Predigt zum 28.11.2021, 1. Adventssonntag (Jeremia 23,5-8)

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  • Erstellungsdatum 28. November 2021
  • Zuletzt aktualisiert 28. November 2021

Predigt zum 28.11.2021, 1. Adventssonntag (Jeremia 23,5-8)

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, daß ich dem David einen gerechten Sproß erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: »Der HERR unsere Gerechtigkeit«. Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der HERR, daß man nicht mehr sagen wird: »So wahr der HERR lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«, sondern: »So wahr der HERR lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel herausgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.« Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.

Liebe Schwestern, liebe Brüder in Christus,

„Papa, das ist so ungerecht!“ Es ist Sonnabendabend. Der elfjährige Marko liegt im Bett. Aber er muss noch etwas loswerden. „Beim Fußball heute, da hat der Max so getan, als ob ich ihn gefoult habe. Dabei gibt der immer an damit, dass er die Schwalbe übt. Und dann hat er den Elfer auch noch reingeschossen. Und wir haben verloren.“

Sein Papa ist still. Wie oft denkt er selbst diesen Satz: „Das ist so ungerecht.“ „Weißt du, Marko,“ sagt er leise, „die Welt ist nicht immer gerecht.“

Er sagt Gutenacht, dreht das Licht aus und geht ins Wohnzimmer. Im Fernsehen läuft eine Talkshow. Ihm kommt's eher vor wie eine Stammtischrunde in der Kneipe Es geht um die alte und die neue Regierung. Und dass man denen da oben sowieso nicht mehr trauen kann. Er schaltet um. Dann lieber „Tatort“.

Beim Frühstückmachen am Sonntag läuft das Küchenradio. Jemand erklärt, worum es am ersten Adventssonntag geht: Die Erwartung eines gerechten Königs. Marko hilft beim Tischdecken. Er kann sich gar nicht vorstellen wie das ist, einen König zu haben. „Weißt du,“ sagt sein Vater, „früher konnten sich die meisten Menschen ihre Regierung nicht aussuchen. Wenn da ein König besonders ungerecht war, haben sie oft geklagt. Aber es war genau zu so einer Zeit, dass der Prophet Jeremia in Israel angekündigt hat, dass ein ganz anderer König kommen wird. Daran werden wir im Advent erinnert.“

Marko denkt an den letzten Weihnachtsgottesdienst vor Corona. Da hat er im Krippenspiel einen der weisen Männer gespielt und musste den König Herodes fragen: „Wo ist der neugeborene König der Juden?“

Jetzt sitzen sie am Tisch. „Stell dir mal vor,“ sagt seine Mutter, „wie es den Leuten in Israel damals gegangen ist. Der König, den sie da hatten, hieß Zedekia. In unserer Bibel steht in einer Erklärung, dass das heißt, 'Der Herr ist meine Gerechtigkeit.' Aber er war wirklich alles andere als gerecht. Da war vielleicht irgendwo ein Junge wie du. Nennen wir ihn mal Amon. Sein Vater ist früh gestorben. Und im nächsten Jahr hat der Nachbar einfach das Land mit bearbeitet, das ihnen gehörte. Er hat gesagt, „deine Mutter und du, ihr könnt das ja sowieso nicht.“ Aber er wollte ihnen nichts abgeben von den Oliven und der Gerste, die er auf ihrem Land geerntet hat.

Dann hat Amon den Propheten Jeremia gehört. 'Siehe, es kommt die Zeit', hat der gerufen, 'da wird der Herr dem David einen gerechten Spross erwecken. Der soll ein König sein, der gut regieren und Recht und Gerechtigkeit im Land üben wird.' Und Amon hat gedacht, 'so einen König müssten wir haben'.”

