Predigt zum 14.11.2021 (2. Korinther 5,1-10)

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  • Erstellungsdatum 14. November 2021
  • Zuletzt aktualisiert 14. November 2021

Predigt zum 14.11.2021 (2. Korinther 5,1-10)

Denn wir wissen: wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, daß wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden, weil wir dann bekleidet und nicht nackt befunden werden. Denn solange wir in dieser Hütte sind, seufzen wir und sind beschwert, weil wir lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden wollen, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben. Der uns aber dazu bereitet hat, das ist Gott, der uns als Unterpfand den Geist gegeben hat.

So sind wir denn allezeit getrost und wissen: solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost und haben vielmehr Lust, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn. Darum setzen wir auch unsre Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, daß wir ihm wohlgefallen. Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Da sitzen sie in einem weißen Plastikzelt, die kleine christliche Familie aus Syrien. Bis in in den Libanon haben sie es geschafft, 50 km hinter der Grenze. An der Zeltwand steht in dicker blauer Schrift “UNHCR”. Das ist die Abkürzung für das Flüchtlings­kommissariat der Vereinten Nationen.

In Syrien waren sie einigermaßen wohlhabend. Doch dann kamen die islami­ stischen Kämpfer. Sie mussten alles zurücklassen. Jetzt teilen sie ein Zelt mit drei anderen Familien. Eine dünne Matratze für jeden, ein kleiner Kocher. Wie lange sie hier bleiben müssen? Sie wissen es nicht. Nebenan ist ein Jugendlicher, der seit Tagen nicht mehr unter der Decke hervorkommt. Viele geben ihr Leben auf.

Aber diese Familie hat einen kleines bisschen Hoffnung. Der Vater ist in Deutschland geboren. Das ist lange her, aber er hat eine doppelte Staatsange­hörigkeit. Sie hoffen, dass sie damit weiterreisen können. Das würde heißen, noch einmal alles aufzugeben, was ihnen jetzt ein bisschen Halt gibt. Und es würde sie noch weiter weg bringen von ihrer alten Heimat. Aber dort wären sie in Sicherheit. Und sie könnten als Christen in Freiheit leben.

Und dann kommt ein Brief aus Deutschland. Die Behörden erkennen ihren Anspruch an. Mit Briefkopf und Unterschrift. Und ein Freund hat sogar schon eine Wohnung für sie. Sie werden dahin reisen. Sie wissen nur noch nicht wann.

Liebe Gemeinde, für diese Familie hat die Zukunft schon begonnen. Und das ist ziemlich genau das, was Paulus den Christen in Korinth schreibt, und uns: Die Zukunft hat begonnen. Das heißt ...

  • ... erstens, das “neue Haus”, in das wir einziehen werden, ist schon bereit.
  • ... zweitens, der Heilige Geist wohnt schon in uns. Das ist wie eine “Anzahlung”. Das ist die Bestätigung, dass wir dahin gehören.
  • … und drittens, wir werden schon vom Willen unseres Herrn regiert, von den Gesetzen sozusagen, die in unserer neuen Heimat gelten.
  1. Erstens also, das neue Haus ist schon bereit. Hier schieben sich bei Paulus zwei Bilder ineinander: Das Bild vom Ausziehen und Einziehen – raus aus einer provisorischen Unterkunft und rein in ein festes Haus. Und das Bild vom Ausziehen und Anziehen – raus aus der alten Kleidung und rein in die neue.

Angefangen hat das damit, wie der Evangelist Johannes sagt, dass das Wort Fleisch wurde und unter uns wohnte. Für “wohnte” steht da das Wort “zeltete”. Gottes Sohn hat also einen Körper angenommen, wie wir ihn haben, der krank wird, der Schmerzen fühlt und der älter wird. Er ist gestorben, ganz und gar, wie wir sterben werden. Aber er ist am Ostermorgen mit einem neuen Leib auferstanden. Das ist die ewige “Wohnung”, die nicht mit Händen gemacht ist, also nicht von Menschen herkommt wie der Körper, den wir jetzt haben, sondern von Gott.

Und so soll es auch bei uns sein, wenn wir in unsere himmlische Heimat kommen. Gott schafft die Menschen nicht noch einmal aus dem Nichts, sondern du wirst du sein und ich ich, mit Leib und Seele, aber ganz neu. Dass es so sein wird, können wir nicht nachprüfen. Und doch “wissen” wir es, wie Paulus sagt. Denn Gott sagt es. Ein rechter Katechismusglaube also: “Wer in Christus ist, der ist eine neue Kreatur,” ein Teil der neuen Schöpfung. Die Zukunft hat für ihn schon begonnen.

