Predigt zum 26.9.2021 (Römer 10,9-18)

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  • Erstellungsdatum 26. September 2021
  • Zuletzt aktualisiert 26. September 2021

Predigt zum 26.9.2021 (Römer 10,9-18)

Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, daß Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet. Denn die Schrift spricht (Jes. 28,16): »Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.« Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. Denn »wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden« (Joel 3,5). Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jes. 52,7): »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!« Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht (Jes. 53,1): »Herr, wer glaubt unserm Predigen?« So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi. Ich frage aber: Haben sie es nicht gehört? Doch, es ist ja »in alle Lande ausgegangen ihr Schall und ihr Wort bis an die Enden der Welt« (Psalm 19,5).

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

überall gucken sie uns an – die Gesichter auf den Wahlkampfplakaten für die Kommunalwahl mit der Stichwahl heute und für den Bundestag. Manche kennen wir aus dem Fernsehen, manche persönlich. Und alle werben sie um unsere Stimmen. Nein, ich werde mich jetzt nicht in Politik vertiefen. Da hat jeder Christ seine Verantwortung, und wird zu seiner eigenen Entscheidung kommen, wo er seine Kreuze setzt oder wo er aktiv seine Verantwortung wahrnimmt, wie das eine ganze Reihe von uns tun. Das ist ein guter Grund, warum Pastoren unserer Kirche in keiner Partei sein dürfen. Sie haben eine andere Wahl zu vertreten. Eine Wahl, bei der es von Anfang an immer um eine Person geht. Und darum, welche Konse­quenzen der Ausgang der Wahl für jeden von uns hat.

Nun kommt es mir dieses Jahr so vor, dass ich die Schlagworte auf den Plakaten kaum einer Partei zuordnen könnte, wenn da nicht die Parteifarben und die drei Buchstaben wären. Da muss man schon selbst suchen und nachlesen, wie sich die Kandidaten unsere Zukunft vorstellen, oder vielleicht sogar die Rettung der Umwelt und der Welt, wie es vorgestern von einigen Demonstranten zu hören war.

Anscheinend war es aber bei dem einen, um den es für alle Menschen geht, ganz ähnlich. Seine Worte haben für kurze Zeit die Massen begeistert, aber viele haben nicht begriffen, worum es ihm für die Zukunft wirklich ging. Man musste das offenbar selbst nachlesen. Darauf hat er ausdrücklich hingewiesen, wenn er gesagt hat, “es steht geschrieben”, nämlich in der heiligen Schrift, in dem Teil, den wir das Alte Testament nennen. Und – ja, nach nur drei Jahren verschwand er aus dem öffentlichen Leben, nachdem sich eine klare Mehrheit gegen ihn entschieden hatte.  Der Machtwechsel in Jerusalem, auf den manche gehofft hatten, die die römischen Besatzer loswerden wollten, fand nicht statt.

Und dennoch geht es bis heute um diesen einen, Jesus von Nazareth, für alle Menschen. Und es geht um mehr als um die Frage, ob Pflegekräfte endlich auch finanziell mehr Anerkennung für ihre so wichtige Arbeit bekommen, ob landwirt­schaftliche Betriebe noch wirtschaftlich arbeiten können oder wie sich die Corona-Maßnahmen zu den Grundrechten verhalten. Es geht um mehr als um das, wozu menschliche Politiker von Gott Macht bekommen, also, das Leben in dieser vergänglichen Welt zu ordnen und zu sichern. Es geht um unsere Rettung, wie es uns der Apostel Paulus in der Epistellesung zu diesem Sonntag deutlich macht; darum, ob unser Leben mit dem ewigen Tod endet oder in der ewigen Gemein­schaft mit Gott. Und diese Entscheidung hängt tatsächlich an einer einzigen Stimme, der Stimme, die über unsere Rettung oder unser Verlorensein entscheidet.

Aber ist das nicht von vornherein klar? Viel klarer als der Ausgang der Wahl heute, über den wir ja erst heute abend die ersten Hochrechnungen und in den nächsten Tagen die Ergebnisse bekommen? Werden wir nicht sowieso am Ende alle zu den Gewinnern zählen, alle in den Himmel kommen? Wenn heute vom “lieben Gott” geredet wird, dann meinen ja viele, der kann es doch gar nicht fertig­ bringen, uns am Ende nicht in seine Gemeinschaft aufzunehmen. Können wir da nicht das tun, was die drei Kanzlerkandidaten bis vor zwei oder drei Tagen eben nicht tun konnten, uns entspannt zurücklehnen und die Arme verschränken?

Nun, wer tatsächlich in der heiligen Schrift liest, stellt fest, dass der Ausgang keineswegs selbstverständlich ist. Wozu sonst hat Gott jahrhundertelang immer wieder Propheten geschickt, um sein Volk zurückzurufen? Wozu hat Johannes in der Wüste Buße gepredigt, also Umkehr? Wozu hat Gottes Sohn seine bequeme, ewige Wohnung und seinen unvorstellbaren Wohlstand verlassen? Ist das nicht alles Teil der weltweiten Rettungsmission Gottes, die bis heute weitergeht? Das deutsche Rettungsschiff “Sea Eye 4” hat Anfang September 353 Menschen in Palermo an Land gebracht: wer würde sagen, das war überflüssig, es würde sowieso für alle, die in Seenot sind, am Ende gut ausgehen?

