Predigt vom 26.1.2020 (Psalm 121,7-8; 1. Joh. 3,1)

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  • Erstellungsdatum 26. Januar 2020
  • Zuletzt aktualisiert 26. Januar 2020

Predigt vom 26.1.2020 (Psalm 121,7-8; 1. Joh. 3,1)

„Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

„Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, daß wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch!“

Was machst du, wenn du mit deinem Auto kurz vor Oerrel liegengeblieben bist –  Motor aus, rattert nur noch, aber geht nicht mehr an? Aussteigen, Motorhaube auf, hilft nichts. Handy raus, du guckst nach einem Namen, tippst drauf – wie lang ist das jetzt, dass man auch in Oerrel Handynetz hat? 3 Jahre? Gut, gehen wir mal drei Jahre zurück. Was passiert dann? Der Anruf geht nicht raus. Der andere ist vielleicht da, aber nicht zu erreichen. Man guckt die Straße entlang, ein Auto kommt, die Frau hat es eilig, muss wohl ein Kind von der Schule abholen, fährt vorbei. Dann ein Radfahrer, der leider den Motor auch nicht in Gang bekommt und einen auch nicht mitnehmen kann. Und noch ein Autofahrer, freundlich, hält an, aber hat keine Ahnung. Und hat auch kein Handynetz. Und dann guckt man zu zweit nach oben, muss doch irgendwo ein Sendemast sein, ist aber nicht.

„Ich hebe meine Augen auf nach oben. Woher kommt mir Hilfe?“ So fängt der 121. Psalm an, aus dem der Taufvers für Mathilda genommen ist. Der, der ihn gedichtet hat, ist auch unterwegs. „Ein Wallfahrtslied“, steht über dem Psalm, also eins, das über Jahrhunderte von Gruppen von Pilgern gesungen wurde auf dem Weg zum Tempel in Jerusalem. Und er braucht Hilfe. Nein, nicht für ein Auto, nicht mit seinem Handy, die Psalmen sind ja fast dreitausend Jahre alt. Aber auch er guckt nach oben. In Israel heißt das, er guckt zu den Bergen hoch. Aber von da kommt ihm keine Hilfe. Der Weg, den er geht, ist gefährlich. Da gibt es zu der Zeit wilde Tiere, und es gibt Überfälle auf Reisende. Da kann ihm kein Mensch wirklich helfen. Denn jeder Mensch wäre ja in derselben Gefahr.

Und das ist ihm sehr bewusst, wo er bei jedem Wetter weiter muss und nur das dabei hat, was er tragen kann. Aber, sagt er, „meine Hilfe kommt vom Herrn.“ Und er meint den Herrn, „der Himmel und Erde gemacht hat.“

Denn er weiß, dass er im Leben mehr Hilfe braucht als einen Mantel gegen kaltes Wetter oder etwas zu essen. Er ist unterwegs zum Tempel in Jerusalem; dahin, wo Gott versprochen hat, dass er sich finden lässt. Er braucht Gott.

Und wir? Brauchen wir ihn? Wer so fragt, kann auch fragen, ob ein Kind seine Eltern braucht. Wenn es Gott nicht gäbe, gäbe es uns nicht. Wenn es keinen Schöpfer gäbe, wäre durch euch als Eltern kein neues Leben entstanden. Und wenn er die Welt auch heute morgen nicht weiter erhalten würde, wären wir nicht aufgewacht, wir hätten keine Luft zum Atmen.

Aber wir brauchen ihn noch mehr. Denn wir Menschen haben einen Herzfehler. Einen geistlichen Herzfehler. Gottes Wort spricht von Sünde. Das meint, dass unser Herz nicht mehr so funktioniert, wie es von Gott gewollt ist. Ein ganz bisschen wie ein Automotor, der rattert, aber einen nicht mehr vorwärtsbringt. Gott liebt uns, und er sucht bei uns genau so eine Liebe für ihn. Gott liebt den Menschen neben mir und dir, und sucht bei uns genauso eine Liebe. Aber wenn wir genau hinsehen, lieben wir uns eigentlich selbst immer zuerst. Und wenn man mal versucht, einfach mal einen Tag lang zu leben ohne irgendeinen verkehrten Gedanken im Herzen, ohne Neid oder Hass – dann merken wir, wir schaffen's nicht.

