Predigt zum 23.5.2021, Pfingstsonntag (1. Korinther 12,4-11)

  • Version
  • Download 2
  • Dateigrösse 42.75 KB
  • Datei-Anzahl 1
  • Erstellungsdatum 22. Mai 2021
  • Zuletzt aktualisiert 23. Mai 2021

Predigt zum 23.5.2021, Pfingstsonntag (1. Korinther 12,4-11)

Hinweis: Die Datei im Anhang enthält den gesamten Gottesdienstablauf

Predigt zu 1. Korinther 12,4-11

Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen. Durch einen jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller. Dem einen wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben; dem andern ein Wort der Erkenntnis durch denselben Geist; einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem einen Geist; einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen. Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist, der einem jeden das Seine zuteilt, wie er will.

Liebe Schwestern und Brüder,

Sie sprechen gar nicht so, wie Sie aussehen“, sagte vor einer Weile eine ältere Dame zu einem jungen Mann. Das war nicht unfreundlich gemeint. Die Situation war nur ungewohnt für sie. Seine Eltern waren als Migranten nach Deutschland gekommen. Das sah man ihm an. Aber er war hier geboren und aufgewachsen. Er war Deutscher seit seiner Geburt.

Eine noch viel ungewohntere Situation erlebten die Jünger in Jerusalem am Pfingstfest. Wir haben den Bericht davon in der Apostelgeschichte gestern gehört. Das ist eine der Lesungen, die am schwierigsten zu lesen sind wegen der ganzen Ortsnamen. Menschen aus 17 verschiedenen Volksgruppen und Ländern werden durch die Taufe Teil der ersten christlichen Gemeinde.

An die ganz unterschiedlichen Menschen in Jerusalem könnte Paulus auch heute denken, und bei uns an die aus Griechenland, Syrien, Istanbul, aus dem Iran und dem Irak, aus China und Chile, aus dem Kosovo und aus Kasachstan, aus Bayern und der Lüneburger Heide. Und Petrus in seiner Pfingstpredigt macht klar, dass es nicht nur um die Herkunft geht. Söhnen und Töchtern wird durch den Geist etwas gegeben – eine der seltenen Stellen, wo beide Geschlechter ausdrücklich genannt werden: Kinder und Jugendliche haben etwas beizutragen zur Gemeinde und sind zu hören. Und die „Alten“, die Senioren, die sich nicht nur an Früher erinnern, sondern aus ihrer Lebens- und Glaubenserfahrung auch erkennen, wie es weitergehen kann in der Gemeinde. Und Petrus zitiert den Propheten Joel weiter: „Und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich meinen Geist ausgießen.“ Wieder werden beide Geschlechter genannt: Frauen und Männer in ihrer Mitarbeit in der Gemeinde. Alle durch denselben Geist Gottes, jeder und jede genauso wichtig und nötig in ihren vielfältigen Gaben.

Dabei steht „Knechte“ und „Mägde“ für das Dienen, und genau das wird hier zu einem Ehren-Amt, einem Amt, durch das Gott geehrt wird. Ich meine, wir können hier daran denken, dass wir in der Kirche den Beginn der neuen Schöpfung erleben. Wie Gott am Anfang jedes Lebewesen so besonders geschaffen hat, dass wir heute immer mehr staunen, je mehr wir darüber entdecken, wie er jedesmal feststellt, „das ist sehr gut geworden“, wie das alles in einem Gleichgewicht und einer Harmonie war, die wir seit der Abkehr des ersten Menschenpaares von ihm nur noch ahnen und nach der wir uns sehnen – so ist es Gottes Wille, dass in der Gemeinde ganz unterschiedliche Menschen ein Ganzes bilden, dass sie hier in seiner Liebe zusammenfinden und ein Ganzes daraus wird. Ja, das ist „sehr gut“.

