Predigt zum 3.10.2021, Erntedankfest (2. Korinther 9,6-15)

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  • Erstellungsdatum 2. Oktober 2021
  • Zuletzt aktualisiert 2. Oktober 2021

Predigt zum 3.10.2021, Erntedankfest (2. Korinther 9,6-15)

Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder, wie er's sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber kann machen, daß alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk; wie geschrieben steht: »Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.« Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit. So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Einfalt, die durch uns wirkt Danksagung an Gott. Denn der Dienst dieser Sammlung hilft nicht allein dem Mangel der Heiligen ab, sondern wirkt auch überschwenglich darin, daß viele Gott danken. Denn für diesen treuen Dienst preisen sie Gott über eurem Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und über der Einfalt eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen. Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwenglichen Gnade Gottes bei euch. Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Gott macht mehr aus dem, was wir haben. Wenn wir nur das ernten würden, was wir säen, wären die Arbeitsstunden und die Maschinenstunden ja umsonst. Und er macht mehr aus dem Erntefest, wie man es auch ohne Kirche feiern kann. Wir wissen ja, wem wir das zu verdanken haben. Deshalb teilen wir Christen das Wort sozusagen in der Mitte und stecken da den Dank rein.

Dabei ist teilen nicht selbstverständlich. Das heißt ja, abgeben von dem, was ich habe. Ich weiß ja, dass Gott das von mir will. Aber ich muss mich doch manchmal selbst dazu überreden. Oder ich gebe eben doch mal wenig oder gar nichts. In beiden Fällen habe ich ein ungutes Gefühl. Und das würde auch nicht besser, wenn der Pastor an diesem Tag kräftig über unseren Überfluss predigen würde und dann auf die Kanzel hauen: „So, jetzt gebt mal ordentlich, aber nicht so knauserig wie neulich.“ Das wäre ein Geben unter Druck. Das ist nicht, was Gott will, manchen von euch wäre damit Unrecht getan, und das ungute Gefühl bliebe auch.

Und es wäre auch nicht damit geholfen, wenn heute genau das zu hören wäre, was mindestens “gefühlt” überall in den Medien zu hören ist; wenn Landwirtschaft und Umweltbelastung in einem Atem genannt wird und nicht bedacht wird, wie man noch wirtschaftlich arbeiten soll, wenn der politische und wirtschaftliche Rahmen in diesem Teil der Welt immer enger wird.

Paulus macht es anders und ohne Druck. Er spricht von Saat und Ernte. Und auf einmal geht es gar nicht mehr darum, dass wir nun auf einen Teil unseres Einkommens verzichten sollten und uns für eine bessere Weltordnung einsetzen, in der die reichen Länder mit ihren finanziellen und politischen Mitteln die ärmeren von sich abhängig machen. Sondern es geht darum – ja, worum geht es eigentlich? Auf alle Fälle um Landwirtschaft, um himmlische Landwirtschaft sozusagen. Aber sind wir dann die, die säen, oder die, die ernten? Offenbar wir beides. Dabei setzt der Apostel an bei einer Weisheit, die für alles Wirtschaften gilt:

Wer sparsam (also: spärlich) sät, wird spärlich ernten.

Und wer im Segen sät (also reichlich), wird reichlich ernten.

In der Landwirtschaft und in der Weltwirtschaft muss ich erst einmal investieren, bevor ich etwas herausholen kann. Ich muss genug Saatgut haben, dann werde ich hinterher bei der Ernte mehr bekommen, als ich selbst zum Leben brauche.

Haben wir soviel „Saatgut“ bekommen, dass wir jetzt abgeben können? Der Frühling kam spät dieses Jahr. Und ein Landwirt hat mir von seiner Angst erzählt, dass es wieder ein zu trockenes Jahr wird. Es ist ein immer kleinerer Anteil der Bevölkerung, der direkt vom Wetter und von den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft abhängt. Früher war das die große Mehrheit. Aber über diese Rahmenbedingungen entscheiden heute andere, die nicht davon abhängen. Auch darüber hat sich mancher hier Gedanken gemacht vor der Bundestagswahl letzten Sonntag.

Nun fällt die Ernte dieses Jahr hier im Umkreis insgesamt wohl nicht schlecht aus, auch wenn es einzelne Betriebe sehr unterschiedlich betrifft und die Produktions­kosten im Moment stark steigen. Und auch die Folgen der Pandemie sind für die Gesamtwirtschaft zumindest keine Katastrophe. Auch da hat Gott viele Gebete am Altar, in den Häusern und unter allen Christen erhört. Wie es dir im einzelnen gegangen bist, das weißt du selbst. Aber wir sind heute nicht mit leeren Händen gekommen. Und jeder Kürbis, jede Kartoffel hier vorne steht ja auch für Heizung und Strom, Miete und Sprit, für Kleidung und Impfdosen, Krankenversicherung, Lohn oder Rente, und liebe Mitmenschen. Und wer in seinem Herzen mal sammelt, hat wohl noch mehr Gründe zum Danken.

