Predigt zum 3. Advent, 12.12.2021 (1. Korinther 4,1-5)

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  • Zuletzt aktualisiert 11. Dezember 2021

Predigt zum 3. Advent, 12.12.2021 (1. Korinther 4,1-5)

Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als daß sie für treu befunden werden. Mir aber ist's ein Geringes, daß ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir zwar nichts bewußt, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist's aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil werden.

Liebe Schwestern und Brüder,

Ein Tag im Jahr 55 nach Christi Geburt. In Rom ist Kaiser Nero seit einem Jahr an der Macht. Es ist ein warmer Tag in der Stadt Korinth in Griechenland. Ein Schiff läuft in den Hafen ein. Es kommt aus dem Gebiet der heutigen Türkei. Der Kapitän ruft den Befehl zum Entladen. Mit festen Schritten schieben sich die Seeleute über ein Brett an Land. Kräftige Schultern und Arme vom Rudern, Narben am Körper, der Rücken krumm unter der Last, der Schweiß läuft. Rauhe Worte hin und her. Aber es gibt keine Diskussion. Solche Aufträge sind sie gewohnt. Jetzt kommt der dritte oder vierte beim Lagerhaus an. Er lässt die Last zu Boden rutschen, streckt den Rücken durch und guckt sich um. Da, ein Junge, der sich am Kai herumtreibt, Er ruft ihn, zieht einen Brief aus seinem Gürtel und schickt ihn damit los. Der Brief ist an die christliche Gemeinde. Geschrieben von Paulus in Ephesus.

Solche Männer sieht man damals täglich in Korinth mit seinen zwei Häfen. Das Wort für sie bedeutet Seemann, Ruderknecht, Gepäckträger, Diener, Handlanger. Einer, der den Rücken krumm macht für andere. Und es kann auch „Leibwächter“ bedeuten: einer, der bereit ist, sein Leben für einen anderen zu geben.

Als so einen bezeichnet sich Paulus selbst. Diener Christi ist er, sein Ruderknecht, Handlanger, Gepäckträger. Das ist der Beruf des Apostels. Damit ist er zugleich „Haushalter über Gottes Geheimnisse“. Er hat einen Haushalt zu führen; hat dafür zu sorgen, dass das Lagerhaus voll ist, und alle im Haus davon leben.

Nein, ein Gemeindehirte ist kein Boss. Und auch nicht zuerst ein „Manager“. Er hat dafür zu sorgen, dass in der Gemeinde immer reichlich von dem Geheimnis ausgeteilt wird, das Menschen ohne den Glauben verborgen bleibt. Dem Geheimnis, dass Christus sich zu unserem Knecht gemacht hat. Er ist der Leibwächter, der sich im Sturm vor uns stellt und dem, was uns bedroht, befiehlt: Sei still! Er hat seinen Rücken krumm gemacht und unsere Sündenlast weggetragen ans Kreuz. Das hat ihm Wunden eingebracht und harte Worte. Aber das war sein Auftrag.

Paulus hat die Gemeinde in Korinth gegründet. Aber es gibt inzwischen in der Gemeinde andere Mitarbeiter, die sogenannten „Über-Apostel“. Mehr Manager als Gepäckträger. Wer die als Maßstab nimmt, findet viel Grund, Paulus zu kritisieren. Denn Paulus ist nicht gesund. Und wenn man ihn in Präsenz erlebt, ist er offenbar auch nicht sehr beeindruckend als Redner. Das aber führt dazu, dass er ganz grundsätzlich in Frage gestellt wird.

