Predigt zum 3.7.2022, Missionsfest (2. Kor. 3,17 – 4,6)

[featured_image]
Download
Download is available until [expire_date]
  • Version
  • Download 0
  • Dateigrösse 192.06 KB
  • Datei-Anzahl 1
  • Erstellungsdatum 5. Juli 2022
  • Zuletzt aktualisiert 5. Juli 2022

Predigt zum 3.7.2022, Missionsfest (2. Kor. 3,17 - 4,6)

Missionsfestpredigt 03.07.2022 – Groß Oesingen – Nachmittag

Die Lesung für die Nachmittagspredigt steht geschrieben im zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther im dritten und vierten Kapitel:

17) Der Herr ist der Geist, wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

18) Wir alle aber spiegeln mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider, und wir werden verwandelt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur anderen von dem Herrn, der der Geist ist.

1) Darum, weil wir dieses Amt haben nach der Barmherzigkeit, die uns widerfahren ist, werden wir nicht müde,

2) sondern wir haben uns losgesagt von schändlicher Heimlichkeit und gehen nicht mit List um, verfälschen auch nicht Gottes Wort, sondern durch Offenbarung der Wahrheit empfehlen wir uns dem Gewissen aller Menschen vor Gott.

3) Ist aber unser Evangelium verdeckt, so ist’s denen verdeckt, die verloren werden,

4) den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes.

5) Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Christi willen.

6) Denn Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass die Erleuchtung entstünde zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.

Der Herr segne an uns sein Wort. Amen.

Liebe Gemeinde,

Wie kann man eine Missionsfestpredigt in Groß Oesingen am Südrand der Lüneburger Heide besser beginnen, als mit einem schönen Zitat von Louis Harms, dem alten Hermannsburger Missionsvater:

Ein Licht kann nicht verborgen bleiben, wo es angezündet wird, es muss leuchten. Ich soll mit dem Christentum nicht prahlen, soll es aber auch nicht unter den Scheffel stellen, sondern einfach und unbefangen wandeln als der, der ich bin, als Christ, und mich in Worten und Werken als Christ zeigen. Dann hören es die Elenden von selbst und bekehren sich.“

Für die Predigt heute Nachmittag wurde ich gefragt, etwas zur Mission in Deutschland, in unserem Alltag zu sagen. In meinen und vielleicht auch Ihren Ohren klingt Mission immer noch nach etwas Besonderem. Missionare sind nur einfache Pastoren, sondern irgendwie „Pfarrer für ganz besondere Aufgaben“. Sei dies irgendwo in den anderen Ecken dieser Erde, wie bei Missionar Thomas Beneke, oder sei es hier bei uns um die Ecke in Hamburg in der Persermission. Mission machen die anderen und Mission wird für andere gemacht, so mag man meinen. Eigentlich aber fängt Mission viel früher an und ist alles andere als eine „besondere Aufgabe“ nur für ganz bestimmte Leute.

Für den Apostel Paulus in unserem Predigttext und Missionsdirektor Harms in dem Zitat eben scheint sie gar das normalste der Welt zu sein. Sein eben genanntes Zitat ist nicht etwa an Missionsschüler gerichtet um sie auf ihren Dienst im südlichen Afrika vorbereiten, sondern an seine ganz normale Hermannsburger Dorfgemeinde. Die Leute, die da unter ihm sitzen sind getauft, konfirmiert und Gemeindeglieder. Die genannten „Elenden“, die das Wort Gottes, das Licht Gottes brauchen, sind gerade nicht nur irgendwelche besonderen irgendwie fremden Leute, irgendwelche ‚anderen‘, sondern die Nachbarn und Freunde der Zuhörer der Predigt in Hermannsburg.

