Predigt zum 13.6.2021 (1. Kor. 14,1-12)

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  • Erstellungsdatum 13. Juni 2021
  • Zuletzt aktualisiert 13. Juni 2021

Predigt zum 13.6.2021 (1. Kor. 14,1-12)

Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber um die Gabe der prophetischen Rede!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,

Es gab in Korinth einiges an Sprachen. Zwei Häfen, viel Verkehr im Mittelmeer, da kam einiges zusammen in der Stadt und in der jungen christlichen Gemeinde. Wir haben auch eine ziemliche Sammlung von Sprachen, die einige von uns sprechen und verstehen: Englisch, Französisch, Spanisch, Polnisch, Russisch, Suaheli, Plattdeutsch und noch ein paar mehr. Man rechnet heute in der Welt mit rund 6500 Sprachen. Und es gibt sogar welche ohne Stimme. Auf der spanischen Kanaren­insel La Gomera gibt es eine Pfeifsprache, die sozusagen einfache spanische Sätze übersetzt. Alle Schulkinder müssen das lernen. Und die das können, verstehen über große Entfernungen sehr genau, was gesagt wird. Übrigens kennen wir alle ein bisschen etwas von der Sprache der Musik. Wenn irgendwo in der Welt „Happy Birthday“ gesungen wird, dann brauchen wir die Wörter nicht zu kennen; die Töne sagen uns, was da gewünscht wird. Wenn wir etwa die Melodie hören von „Jesu, meine Freude“, und wir kennen sie, dann klingt für uns der Text mit:

Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier: ach wie lang, ach lange, ist dem Herzen bange und verlangt nach dir! Gottes Lamm, mein Bräutigam, außer dir soll mir auf Erden nichts sonst Liebers werden.“ Wer das Lied kennt, der hört, es geht um Freude, es geht um Jesus. Um noch tiefer reinzukommen, müsste man herausfinden, was diese biblischen Bilder meinen, „Lamm“ und „Bräutigam“. Dann würde man merken, dass sie uns viel zu sagen haben. Das ist ähnlich wie mit den kleinen Bildern, den icons, die viele von uns auf dem Smartphone haben: die nützen uns viel; aber nur, wenn wir sie kennen. Und dazu hilft es, wenn uns einer das erklärt. Deshalb achten unsere Posaunenchor­leiter und unser Organist auch darauf, dass die Melodie immer gut zu erkennen ist.

Darum geht es dem Apostel im 14. Kapitel dieses Briefs an die Korinther: dass das, was in der Gemeinde gesagt wird, verstanden wird. Dabei unterscheidet er zwei Sprachen: Das, was Luther als Zungenreden übersetzt, und das prophetische Reden. Zungenreden ist ein inniges, ganz persönliches Reden mit Gott, das andere nicht verstehen. Paulus wünscht das allen, weil er allen ein so enges, kindliches Verhältnis zu Gott wünscht. Aber wenn das das Wichtigste wäre, dann würden wir alle allein bleiben. Der Gemeinde nützt das prophetische Reden: das, was Gott einem durch sein Wort offenbart, so zu sagen, dass die anderen es verstehen:

Denn wer in Zungen redet, der redet nicht für Menschen, sondern für Gott; denn niemand versteht ihn, vielmehr redet er im Geist von Geheimnissen. Wer aber prophetisch redet, der redet den Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung. Wer in Zungen redet, der erbaut sich selbst; wer aber prophetisch redet, der erbaut die Gemeinde.

Wie aber kommen wir dahin, dass wir so miteinander reden? Luther hat gesagt, man muss dem Volk auf's Maul schauen. Aber er hat auch viele Wörter neu geprägt. „Machtwort“, „nacheifern“ oder „Schandfleck“ stammen von ihm, und auch die „Mördergrube“. Denn nicht alles, was Gott uns zu sagen hat, und was wir hören sollen, kommt in der Alltagssprache so vor. Wer heute bei dem Wort „Sünde“ nur an Kalorien denkt oder Falschparken, der kennt nur eine Seite dieses Wortes. Die ernstere kennt er nicht: Dass unsere menschliche Art, unser Tun und Reden und Denken und Fühlen uns „absondert“ von Gott – das ist die biblische Bedeutung von „Sünde“.