Marko beißt in sein Nutella-Brötchen. „Einen Spross erwecken,“ sagt er, ist das so wie mit der Weide vorne, die wir letztes Jahr gefällt haben? Die Zweige, die da jetzt rauswachsen?“ „Genau“, sagt sein Vater. „Und ganz wichtig ist, dass Gott selbst macht, dass aus dem Stammbaum von David ein solcher Spross herauswächst. Maria gehörte ja zur Familie von David, und daher ist Jesus tatsächlich wie ein neuer Zweig, der aus dem Familien-Stamm herauswächst. Aber Gott persönlich hat ihn ins Leben gerufen. Er hat keinen menschlichen Vater, nur eine menschliche Mutter, wie der Engel Gabriel es der Maria angekündigt hat.”

„Und der ist der König“, meint Marko, gerade als im Radio zu hören ist, „Macht hoch die Tür, die Tür macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich.“ „Genau. Aber was für ein König, das konnten sich die Leute damals auch kaum vorstellen. Nur bei seiner Geburt hat er königliche Geschenke bekommen. Und bei seinem Tod stand über ihm am Kreuz auf dem Schild: 'Jesus von Nazareth, König der Juden.' Damit wollte Pilatus sagen, dass er ein ganz lächerlicher König ist.“

Jetzt erzählen Kinder grade im Radio, wie Jesus auf dem Esel in Jerusalem eingezogen und als König empfangen worden ist. Und sie rufen beim Erzählen selbst fröhlich 'Hosianna!'

Markos Vater denkt, irgendwie ist das wie die Einsetzung eines neuen Bundeskanzlers. Da ist er wieder bei der Diskussion über die Regierung im Fernsehen. Ist Jesus denn ein 'Regierer', der das gebracht hat, was Gott gesagt hat? Gerechtigkeit und Sicherheit? Als er verurteilt wurde, da war das doch das ungerechteste Urteil, das es überhaupt jemals gegeben hat. Und war die Welt wirklich sicherer geworden? Müssen wir nicht dieses Jahr wieder die Weihnachtsmärkte gegen Terroranschläge schützen?

Dann sitzen sie im Gottesdienst. Und in der Predigt sagt der Pastor, Jesus hat uns Menschen eine andere Sicherheit gebracht. Die Sicherheit, zu ihm zu gehören wie die Jünger, die ohne Gepäck mit ihm unterwegs waren, ohne Bankkonto und ohne Dach über dem Kopf. Und denen trotzdem nichts Wichtiges gefehlt hat. Wir gehören ja in sein Reich, das einzige Königreich, das keine Grenzen hat. Und er ist der einzige König, der wirklich im vollen Sinn 'von Gottes Gnaden' ist. Der mit uns leidet, wenn wir leiden, und der uns gnädig unsere 'Ungerechtigkeit' abnimmt, wenn wir ungerecht gewesen sind, also etwas getan oder gedacht haben, was unseren Mitmenschen schadet, was gegen Gottes Willen ist. Und indem er uns vergibt, macht er uns gerecht, so dass wir in sein Reich passen.

Ja, er bringt wirklich Gerechtigkeit. Er fängt nicht nur da an, wo wir Gerechtigkeit oft zuerst erwarten – in der Politik –, sondern bei uns selbst. Uns macht er gerecht, indem er uns vergibt und unser Herz erneuert. Da fängt wahre Gerechtigkeit an, und die vergeht nicht, wenn die Politiker wechseln oder die Verfassungen.” Aber er macht dafür keine neuen Gesetze, die gedruckt werden und an die sich alle halten müssen. Er kommt einfach selbst zu jedem, der ihn aufnimmt. Er ist selbst die Gerechtigkeit.

Und auf dem Rückweg im Auto sagt die Mutter: „Siehst du, Marko, Gott ist unsere Gerechtigkeit. Und die bekommen wir im Gottesdienst.“ Marko ist sich nicht sicher, ob er das alles ganz verstanden hat. Aber er will darauf achten, dass er es merkt, wenn dieser König kommt: Wenn sie die Kerzen am Adventskranz anzünden, die Adventslieder singen und die alten Weissagungen hören wie die von Jeremia. Denn er weiß jetzt: Jesus ist dieser König. Sein König. Amen.

(Predigtreihe IV neu

Daniel Schmidt, P.)