Predigt zum 2. Sonntag im Advent, 6.12.2020 (Lukas 21,25-33)

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  • Zuletzt aktualisiert 5. Dezember 2020

Predigt zum 2. Sonntag im Advent, 6.12.2020 (Lukas 21,25-33)

Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wißt ihr selber, daß jetzt der Sommer nahe ist. So auch ihr: wenn ihr seht, daß dies alles geschieht, so wißt, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.

Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Schwestern und Brüder,

Stellt euch mal folgendes Bild vor: Ein Mädchen steht in der Stadt in einer Fußgängerzone unter einer großen Uhr. Von links kommen Menschen und von rechts. Manche tragen Einkaufstaschen. Alle gehen an ihr vorbei, wollen irgendwohin. Nur sie steht da ganz ruhig. Und guckt ab und zu auf die Zeiger der Uhr. Man kann sich denken, was dieses Mädchen macht: Sie wartet. Und sie wartet nicht so sehr auf etwas, sondern auf jemanden. Und auf dem Bild kann man sehen: Der kleine Zeiger der Uhr ist ganz oben, und der große läuft darauf zu, ganz langsam, immer eine Minute weiter.

Wenn man genau hinsieht, kann man auch erkennen, dass sie sich freut, ganz leise, aber man sieht's. Sie wartet wohl auf einen lieben Menschen. Eine Freundin. Oder – ja, auf ihren Freund.

Die anderen um sie herum denken alle an etwas anderes. Aber sie denkt die ganze Zeit an ihn. Und sie freut sich jedesmal wenn sie sieht, dass der Zeiger ein bisschen näher an der Zwölf ist. Denn um 12 soll er kommen.

Die Zeit vor Weihnachten ist Adventszeit. „Advent“ heißt „Ankunft“. Wir warten als Christen auf einen, der gesagt hat, dass er kommt. Der hat uns lieb. Das ist Gottes Sohn. Wir erleben noch einmal mit, wie die Menschen lange auf seine Geburt in Bethlehem gewartet haben. Wir erleben, wie er in jedem Gottesdienst zu uns kommt. Denn das, was aus der Bibel gelesen wird, ist sein Wort, das er zu uns spricht. Und im heiligen Abendmahl kommt er als ganze Person, in Leib und Blut, auch wenn wir ihn nicht mit den Augen sehen. Wir haben also jeden Sonntagmorgen Grund, uns auf halb Zehn Uhr zu freuen.

Und wir werden in dieser Zeit daran erinnert, dass er wiederkommt. So, wie wir es im Glaubensbekenntnis miteinander bekennen:

„Ich glaube an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn … geboren von der Jungfrau Maria …auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes des Vaters, von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.“

Und heute sagt Christus uns selbst im Evangelium, wie wir warten sollen: Wenn ihr seht, wie die Zeit näher kommt, sagt er,

„dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“

„Aufsehen“ heißt hochgucken. Und die Häupter erheben heißt, den Kopf hoch machen, wie wenn man traurig war oder müde, und mit einem Mal ist es vorbei damit.

Ich stelle mir dabei das Mädchen in dem Bild vor. Die hat vielleicht gerade auf ihre Handy-Uhr geguckt, und jetzt sieht sie mit einem Mal ihren Freund kommen. Ihre Augen gehen auf und ihr Kopf geht hoch.

Und wir überlegen mal weiter: „Augen auf“ – was könnte das bedeuten, wenn wir an das Ende dieser Welt denken und an die Zeit, die näherkommt? Das heißt, so wie das Mädchen auf die Zeiger der Uhr guckt, sollen wir auf die Zeichen der Zeit achten. Und diese Zeichen nennt Jesus hier: Es wird Veränderungen in der Natur geben, an der Sonne, am Mond, an den Sternen und mit dem Meer. Die Naturkräfte werden durcheinanderkommen, und viele Menschen werden Angst bekommen. Er sagt auch, dass Kriege mehr werden, und Gewalt unter Menschen. Und eins erleben wir dieses Jahr, was neu ist, wo die Natur im ganz kleinen durcheinandergekommen ist, und was deshalb Menschen auf der ganzen Welt Angst macht. Wir brauchen es eigentlich gar nicht auszusprechen, wir werden sowieso dauernd an dieses Corona-Virus erinnert.

In der letzten Zeit ist viel über das Klima geredet worden, das sich verändert. Dass sich das Klima ändert, das merken wir, darauf stellen sich auch die Landwirte hier ein. Was das genau bedeutet, darüber gibt es verschiedene Meinungen (eine besonders deutliche Meinung dazu war im letzten Jahr immer wieder von Greta Thunberg zu hören).

Aber was bedeutet das Wenn wir ein paar von diesen Sachen mitbekommen, wie spät ist es? Wie bald kommt Jesus wieder? Nun, wir können das nicht ablesen wie an einer Uhr. Gottes Wort sagt eben auch, dass 1000 Jahre vor ihm so sind wie der Tag, der gestern vergangen ist (Psalm 90). Wir können deshalb nur sagen, dass die Zeit näherkommt. Und es ist wohl so, dass uns die größeren Zeichen noch bevorstehen.