Die Mission beginnt also nicht erst da, wo wir über Grenzen hinausgehen, sondern ist in jedem Handeln von uns Christen gegeben und sie ist auch nichts Besonderes. Louis Harms sagt, dass unser ganz normales, alltägliches Leben als Christen selbst schon Mission ist. Paulus benutzt dafür andere Worte, sagt aber dasselbe: Als Christen spiegeln wir das Licht und die Herrlichkeit Gottes wider, sichtbar für unsere Umgebung, für unsere Freunde, Nachbarn und Kollegen. Er sagt nicht wir sollen es wiederspiegeln, sondern man müsste unser Christsein schon aktiv verdecken, wenn es nicht mehr spiegeln sollte. Als Christen spiegeln wir immer.

Ein Spiegel handelt dabei nicht selbst, von sich aus. Er spiegelt einfach, er kann gar nicht anders. Man kann das Spiegeln nicht mit einem Knopfdruck abstellen, sondern ihn nur verdecken. Mit dem Worten von Harms: „Ein Licht muss leuchten, wenn es angezündet ist.“ Es ist ja klar, ein angezündetes Licht kann gar nicht nicht leuchten. Das Leuchten gehört ganz einfach zum angezündet sein, ebenso wie das spiegeln zum Spiegel dazugehört.

Und so ist es auch mit uns. Auch wir Christen spiegeln einfach das, was wir sehen, was uns ein-leuchtet, was sich uns einbrennt; wir reflektieren eigentlich nur, geben nur weiter, was wir empfangen haben.

Eben weil das Licht Christi selbst hell auf uns scheint, weil es sich in uns einbrennt, verwandelt es auch uns in kleine Lichter für die Welt, für unsere Nachbarn, Kollegen und Freunde; in Spiegel, in welchen sich seine Herrlichkeit widerspiegelt. Wir müssen nicht von uns aus versuchen Lichter zu sein, so als könnten wir uns selbst zum Leuchten bringen und dann von uns aus leuchten, sondern weil wir selbst Empfänger des Lichtes Gottes sind, leuchten wir, nicht aber wir, sondern Jesus Christus in und durch uns vor der Welt, vor den Elenden, die dieses Licht für sich je einzeln brauchen. Weil wir selbst Empfänger der guten Botschaft von Christus sind, der Botschaft, dass Christus unsere Sünden, unsere Sorgen, unser Leiden auf sich genommen hat, dass er uns befreit hat von den Gefängnissen, die um uns aufgerichtet sind und die wir uns immer wieder selbst aufrichten, darum werden wir im Lichte dieses Evangeliums verwandelt und können frei diese Botschaft verkünden. Nicht allein in Worten, wie der Predigt, sondern auch in der Tat. Jede Tat, die im Glauben und in der Gewissheit um die Liebe Gottes geschieht, ist missionarisches Handeln. Sie ist ein Handeln, durch welches die Mitmenschen sehen können, dass Gott in uns sein Licht angezündet hat, dass er bei uns ist und wir in ihm geborgen sind.

Mission fängt viel kleiner an, als wir uns das klassisch vorstellen. Als Christ sind wir schon immer Missionare, weil Christus in uns wohnt. Ob wir nun unserer normalen Arbeit nachgehen, ob wir unserem Nachbarn im Garten helfen, ob wir einem Ehrenamt nachgehen, so kann dies alles schon an sich Mission sein. Mission beginnt schon im ganz Kleinen, oder besser im vermeintlich Kleinen. Ja Mission beginnt nicht einmal erst da, wo wir aktiv auf Leute zugehen, sie zu den Gottesdiensten einladen; das natürlich auch und in ganz besonderer Weise, aber Mission beginnt schon dort, wo wir als Christen erkannt werden. Nicht unbedingt durch große schwere Kreuzketten oder das dauernde Tragen einer Bibel unter dem Arm, sondern dort, wo wir ganz „einfach und unbefangen wandeln, als die, die wir sind: als Christen“, wie Louis Harms sagt, wo wir uns unseres Nächsten in seiner Situation annehmen, wo wir selbst das Wort Gottes hören und leben.

