Predigt zum 17.11.2021, Buß- und Bettag (Matth. 7,12-20)

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  • Erstellungsdatum 17. November 2021
  • Zuletzt aktualisiert 17. November 2021

Predigt zum 17.11.2021, Buß- und Bettag (Matth. 7,12-20)

Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten.

Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind's, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind's, die ihn finden!

Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

Liebe Schwestern, liebe Brüder in Christus,

Man ist unterwegs zu einem Besuch, den man lange geplant hat. Man tippt das Ziel ins Navi. Aber auf halbem Weg friert die Anzeige ein. Der Handy-Akku ist auch leer. Und dann kommt man an eine Kreuzung. Kein Schild. Man muss sich entscheiden. Die breite Straße könnte richtig sein, wenn viele dahin wollen, wohin man unterwegs ist. Oder ist es doch die schmale? Das ist nicht immer leicht zu erkennen. Dann muss man beim Weiterfahren auf alle Zeichen achten, ob die Richtung noch stimmt. Und bereit sein umzukehren, besser gleich als zu spät.

Unser Leben besteht aus Entscheidungen. Kleinen und großen. Die größte und wichtigste in deinem und meinem Leben ist, dass Gott sich für uns entschieden hat. Auf Golgatha. Und in deiner und meiner Taufe. Dabei hat er offenbar nicht an sich gedacht, wenn wir bedenken, was uns Gottes Wort über unsere menschliche Natur sagt: Dass mit uns innen drin im Herzen etwas nicht in Ordnung ist. Dass wir von Natur Gott nicht so lieben und auf ihn hören, wie wir sollen. Denn das heißt ja, dass er sich damit Leute aufhalst, die ihm immer wieder Ärger machen.

Aber genau dazu hat er sich entschieden. Weil wir als Sünder auf einem verkehrten Weg unterwegs sind. Auf dem, der ins Verderben führt. Von dem holt er uns in unserer Taufe herunter und stellt uns auf seinen Weg.

Der andere, das ist ein breiter und bequemer Weg. Den findet jeder Mensch von alleine. Da stehen Schilder am Rand wie “Wie ich lebe, entscheide ich selbst” und “Hauptsache, man hat Spaß”. Das ist so ein breiter Weg, wie Jesus sagt, weil man auf dem in alle Richtungen gehen kann. Wer auf dem unterwegs ist, der kümmert sich nicht darum, wo er am Ende hinkommt.

Nun ist es Christus aber nicht egal, wohin wir unterwegs sind. Er hat uns auf den einzigen Weg gestellt, der wirklich ein Lebens-Weg ist; auf dem wir schon jetzt das Leben haben, das ewig bleibt. Auf diesen Weg kommt man nur als Sünder. Als ein Mensch, der gerade deshalb zu Gott kommt, weil er nicht so ist, wie er sein sollte. Das ist eine enge “Tür”, durch die man mit seinem Stolz vor Gott und seiner eigenen Leistung nicht durchpasst. Diese Tür ist Christus selbst. Wer getauft ist, der ist durch diese Tür schon hindurch. Der ist schon auf geistliche Weise mit Christus gestorben und auferstanden. Der ist mit dem unterwegs, der selbst der Weg und die Wahrheit und das Leben ist.

Aber dieser Weg mit ihm ist nun, wie er sagt, “schmal”; genau wie die Tür. Das ist nicht der Weg der Mehrheit in der Welt und in unserer Gesellschaft. Das ist ein Weg, den man immer wieder suchen muss. Dazu brauchen wir andere Christen, die uns Rat geben, und die Gemeinde, die für uns und mit uns betet; allgemein jeden Sonntag, aber auch ruhig mal konkret, wenn wir zu jemandem hingehen und sagen: Ich stehe vor einer Entscheidung in der Schule oder in meiner Ausbildung. Oder ein lieber Mensch macht mir Not. Bete mal für mich, dass ich den richtigen Weg finde.

Dazu gehören auch die vielen alltäglichen Entscheidungen, wie man sich als Christ verhält, wo man mitmacht und wo nicht. Was wenn der Chef oder der Freund von dir etwas erwartet, bei dem sich dein Gewissen meldet? Dann brauchst du Orientierung und Mut. Unterwegs zu sein mit Jesus, das ist keine Urlaubsreise im Paradies. Das ist eine Reise auf einem schmalen und manchmal auch einsamen Weg.

Aber genau deshalb sagt Jesus uns das vorher. Und warnt uns. Es haben sich schon viele verführen lassen, wieder auf den breiten einzubiegen. Es ist bequemer, am Sonntagmorgen auszuschlafen oder den Tag für sich zu verplanen. Es ist bequemer, wenn man das Geld für die Kirche nicht zur Priorität macht. Und es gibt falsche Propheten, die es sich und anderen bequemer machen mit dem christlichen Leben. Die zu zwei Melodien tanzen wollen und die, die von Gott kommt, dem Lied anpassen, das die Welt singt. Vorsicht, sagt uns Gottes Sohn. Man kann nicht alles mitnehmen wollen, was die Welt bietet, und “nebenbei” auch noch Christ sein. Damit kommt man nicht durch die enge Pforte.