Und wer bei „Gnade“ an zwei Jungens denkt, wo einer den anderen in den Schwitzkasten nimmt, bis der „Gnade“ ruft, der kennt die Bedeutung, aber der ahnt vielleicht kaum, wie viel ernster es ist, wenn wir Gottes Zorn über unsere „Sünde“ zu spüren bekommen, jetzt oder an dem Tag, wo wir uns vor ihm zu verantworten haben; wo wir ohne seine Gnade keine Chance hätten.

Deshalb ist es wichtig, dass wir Gott zuhören, wenn er redet, und dass wir üben, auch miteinander über das zu reden, was das Wichtigste ist im Leben, auch wenn's um uns herum nur noch selten drankommt. Paulus schließt sich da selbst mit ein:

Nun aber, liebe Brüder, wenn ich zu euch käme und redete in Zungen, was würde ich euch nützen, wenn ich nicht mit euch redete in Worten der Offenbarung oder der Erkenntnis oder der Prophetieoder der Lehre? Verhält sich's doch auch so mit leblosen Dingen, die Töne hervorbringen, es sei eine Flöte oder eine Harfe: wenn sie nicht unterschiedliche Töne von sich geben, wie kann man erkennen, was auf der Flöte oder auf der Harfe gespielt wird? Und wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zum Kampf rüsten? So auch ihr: wenn ihr in Zungen redet und nicht mit deutlichen Worten, wie kann man wissen, was gemeint ist? Ihr werdet in den Wind reden. Es gibt so viele Arten von Sprache in der Welt, und nichts ist ohne Sprache. Wenn ich nun die Bedeutung der Sprache nicht kenne, werde ich den nicht verstehen, der redet, und der redet, wird mich nicht verstehen. So auch ihr: da ihr euch bemüht um die Gaben des Geistes, so trachtet danach, daß ihr die Gemeinde erbaut und alles reichlich habt.

Nichts ist ohne Sprache, schreibt der Apostel. Auch das, was du in der Woche tust, – als Mitschüler oder Kollege, Bruder oder Schwester, Vater oder Mutter, als Freund oder Freundin. Was sagt das den anderen: „hier ist ein Christ, ehrlich, zuverlässig, uneigennützig, bereit, Fehler zuzugeben, und bereit zu vergeben“? Oder: „Der oder die redet mit zwei verschiedenen Zungen?“

Was Gottes Wort uns gibt, das brauchen unsere Brüder und Schwestern in der Gemeinde und die anderen, mit denen wir zu tun haben. Die, die in Trauer sind. Die ihren Weg im Leben suchen. Die Erfüllung suchen und Liebe. Die merken, dass bei ihnen etwas verkehrt läuft. Die keine Hoffnung über dieses Leben hinaus haben. Deswegen: lasst uns mit Gottes Wort leben. Lasst es uns lesen, vielleicht fortlaufend in der Heiligen Schrift, vielleicht nach einem Bibelleseplan, vielleicht mit einem Andachtsbuch. Und wenn der andere meint, er braucht Gottes Wort nicht? Das ist menschlich. Vielleicht hat er die Sprache der Liebe Gottes noch nicht gehört. Oder es hat sie ihm noch keiner beigebracht, dass er sie versteht. Deshalb ist es unsere Aufgabe, dass wir sie immer mehr sprechen lernen – mit dem Mund und mit dem Tun.

Letzten Donnerstag haben wir mit den Konfirmanden den Unterricht im Freien gemacht. Zu Beginn haben wir gesungen – und die vorbeikamen, konnten es hören – : „Komm, sag es allen weiter, ruf es in jedes Haus hinein, komm, sag es allen weiter: Gott selber lädt uns ein.“ Ich habe ihnen gesagt, ich möchte, dass sie das wie einen Ohrwurm mitnehmen. Ja, Gott geb's, dass wir das im Ohr und im Herzen haben. Dass wir von seiner Liebe hören und weitersagen. Amen. (D. Schmidt, P.)