Deswegen hängen wir trotzdem noch an dem, was wir hier haben und sind. Und wir können uns eigentlich noch mehr daran freuen, weil nicht einfach alles vorbei und aus sein wird, nicht mit uns und nicht mit dieser Welt. Sondern das, was vergeht, wird “verschlungen” werden von dem, was nicht mehr vergeht, es wird von Grund auf erneuert.

  1. Und darauf haben wir zweitens schon “Brief und Siegel”. Luther übersetzt, Gott hat uns “als Unterpfand den Geist gegeben”. Das ist wie ein Geldbetrag, den man zu bekommen hat – wenn da die Anzahlung auf dem Konto eingeht, ist das die Bestätigung, dass einem das zusteht und dass der Rest folgen wird.

So haben wir seit der Taufe die Staatsangehörigkeit im Himmel. Das ist unsere Heimat. Das ist ein Glaubenssatz, also eine Gewissheit, die der Heilige Geist uns schenkt. Damit bekräftigt und bestätigt er immer wieder, dass es so kommt. Dass die Zukunft für uns schon begonnen hat.

Und dieser Geist ist ja Gottes eigenes Leben, das in uns wirkt. Er steht uns bei, wenn der Zweifel kommt. Er vertreibt und überwindet böse Gedanken und regt uns zum Beten an. Er vertritt uns vor Gott, wenn uns die Worte fehlen. Er schenkt Gemeinschaft mit Gott dem Vater und Gott dem Sohn. Und er gibt uns Mut, wenn die Zeit kommt, das, was wir hier haben, zurückzulassen und weiterzureisen.

Und damit haben wir in diesem Geist schon ein Stück von dem, was den Himmel zum Himmel macht: Mit Gott dem Herrn ohne Grenzen und ohne Störung verbunden zu sein, etwas zu ahnen von der unendlichen Fülle seiner Gedanken, seine Liebe ungetrübt zu erfahren. Noch sind wir nicht da angekommen, wo das unser ganzes Leben für immer ausmachen wird. Aber den Schlüssel zu dieser himmlischen Wohnung, den haben wir sozusagen schon bekommen. Vielleicht würden wir es nicht jeden Tag so deutlich sagen wie Paulus: “Wir sind … getrost und haben vielmehr Lust, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn”, aber das ist ganz einfach eine christliche Heimatliebe.

  1. Nun gibt es im deutschen Staatsangehörigkeitsgesetz eine Regelung für die, die die Staatsangehörigkeit noch nicht haben, sondern sie beantragen. Ihr Antrag wird abgelehnt, wenn sie sie sich nach deutschem Gesetz irgendwie strafbar gemacht haben. Nun haben wir schon die geistliche Staatsbürgerschaft in Gottes Reich. Wir haben also wie die kleine Familie im libanesischen Flüchtlingslager eine feste Hoffnung, eine Perspektive. Und wo wir als Christen leben, kann es eigentlich nicht anders sein, als dass auch Menschen um uns herum davon etwas mitbe­ kommen. Aber wir können das auch verlieren. Wenn wir so leben, als ob das provi­sorische, vorübergehende Leben, das wir hier haben, alles ist. Wenn wir so tun, als ob die Regeln, die für die “Staatsbürger” in Gottes Reich gelten, uns nicht betreffen.

Deshalb sagt Paulus: Wer seine Heimat bei Gott sucht, der “setzt seine Ehre darein, ob er daheim ist oder in der Fremde, dass er Gott wohlgefällt”,

“... denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse.”

Wir leben hier in Schwachheit und wir leben aus Gottes Vergebung. Das heißt aber nicht, dass wir so leben können wie die, die nur diese Welt haben. Denn wir wissen, dass Gott am Ende alle zur Verantwortung ziehen wird für ihr Leben. Und wenn unser Gewissen an Gottes Wort geschärft ist, dann ist es Gottes Stimme in uns, die uns warnt vor der Sünde. Oder anders gesagt: In dem neuen Haus sind nicht wir die Hausherren, sondern Christus. Und wenn die Zukunft für uns schon begonnen hat, dann gilt das schon jetzt.

Und wenn wir doch versagen, weil wir ja auch noch von dieser Welt sind? Dann halten wir uns an Christus, der für uns bittet. Und daran, dass er das unter­ schrieben hat, was Paulus uns hier schriftlich gibt. Er hört unser Seufzen und Sehnen nach der Zeit, wenn die Sünde und unser Sündigen ganz und gar Vergangenheit sein wird. Er wird uns dahin bringen. Amen.

 

Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr (Predigtreihe III neu)

Daniel Schmidt, P.