Ja, liebe Schwestern und Brüder, Gottes Wort ist nicht nur eine schöne Rede oder ein poetischer Vers auf einer Postkarte. Es sagt uns die unangenehme Wahrheit, die die Schlepper in Nordafrika den Flüchtlingen nicht sagen: dass alles darauf hinausläuft, dass wir am Ende das Leben verlieren. Ja, dass wir eigentlich schon jetzt als Verlierer feststehen, weil wir alle Chancen auf einen Sieg längst vertan haben und immer wieder vertun. Denn es ist unsere Schuld, dass wir den, auf dessen Stimme es entscheidend ankommt, verletzen, indem wir ignorieren, was er sagt, und seinem Wort misstrauen. Und dass wir uns eher sozusagen auf die “Umfragewerte” verlassen, also die Meinung unserer Mitmenschen, ob sie das so schlimm finden, als auf das, was uns Gottes Gebote klar dazu sagen.

Aber dass die Stimme des einen, des Sohnes Gottes, entscheidend ist, heißt eben, dass aus Verlierern Gewinner werden, wenn wir auf ihn hören. Dadurch, dass er die Mehrheitsentscheidung gegen sich akzeptiert hat, ja, den Beschluss, ihn gewaltsam zu beseitigen, hat er sich zum Verlierer machen lassen, damit wir's nicht mehr sind. In unserer Demokratie übt eine Kanzlerin oder ein Kanzler die Macht aus, die ihm von der Mehrheit gegeben wird. Hier ist es umgekehrt: Christus hat alle Macht, und jeder, für den er seine Stimme abgibt, hat daran teil.

Und er hat seine Stimme für dich abgegeben. In deiner Taufe hat er nicht nur gesagt, er will, dass du ewiges Leben hast. Er hat es dir gegeben. Da hat ein Machtwechsel stattgefunden. Der wird deutlich an dem Zeichen des Kreuzes, das der Pastor an der Stirn und an der Brust des Täuflings macht. Ein Christ, der mit seinem Herrn lebt, wird nicht vom Bösen regiert. Der hat eine ewige Regierung im Himmel, den dreieinigen Gott, der die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft in der Hand hat, der unser Bestes will und tut. Wenn du den hast, dann ist der Ausgang für dich am Ende nicht ungewiss. Dann kannst du heute gewiss sein, dass er im letzten Gericht für dich seine Stimme abgibt: das ist mein lieber Bruder, meine liebe Schwester. Getauft und geistlich wiedergeboren, begnadigt und freigesprochen zum ewigen Leben.

Aber wenn das so ist, dann müssen ja Boten zu allen Menschen gesandt werden, wie Paulus schreibt. Dann brauchen wir sie dringend: Missionare in anderen Sprachen und Bibelübersetzer, junge Frauen, die als Pastoralreferentinnen in unseren Gemeinden arbeiten, und junge Männer, die sich als Pastoren ausbilden lassen. “Gehet hin in alle Welt” – das ist Jesu Stimme, die das sagt.

Und hier im Gottesdienst setzt er deine Rettung allen Einsprüchen zum Trotz immer wieder neu durch und spricht sie dir zu. Das hast du nötig, denn schließlich geht es darum, dass dir dieser Wahlsieg immer neu bestätigt wirst, und du mit seiner Regierung lebst. Ja, dass du das mit dem Herzen glaubst und mit dem Mund bekennst, wie der Apostel an die Christen in Rom schreibt.

Dass er dir das durch ganz menschliche Stimmen sagen lässt, gehört dabei zu Gottes unergründlicher Weisheit. Da mögen wir manchmal deutlich die Schwächen eines Pastors erkennen, vielleicht mehr als bei manchem Politiker in Berlin. Aber wenn sie nach seinem Willen und in seiner Vollmacht handeln, macht er ihre Stimme zu seiner Stimme, ihre Hand zu seiner Hand, ja, lässt ihre Entscheidung zu vergeben oder Sünde zu behalten seine Entscheidung sein. Unfasslich, aber zugleich, was für ein Trost! Denn so weckt er auch bei dir immer wieder den Glauben und die Freude über seinen Wahlsieg, will dir neu die Freudigkeit schenken, sein Wort zu hören und sein Mahl zu feiern, und dich von diesem Wort durch nichts und niemand abbringen zu lassen. Denn sein himmlisches Wahl-Team wird am Ende öffentlich seinen Sieg verkünden, und da will er dich dabeihaben. Amen.

17. Sonntag nach Trinitatis (Predigtreihe III neu)

(Daniel Schmidt, P.