Wie viele Junge Leute kommen nach kirchlichen Jugendwochenenden, seien es BJT, Jufe oder SELKiaden nach Hause und berichten begeistert von der Atmosphäre, wie freundlich, offen, einladend und fröhlich – egal wie man je selbst ist ‒ die Menschen auf solchen kirchlichen Treffen sind und wie anders dies zum Teil ist als in der Schule, im Sportverein oder wo auch sonst. Wie ansteckend ist dabei gleichzeitig diese Freude, wie ansteckend die Begeisterung gemeinsam im Lichte Gottes Zeit zu verbringen, Andachten zu feiern, Spiel und Spaß zu haben. Nicht nur der Gottesdienst, die rechte Lehre beeindruckt, sondern auch und wohl meist, die sogenannten weichen Faktoren, die, welche sich nicht einfach berechnen lassen, solche die die Persönlichkeit direkt ansprechen, Freundlichkeit, Liebe, Sanftmut und Geduld.

Ganz persönlich kann ich für mich sagen, dass ich ohne solche Veranstaltungen und ohne die Menschen, die ich dort getroffen habe nicht hier stünde oder überhaupt hier wäre. Die Freude am Glauben, den diese Menschen auf mich versprühten, das Spiegeln der Herrlichkeit Gottes, die ich dort erlebt habe, sind für mich ganz persönlich zur Mission geworden. Sie sind mir zu meinen ganz persönlichen Missionaren geworden.

Denn auch wir sind nicht nur selbst Missionare in unserem Alltag, sondern brauchen auch immer wieder diese Leute, die das Licht Christi für uns und vor uns spiegeln, die uns in dieses Licht und die Herrlichkeit Gottes hineinnehmen. Seien es Menschen auf Jugendfreizeiten, die einem das Christsein vorleben oder beispielsweise solche, die man beim Posaunenchor trifft und dank derer man sich immer wieder total auf die Proben und den Sonntagsgottesdienst freut.

Wir sind nämlich immer auch selbst die „Elenden“, die solcher Missionare bedürfen, wir sind immer wieder Menschen, die ohne den Blick auf die anderen an unserem eigenen Glauben verzweifeln würden. Immer wieder weisen diese uns auf Christus, indem sichtbar ist, dass sie in selbst Christus sind, dass er ihre Geborgenheit und Zuflucht ist. Ohne solche Vorbilder im Glauben, ohne Menschen die uns beeindrucken, eben weil sie selbst von Gott beeindruckt sind, kann der eigene Glaube nicht wachsen. Gott sei Dank schenkt Gott uns immer wieder solche Menschen: mal erkennen wir sie als solche, mal merken wir erst viel später, welchen Einfluss sie auf uns hatten, ebenso wie wir vielleicht gar nicht merken, dass auch wir einen Einfluss auf diejenigen haben, welche neben uns wohnen, mit uns arbeiten – und mit uns in der Kirchenbank sitzen.

Eine ganze Reihe von Leuten könnte ich nennen, die mir nicht allein dadurch, dass sie mir das Evangelium gepredigt hätten, den Glauben gestärkt haben, sondern dadurch, dass sie den Glauben selbst gelebt haben; dass man ihnen angemerkt hat, dass sie einen Gott haben, der sie liebt.

Mir sind diese Leute zu Missionaren der Freudenbotschaft geworden, dass Christus auch mich liebt, dass er auch meine Sünden auf sich genommen hat, dass er auch bei mir ist und auch mich nicht verlässt, dass seine Herrlichkeit auch in mir leuchtet.

Diese Leute sind Missionare ebenso wie auch wir Missionare sind, weil und wenn sie und wir eben einfach Christen sind und als solche Leben, am Sonntag ebenso wie in unserem ganz normalen Alltag.

Mission ist nicht nur etwas, dass irgendwelche Leute mit besonderen Aufgaben machen, solche, die aus der Heide an die Enden der Erde ausgesandt werden, sondern als Christen ist schon jeder einzelne Atemzug den wir tätigen ein missionarischer Akt, weil ihn jemand atmet, der von Christi Herrlichkeit beschienen ist und gar nicht anders kann, denn sie zu spiegeln. Geatmet von jemandem, dem das Licht Gottes leuchtet und der somit selbst von Gott aus zu leuchten beginnt.

Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

(Tobias Schütze, Wiss. Ass., Lutherische Theol. Hochschule Oberursel)