Aber heißt das nicht dass wir dauernd Angst haben müssten? Dann würde das Bild von dem Mädchen gar nicht passen. Dann müsste sie nicht leise lächelnd unter der großen Uhr stehen, sondern eher in einer Ecke sitzen, den Kopf in den Armen und die Kapuze drüber gezogen.

Jesus sagt etwas anderes. Ja, es wird nicht alles immer so weitergehen, wie wir es kennen. Das haben wir dieses Jahr auch erlebt. Und wir werden Dinge erleben, die schwer sind. Aber Angst haben müssen nur die, die ihn nicht kennen; die den Gedanken gar nicht kennen, dass diese Welt in jedem Fall zu Ende geht, aber dass genau das bedeutet: Er kommt, um die zu holen, die an ihn glauben, und die Welt neu zu machen.

Jesus malt hier auch ein Bild: Wenn die Sträucher und die Bäume frische grüne Triebe bekommen, sagt er, dann wissen wir, dass der Frühling oder der Sommer nahe ist. So ähnlich machen wir's im Dezember, wenn es draußen dunkel ist, aber wir ein Licht anzünden als Zeichen dafür, dass Gott kommt. Und er ist das Licht, er macht die Dunkelheit hell. Und Jesus sagt zu diesem Gleichnis:

„So auch ihr“, sagt er, „wenn ihr seht, daß dies alles geschieht, so wißt, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.“

Wenn etwas Schreckliches in der Welt passiert, fragen Menschen oft: Wie kann Gott das zulassen? Die Frage wird auch in der „Corona“-Zeit gestellt. Wir haben darauf keine Antwort. Es stimmt: In einer guten Welt hat so etwas keinen Platz. Aber wir leben nicht in einer ganz und gar guten Welt. Noch nicht.

Aber wir fangen unseren Gottesdienst an mit dem Satz: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn - - der Himmel und Erde gemacht hat. Und wir hören heute neu, dass die Menschheit nicht vergehen wird, bis er kommt, um einen neuen Himmel und eine neue Erde zu machen, in der es kein Virus mehr geben wird, kein Mobbing, keine Angst, keine Einsamkeit.

Deshalb ist die größte Gefahr nicht das, was in der Welt passiert. Sondern die größte Gefahr ist, dass wir vergessen, dass er kommt. Ich stelle mir das Mädchen in dem Bild vor, die die ganzen Leute an sich vorbeilaufen sieht, die kaufen Lebensmittel ein und Kleidung und Weihnachtsgeschenke, und irgendwann denkt sie: Mensch, das habe ich alles noch nicht fertig, und läuft mit. Und dann kommt ihr Freund, als die Zeit da ist, die er gesagt hat. Und der Platz unter der Uhr ist leer. Sie ist nicht mehr da. Weil sie aufgehört hat, auf ihn zu warten.

Vielleicht hilft es uns sogar, dass in der Adventszeit dieses Jahr ein bisschen weniger los ist als sonst, so schön Adventsfeiern und schön beleuchtete Fuß­ gängerzonen sein können. Gerade wenn wir das vermissen, dann können wir zuhause die Kerzen anzünden und die Adventslieder singen als Zeichen dafür, dass unser Herr kommt, und er ist unser Freund. Er macht uns frei von allem, was uns Angst und Sorgen macht. Er kommt mit seiner Vergebung und mit der Erlösung vom Tod. Das alles sagt uns sein Wort. Und sein Wort vergeht nicht. Wenn wir das haben, dann haben wir Vergebung und Erlösung vom Tod in Ewigkeit.

Hören wir's noch einmal zum Schluss in einer jüngeren Übersetzung, wie tröstlich das ist, was er uns heute sagt:

Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die ganze Welt hereinbrechen werden. Denn die Ordnung des Himmels wird erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn in einer Wolke kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Aber ihr sollt euch aufrichten und euren Kopf heben, wenn das alles beginnt. Denn eure Rettung ist nahe!«

So ist es auch mit euch: Wenn ihr seht, dass das alles geschieht, dann wisst ihr: Das Reich Gottes ist nahe.

Amen, das sage ich euch: ... Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht.«                                                    (Frei nach der Einheits- und der Basisübersetzung)

Lasst uns beten:

Herr, wir bitten oft, wie du uns gelehrt hast: „Dein Reich komme!“ Aber wir denken dabei oft daran, dass du zu uns kommen und uns helfen magst; dass wir recht handeln und entscheiden, dass wir lieben und vergeben. Aber das du sichbar wiederkommen willst in deiner Herrlichkeit, und dass du Schluss machen wirst mit allen unseren Plänen und alles ans Licht bringen wirst – das ist uns oft zu groß. Wir bitten dich: Mache uns dafür bereit. Und wir legen dir die Menschen ans Herz, die den Gedanken daran verdrängen. Viele von ihnen sind uns sehr lieb, das weißt du. Hast du deshalb noch Geduld mit dieser Welt? Lass sie dein Wort hören, jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit, öffnen ihnen die Augen und das Herz, dass sie fröhlich und zuversichtlich mit uns deinem Kommen entgegensehen. Amen.

Zweiter Adventssonntag, Predigtreihe III neu

(Daniel Schmidt, P.)