil Petrus es nie schaffen wird, sich selbst so gut zu machen wie er sein soll. Denn der Sohn Gottes heiligt uns. Du sollst mit mir gehen, sagt er.

Was Mose erlebt hat, ist einmalig im Volk Israel. Aber dass sich in einem Menschen nicht nur die Herrlichkeit und Heiligkeit Gottes widerspiegelt, sondern dass er selbst so heilig ist, das hören wir im Neuen Testament: in dem einen, der ganz Gott und ganz Mensch zugleich ist, Gottes Sohn. Der hat seine Herrlichkeit verdeckt, damit keiner sich fürchten musste. Unter dem ganz normalen Gesicht eines Jungen in Nazareth und dann eines Wanderpredigers. Und zuletzt unter den blutigen Striemen im Gesicht am Karfreitag. Aber wo ein Mensch zum Glauben kommt, da nimmt Gottes Geist diesen Schleier weg. Da lässt er uns in ihm den heiligen Gott erkennen. Und sehen wie herrlich das ist, was er für uns tut: Dass er das ganze Gesetz gehalten hat und uns das anrechnet, als hätten wir es getan.

So einen Gott zu haben, liebe Mitmenschen, ist einmalig. Das gibt es in keiner anderen Religion, und nicht außerhalb der christlichen Kirche. Wo er mit uns redet in seinem Wort, und wir mit ihm im Gebet. Wo er durch Wasser und den Heiligen Geist einem Menschen das ewige Leben schenkt. Wo er seine ganze Menschheit und Gottheit in einem Bissen Brot und einem Schluck Wein verbirgt, um auf solche Weise in uns hineinzukommen mit seiner Vergebung und seiner Gnade, und mit seiner herrlichen Liebe. Vor dem brauchen wir nicht wegzulaufen. Denn wenn wir bei ihm bleiben, dann werden wir nicht vergehen, sondern leben in Ewigkeit. Amen.

Letzter Sonntag nach Epiphanias (Predigtreihe IV neu)

Predigtgottesdienst mit heiliger Taufe

(Daniel Schmidt, P.)