Aber Paulus sagt: Mir ist das „ein kleines“. Es bedeutet mir nicht viel. Das ist wichtig für uns alle. Das hat mit unserem Herrn Christus zu tun und mit allen, die als Vorsteher, Musiker, Chorleiter, Küster, in der Kinderarbeit oder sonst irgendwo mitarbeiten. Das heißt:

  1. Es ist Paulus nicht egal. Er versucht ja, jeden zu gewinnen und in der Gemeinde zu halten. Er ist kein Boss, der sagt, „wem's so nicht passt, der kann ja gehen.“ Aber was sie von einem Gemeindemitarbeiter erwarten, ist nicht der Maßstab.
  2. Wir sind nicht als Richter über einander gesetzt. Wir kennen zwar die Maßstäbe Gottes und wir sollen das „Sünde“ nennen, was Sünde ist. Aber weißt du, warum dein Bruder oder deine Schwester so reagiert, wie er oder sie es tut? Und erlebst du nicht selbst, dass manches, was du gut gemeint hast, anders ankommt?
  3. Paulus richtet sich selbst nicht. Auch dazu sind wir nicht wirklich geeignet. Wir erkennen ja oft nicht, wie tief der Boden unseres Herzens von der Sünde belastet ist. Aber wir können uns auch nicht freisprechen von Schuld, die wir haben. Deshalb: Wer vor dem Richter steht, der sitzt nicht auf dem Richterstuhl. Wie gut für uns. Wir würden fehl-urteilen. Und würden leicht verzweifeln. Oder stolz werden. Wie gut deshalb auch für unsere Brüder und Schwestern, mit denen wir da stehen.

Und wenn andere uns kritisieren? Das tut weh. Ab es kann auch eine Hilfe sein, wenn wir uns prüfen, ob da vielleicht etwas dran ist. Aber wir sollen alle nicht vorschnell urteilen. Denn es gibt nur einen Maßstab. Gottes Maßstab. Den kann nur er richtig anwenden. Und es gibt nur ein Urteil, das schon jetzt gilt: Wenn dir der Gemeindehirte auf den Kopf zusagt: Dir sind deine Sünden vergeben. Denn alle Schuld, die dir damit vergeben ist, die wird dein Herr Christus am letzten Tag nicht mehr erwähnen. Er hat sie auf seinem starken Rücken weggetragen.

Aber auch, wo wir aber bei anderen Schuld sehen, da ist das letzte Urteil noch nicht gesprochen. Wir mögen einander darauf ansprechen, aber in aller Liebe. Und wir sollen für unseren Bruder und unsere Schwester beten, dass es dann einmal heißen wird: Ganz und gar vergeben. Keine Restschuld. Ewig gerettet.

Liebe Gemeinde, wir hören in der letzten Zeit vermehrt, dass sich unsere Gesellschaft polarisiert. In den letzten Wochen wurde das besonders deutlich an der Diskussion um die Impfpflicht. „Geimpfte“ und „Ungeimpfte“ – wie schnell kommt es da zu Urteilen, ja zu Verurteilungen der einen Seite durch die andere. In Korinth schlägt damals ein Punkt solche Wellen, dass Paulus darüber im Gemeindebrief schreibt: Die Frage der christlichen Freiheit, in dem Fall bezogen auf das Essen. Darf man als Christ Fleisch essen, das von einem Götteropfer stammt? Die Christen haben sich unterschiedlich verhalten. Die einen urteilten: Der oder die ist nicht wirklich Christ, der läuft nur mit. Die anderen sagten: Ihr macht euch zum Richter, wo Gott nicht richtet.

Nichts und niemand, liebe Mitchristen, soll uns von Christus trennen. Nichts, was wir tun. Nicht das Urteil der anderen. Nicht unser eigenes. Denn unser Herr hat sich zu unserem Knecht gemacht. Wenn du zum Altar kommst, dann ist er wie ein Ruderknecht, der die Last deiner Schuld aus deinem Leben herausträgt und am Kreuz ablädt. Lass ihn auch das wegtragen, wo du dir selbst Vorwürfe machst, vielleicht schon seit langer Zeit. Du bist nicht dein eigener Richter. Und lass ihn auch deine Vorwürfe gegen den anderen oder die andere wegtragen. Besonders in der Gemeinde. Du bist nicht ihr Richter. Ja, wenn's möglich ist, nimm ihn oder sie mit zum Altar. Das ist es, was dein Kapitän will: euch beiden vergeben. Und dass ihr euch gegenseitig vergebt. Wo das geschieht, da bringt er das Schiff seiner Kirche sicher voran auf dem Weg in den ewigen Hafen, und uns mit ihm. Amen.

(Predigtreihe IV neu,

Daniel Schmidt, P.)