Predigt zum 11.7.2021 (Joh. 12,12-19)

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  • Zuletzt aktualisiert 10. Juli 2021

Predigt zum 11.7.2021 (Joh. 12,12-19)

Als die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, daß Jesus nach Jerusalem käme, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, daß dies von ihm geschrieben stand und man so mit ihm getan hatte. Das Volk aber, das bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, daß ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Lieber Julian, liebe Nele, lieber Fynn, liebe Emma, liebe Familien und Freunde, liebe Gemeinde,

Gestern und vorgestern war Michael Sternkopf hier. Ehemaliger Profifußballer, 1994 Deutscher Meister. Als er 20 war, hat er erzählt, kamen Uli Hoeneß und Jupp Heynckes mit dem Zug nach Karlsruhe, wo er wohnte, und saßen dann bei seinen Eltern im Wohnzimmer, um mit ihm einen Vertrag zu machen. Der Präsident und der Trainer von Bayern München kommen in die Stadt – es hätte einen Auflauf gegeben, wenn sein Vater die nicht mit dem Auto abgeholt hätte. Herumge­ sprochen hat es sich trotzdem, denn das Telefon klingelte ziemlich bald.

Stellt euch das mal vor: Jesus kommt – und alle sind begeistert. So war es, erzählt uns der Evangelist Johannes, an dem Sonntag, an dem Jesus mit Palmzweigen in Jerusalem begrüßt wurde, und der bis zur Corona-Zeit hier der Konfirmations­ sonntag war. Das hat sich auch ohne WhatsApp sofort herumge­ sprochen. Die Leute hatten gehört, was Jesus kann: Kranke gesundmachen, Tote wieder lebendig machen. Und so von Gott reden, dass man einfach nur zuhört – zwei Stunden, den ganzen Tag. Und sie hatten Erwartungen, was alles Tolles passieren würde mit Jesus. Deshalb haben sie alles liegengelassen und sind losgelaufen. Dicht an dich standen sie an der Straße. Die Kinder haben gesungen. Und es gab Sprechchöre: „Hosianna!“

Kennst du Jesus? So hat jemand Michael Sternkopf vor drei Jahren gefragt. Ja, hat er gesagt. Er hatte nämlich den Film „Die Passion Christi“ gesehen von Mel Gibson. Aber er kannte ihn nicht, wie man jemand persönlich kennt und mit ihm im Wohnzimmer sitzt, zusammen frühstückt oder im Bus zum Spiel für die Deutsche Meisterschaft fährt.

Ihr habt viel von Jesus gelernt, ihr kennt ihn jetzt besser als vor 2 ½ Jahren. Ihr wisst, dass die Lesungen, die wir hören, Gottes Wort sind. Ihr wisst, dass er uns unsere Schuld abnimmt, wenn wir zu ihm kommen. Dass er die, die im Glauben sterben, wieder lebendig macht. Dass wir mit ihm reden können, und dass er uns gerne hört. Und ihr habt gelernt und bekannt, dass er im Heiligen Abendmahl in seinem Leib und Blut zu uns kommt. So wird er heute zum ersten Mal auch mit euch eins werden. Und ich weiß, dass sich viele mit euch mitfreuen, nicht nur eure Eltern und Großeltern und Paten. Denn das ist eine große Freude, dass Gottes Sohn zu uns kommt.

Am Donnerstag habe ich euch einzeln gefragt, ob ihr weiterhin bei der lutheri­ schen Kirche bleiben wollt und zum Gottesdienst kommen. Ihr habt alle fröhlich Ja gesagt. Wenn ich euch diese Frage gleich gemeinsam stelle, dann ist das auch eine Frage an jeden von uns hier. Viele von euch haben selbst dazu einmal Ja gesagt. Manche können sich erinnern, dass sie mal begeistert waren für den Jugendkreis, den Posaunenchor, manchen Gottesdienst hier. Und manche kennen Jesus vielleicht eher aus einem Film. Wir alle werden gefragt: Willst du dabei sein, wenn Jesus kommt? Nicht nur heute, sondern auch in Zukunft immer wieder?

Aber Johannes erzählt uns von der Begeisterung in Jerusalem auch, damit wir sehen, wie schnell die Stimmung bei uns Menschen umschlagen kann. Denn fünf Tage später, an dem Tag, den wir Karfreitag nennen, haben dieselben Menschen geschrien, dass man Jesus beseitigen soll. Umbringen. Ans Kreuz mit ihm.

Ja, liebe Mitchristen, unsere Stimmung ist wie das Wetter. Heute sonnig und heiter, morgen bewölkt oder trüb. Wir sollen unseren Glauben und unser Bekennt­ nis zur Christus nicht an der Stimmung unserer Umgebung festmachen. Viele in unserem Land interessiert nicht mehr, was da am Sonntag passiert, wo die Glocken läuten. Und manche, die einmal eifrig bei der Kirche waren, haben Enttäuschungen erlebt. Vielleicht haben sie gedacht, mit Jesus wird alles easy. Oder sie haben erlebt, dass die Gemeinde ein Haufen von Sündern ist, und haben selbst etwas davon abbekommen. Wenn man mit ihnen redet, kann man das oft verstehen – nur, es gibt etwas, das sollen wir von Jesus erwarten. Was ist das?

„Ich bin gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist,“ sagt Jesus. Er ist gekommen, um uns zu retten. Von der Sünde, dem Verkehrten, was in uns drinsteckt, was uns kaputtmacht und unsere Beziehungen belastet. Auch die Beziehung zu Gott. Aber wie macht er das?

Er macht das, indem er zu seinem Vater sagt: Die Menschen können das doch nicht tragen. Das macht sie fertig. Hier und in Ewigkeit. Pack mir das auf. Deshalb hat er am Karfreitag ganz still dagestanden, als sie gerufen haben: Umbringen. Sie wussten es nicht, aber er wusste es: Das musste sein. Denn nur wenn das Böse, die Sünde ans Kreuz kommt, schadet sie uns nicht mehr.

Und dann ist das passiert, was auch die nicht erwartet haben, die mehr als nur begeistert von Jesus waren. Die mehrere Jahre mit ihm mitgegangen waren, auch an Tagen, wo sie ihn nicht verstanden haben und wo sich viele an ihm geärgert haben. Er ist vom Tod auferstanden. Am Freitag hat der alte Feind Jesus besiegt. 1:0. Ausgeschieden. Aber am Ostersonntag war klar: Das war nur die erste Halbzeit. Jesus hat gewonnen.

Das sollen alle Menschen erfahren. Am Sonntag heute wird in vielen Kirchen aus dem Evangelium der Auftrag gelesen, den Jesus den Jüngern gegeben hat: „Geht hin in alle Welt. Macht zu Jüngern alle Völker. Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und lehrt sie halten alles, was ich euch gesagt habe.“ Getauft seid ihr. Das Lehren, das Unterrichten, habt ihr zweieinhalb Jahre lang fröhlich mitgemacht. Heute wiederholt ihr selbst das Taufversprechen, das eure Eltern und Paten für euch gesprochen haben, als ihr ziemlich klein wart. Den Heiligen Geist bekommt ihr gleich neu zugesprochen im Konfirmationssegen. Der helfe euch, im Glauben fröhlich bei ihm zu bleiben. Der helfe euch auch, dass ihr euch immer wieder zum Heiligen Abendmahl einladen lasst, damit ihr eins werdet mit euerm Herrn Jesus Christus, mit Leib und Blut. Der helfe uns allen dazu.

Denn wer hier bei ihm bleibt, zu dem hält Gott, und der bleibt ewig bei ihm. Amen.

(Daniel Schmidt, P.)