Der Evangelist Johannes berichtet uns, dass Jesus 10- oder 15000 wunderbar satt gemacht hat und dass sie ihn dann zum König machen wollten. Jeden Tag umsonst Essen, das wollen sie. Aber dazu ist er nicht gekommen. Für unser tägliches Brot hat Gott uns zwei Hände und den Verstand gegeben. Aber das geistliche Brot des Lebens gibt er umsonst. Das ist der Reichtum, von dem Paulus schreibt: „Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei.“ Das ist ja die unverdiente Liebe des Vaters, der jeden Tag nach dem verlorengegange­nen Sohn oder Tochter und auch nach dem “dummen reichen Bauern” Ausschau hält, ob sie nicht zurückkommen in seine Vaterarme, wo er den Hunger stillt nach Vergebung und Frieden, nach Freiheit von Angst und Schuld.

Ja, wir sind reich. Überreich. Und dieser Reichtum, die Gerechtigkeit Gottes, die er uns schenkt, ist unerschöpflich. Da nagt keine Steuer dran und keine Inflation. Nein, unser himmlischer Vater will uns nicht das Geld aus der Tasche nehmen. Er gibt uns. Er gibt nur so, wie es Eltern (oder Großeltern) manchmal tun, die einem Kind eine Tafel Schokolade in die Hand drücken, damit es die mit seinen Geschwistern teilt. Sie würden das ja nicht von dem Kind verlangen, wenn es dann selbst nicht genug für sich übrig hätte. Wenn es allerdings die ganze Schokolade alleine aufisst, werden sie es sich in Zukunft überlegen, ob sie nicht einem anderen Bruder oder einer anderen Schwester nächstes Mal mehr geben.

Wir bekommen so viel von unserem Gott, dass wir getrost mit anderen teilen können. Nicht traurig oder gezwungen, weil wir meinen, so ganz reicht es für uns dann vielleicht doch nicht mehr, aber der Pastor oder der Apostel Paulus hat's ja gesagt. Sondern fröhlich, weil von Gott immer „Nachschub“ kommt, wenn wir es brauchen. Er ist so unbeschreiblich reich, er kann uns noch viel mehr geben. Er gibt nur nicht alles auf einmal. Aber Eltern, die ihr Kind liebhaben, überschütten es auch nicht innerhalb weniger Stunden mit Bergen von Süßigkeiten.

Fröhlich geben, das heißt auch: So, wie ich es mir im Herzen vorgenommen habe. Und die geistliche “Ernte” besteht dann darin, dass damit wirklich einem Mangel abgeholfen wird. Wir haben als Kirchengemeinde die finanzielle Verpflichtung für unsere Pastoralreferentinnen und Pastoren und Missionare. Und wir haben die Verheißung, dass die Euromünze, die ein Kind von Herzen gibt, genauso gesegnet ist wie der 50-Euro-Schein. Und was du weggibst, daran kannst du dein Herz nicht mehr hängen. Umso leichter wird's, mit dem Herzen an Christus zu hängen. Und der wird niemanden Mangel leiden lassen, der um seinetwillen etwas loslässt.

Unser Predigtwort bezieht sich auf eine Kollekte, die Paulus für die Mutter­ gemeinde der Kirche in Jerusalem gesammelt hat. Jeden Sonntag sollten die Christen in Korinth dafür etwas zurücklegen. So haben wir's letztes Jahr gemacht, als die Kirchtüren geschlossen waren und wir den Gottesdienst zuhause gefeiert haben. Und so tun wir's auch, wenn wir im Gottesdienst die Sonntagskollekte einsammeln. Damit bekennen wir wie die ersten Christen, dass wir dem vertrauen, der uns bisher versorgt hat und es weiter tun wird. Und wie damals tragen wir damit bei, dass der Dank und das Lob Gottes mehr werden. Wir feiern nicht nur ein Erntefest. Gott macht mehr daraus, indem er den Dank bei uns wachsen lässt. Und er beteiligt uns daran, dass daraus ein Ernte-Dank-Fest wird, ja, ein “Ernte-Lob-und-Dank-Fest”.

(Predigtreihe III neu

Daniel Schmidt, P.)