Und dazu gibt er ganz unterschiedliche Gaben. Ich ahne hier etwas davon, wenn ich in die Gemeindechronik gucke. Ich erlebe es, wenn ich den jährlichen Bericht für die Kirchenleitung schreibe und die Zahl der Gruppen und Kreise vor „Corona“ längst nicht in die vorgesehenen Zeilen passt; wenn ich für die Berufsgenossen­schaft die ehrenamtlichen Mitarbeiter angebe, und über 40 Namen habe noch ohne die 70, die sonst bei der Kinderfreizeit mitmachen.

Aber so erfreulich das ist, Paulus hat einen Grund, warum er von dieser Vielfalt schreibt. Es ist der eine Geist, der diese Gaben gibt, sagt er. Das ist ganz wichtig. Denn das bedeutet, es geht nicht um bestimmte Geist-Erfahrungen, die man haben muss, bevor man dazugehört. Es geht nicht um religiöse Techniken, die man lernt. Und noch wichtiger: Es geht nicht ums Vergleichen und gar nicht ums Bewerten. Denn der Geist Gottes, der da am Wirken ist, der hat auf seiner Agenda nur ein Ziel: Alle zu Christus zu bringen, damit sie alle gerettet werden. Das ist die Einheit, die er schafft.

Genau dazu aber gibt er sehr verschiedene Fähigkeiten, die Paulus hier aufzählt, und ich versuche mal, nachzusprechen, was in unserer Situation dazugehören mag: Weisheit – Gemeindeglieder, die sehen, wie wir andere erreichen, oder die im kleinen Kreis einen geistlichen, persönlichen Rat geben; Erkenntnis – solche, die auf heutige Fragen eine klare, biblische Antwort finden; Glaube – nicht nur der Glaube, der einen Christen ausmacht, durch den wir gerettet werden, sondern der besondere Glaube, der auch dann das Vertrauen auf Gott behält, wenn alles dagegen zu sprechen scheint, der ihn auffordert, Berge zu versetzen, weil das für Gott kein Ding der Unmöglichkeit ist. Brüder und Schwestern mit der Gabe, gesund zu machen – deren Umgang mit anderen wie eine heilende Therapie ist; solche, die Wunder tun – das Wunder, dass durch sie Menschen bereit werden, mitzuarbeiten oder überhaupt zu kommen; prophetische Rede: eine klare Ansage zur Situation der Gemeinde und der Kirche, nicht aus ihrer eigenen Eingebung, sondern aus Gottes Wort. Und Reden in Zungen, ein inniges Gebet, das seinen eigentlichen Platz im privaten Bereich hat, und dort, wenn es von diesem Geist kommt, intensiv für die anderen bittet, nicht nachlässt, Gott alles zutraut und ihm dankt.

Nun zählt der Apostel das nicht dazu auf, damit sich die Oesinger Gemeinde mit anderen in unserer Kirche oder in ihrer ökumenischen Nachbarschaft vergleicht. Sondern dazu, dass die Worte im dritten Teil des Glaubensbekenntnisses mit Leben gefüllt werden, wenn wir sagen: Ich glaube an den Heiligen Geist, ich glaube eine heilige christliche Kirche. Und dass wir dann diesem Glauben gemäß handeln: Dank zeigen und aussprechen für die Gaben der anderen, einander Mut machen, sie einzusetzen, nicht nur für uns selbst, nicht nur außerhalb der Kirche – ob's die Musik ist, oder etwas Handwerkliches, die Arbeit mit Kindern oder mit Geld oder etwas ganz anderes. Und dass wir uns freuen, wenn dadurch etwas Neues geschieht, auch wenn's erstmal ungewohnt ist. Denn wir sind alle geborene Christen, egal wie wir aussehen, was wir gut oder weniger gut können, oder wie viel wir bisher in der Gemeinde mitgemacht haben. Hier gehören wir hin. Mit und durch uns baut Gott seine Kirche. „Herr, tu das von neuem, hier in der Gemeinde und in unserer Kirche. Und fange bei mir an.“ Amen.

(Daniel Schmidt, P.)