Und er sagt uns auch, woran man solche Propheten erkennt. Das ist genau wie bei einer Pflanze. Daran, wie sie wächst oder wie sie aussieht, kann man vielleicht nicht immer erkennen, was das für eine Pflanze ist. Aber an den Früchten sieht man das. Ob ein Mensch sich selbst zuerst liebt, und dann vielleicht auch andere, oder ob er Gott über alle Dinge fürchtet und liebt und vertraut, und seinen Nächsten liebt wie sich selbst, das zeigt sich an seinem Leben. Was dabei herauskommt – um nur einen Bereich zu nennen –, wenn die Sexualität vor allem Selbsterfüllung sein soll und wenn die Ehe von vornherein nicht mehr als lebenslange Verbindung von Mann und Frau gilt, das sehen wir in der Gesellschaft. Und die Politik bietet viele Beispiele für Menschen, die erfolgreich sind, aber die plötzlich ganz anders dastehen, wenn jemand das Licht anmacht und alle sehen, was da im Dunkeln die ganze Zeit gewachsen ist.

Nun steckt in einem Christen immer von beidem etwas. Und deshalb ist es wichtig, dass wir uns immer wieder rufen lassen, umzukehren zu dem schmalen Weg; Gott das zu bringen, was nicht in Ordnung ist, und von ihm Vergebung zu bekommen. Damit wird dem alten Feind, der uns von Gott wegbringen will, eins ausgewischt. Er will ja, dass wir diese Umkehr immer weiter aufschieben, bis wir den schmalen Weg gar nicht mehr im Blick haben. Er will uns einreden, dass der eigentlich mehr vom Leben hat, der sich nicht immer wieder von Gott etwas sagen lässt. Aber er verschweigt uns absichtlich, dass der Weg ohne Gott dahin führt, wo Menschen für immer verloren sind.

Deshalb sagt Jesus hier in der Bergpredigt allen, die zu ihm kommen: Ihr seid auf dem richtigen Weg. Auf dem besten Weg. Seht zu, dass ihr auf diesem Weg bleibt. Dazu braucht ihr die christliche Gemeinde. Dazu braucht ihr Gottes Wort und das Gebet, jeden Tag. Dazu braucht ihr den Gottesdienst und das heilige Sakrament des Altars. Wo Christus sich mit seinem Leib und seinem Blut für uns gibt in und unter dem Brot und Wein. Wo wir uns nicht nur an sein Sterben für uns erinnern, sondern durch das Essen und Trinken leiblich eins werden mit ihm. Wer das glaubt, dass er damit den Herrn Christus selbst leiblich empfängt, der hat das, was die Worte uns zusagen: Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit.

Das ist nun eine Einladung an den Altar zum nächsten Sonntag. Und ein klarer Wegweiser: Mit Christus bist du auf dem richtigen Weg. Hin zu der offenen Tür zum Paradies, durch die wir einmal, wenn die Zeit kommt, hineingehen wollen zu ihm. Mag sein, dass nicht viele an diese Zeit denken, wenn sie 14 oder 30 oder 50 Jahre alt sind. Aber wann wollen wir denn anfangen, daran zu denken? Und wenn Gottes Sohn uns so ein großes Geschenk macht – volles, ganzes Leben, das nicht mehr vergeht – sollten wir da nicht in seiner Kraft so leben und weiter auf seinem Weg mit ihm gehen, dass wir das nicht wieder verlieren?

Weitergehen heißt, die kleinen und großen Entscheidungen jeden Tag mit ihm treffen. Nicht so tun, als gäbe es irgendeinen Teil von meinem Leben, in dem ich nicht Christ bin. Nicht fürchten, dass die anderen das mitkriegen könnten. Wenn sie's sowieso wissen, wird's ja manchmal auch leichter. Dann kommt die Frage, ob man zusammen bei der Versicherung mauschelt, irgendwann nicht mehr. Und wenn jemand dich für Sonntag einladen will, dann weiß er oder sie, dass du bis halb elf oder elf einen Termin hast. Umgekehrt kommt's dann aber auch vor, dass jemand dich fragt, weil er in einer wichtigen Entscheidung Orientierung braucht.

Die täglichen Entscheidungen mit Gott treffen, das ist mit ihm dann doch nicht schwer. Dazu brauchst du nicht -zig Regeln im Kopf zu haben. Wenn du Liebe hast – wenn du deinen Gott und deinen Mitmenschen liebhast – dann ist das genug. Liebe, die durch die Hände und den Mund und das Portemonnaie geht. “Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!”, sagt Jesus. “Das ist das Gesetz und die Propheten.” Nein, es ist nicht schwer. Nicht mit dem Herrn und Heiland, mit dem wir unterwegs sind.

Predigtreihe III neu

(Daniel Schmidt, P.)