Wenn Eltern vom Arzt hören, dass ihr Kind mit einem Herzfehler geboren ist, dann haben sie zwei Möglichkeiten: Sie können sagen, man sieht doch nichts, wir haben doch so ein süßes Baby, wir lassen uns nicht bangemachen. Oder sie sagen: Wenn der Arzt das sagt, dann sollten wir auf ihn hören, auch wenn wir's nicht sehen können. Und wenn er uns gleichzeitig, es gibt eine Operation, die gemacht werden kann, und verschreibt uns Medizin für unser Baby, dann sind wir dabei.

Ihr seid dabei – ihr seid mit Mathilda und Marius heute hergekommen. Hier will Gott beiden ein neues Herz geben. Hier ist die Medizin, die sie brauchen und die wir brauchen. Hier ist Gott, der das wegnimmt, was bei uns nicht in Ordnung ist, wenn wir damit zu ihm kommen. Wenn wir ihm sagen, dass es uns leid tut. Wenn wir seine Vergebung suchen.

Und er tut das durch das Wasser der Taufe und durch sein Wort. Wir haben's von Naaman gehört, dem ein Prophet Gottes sagt, wie er in seinem Fall gesund werden kann: Wasch dich im Wasser des Jordans siebenmal. Das Wasser des Jordans hat ihn nich gesund gemacht. Das ist sowieso an den meisten Stellen eine ziemliche Brühe, soweit ich weiß. Gottes Wort hat's getan. Und er hat gut daran getan, auf seine Diener zu hören, als sie ihm das geraten haben.

Wir mögen's nicht sehen, dass die Sünde in uns steckt. Aber Gott sagt es uns. Wir mögen's nicht glauben, dass das so gefährlich ist. Aber er sagt: Die Folge der Sünde ist der Tod. Die ewige Trennung von Gott. Und er sagt: Durch Wasser und Gottes Wort wird ein Mensch neu. Die Sünde wird weggenommen. Die Trennung von Gott wird aufgehoben. Das Wasser in unserer Taufkanne tut's nicht. Aber Gottes Wort tut's, mit dem er uns diesen Auftrag gibt. Es mag uns schwerfallen, das zu glauben, aber wir tun gut daran, auf die zu hören, die es uns sagen.

Ja, es ist gut, dass ihr mit beiden hier seid. Und es ist ein ganz großes Geschenk, das sie heute hier bekommen. Völlig umsonst. Und etwas, das sie sonst nirgendwo finden. Im Taufvers von Marius ist das zusammengefasst, in den Worten des Apostels Johannes: „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen, und wir sind es auch.“ Das gilt ab der Taufe für dich und mich, und gleich auch für Marius und Mathilda. Denn in der Taufe adoptiert uns der himmlische Vater. Er macht uns zu seinen Kindern. Was für eine Liebe! Und was für ein schöner Grund, zur Kirche zu gehören und dabei zu bleiben. Für sich selbst jeden Tag zu entdecken, was es heißt, zu diesem Gott zu gehören, und es dem eigenen Kind und Patenkind zu zeigen und liebzumachen.

Und dann gilt von uns das, was in Mathildas Taufvers aus dem 121. Psalm steht: Der HERR behütet unsern Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit! Ihren Eingang in dieses Leben hat er behütet, während der Schwangerschaft und der Geburt (und wir wissen, dass das nicht selbstverständlich ist). Ihren Eingang in ihr neues Leben will er behüten, und dazu sollt und dürft ihr kräftig beitragen. Denn wenn er in ihrem Herzen so ein Vertrauen, wie sie zu euch als Eltern ohne Worte hat, auch zu ihrem himmlischen Vater schafft, dann sollt ihr immer wieder darum bitten, dass dieses Vertrauen wächst. Und dazu beitragen, dass sie ihn kennenlernt, wenn sie älter wird. Und dabei selbst weiter lernen und entdecken. Denn wenn diese beiden als Cousin und Cousine und wenn ihr als Freunde und Verwandte der Eltern, wenn wir als Gottes Kinder mit ihm leben, dann wird auch unser Ausgang aus diesem Leben gesegnet sein. Dann werden damit dahin kommen, wo wir ihn mit unseren eigenen Augen sehen werden, und wo für immer alles gut sein wird. Das ist das ewige Leben, wie Gottes Wort es sagt. Das kann uns kein Mensch geben. Das ist nirgendwo zu finden als bei ihm.

Hier aber ist es. Im Wasser der Taufe, wo Gottes Wort darüber gesprochen wird. An dir und mir hat Gott dieses Wunder schon getan, nun will er es auch an diesen beiden tun.

Wenn ein kleines Kind über dem Taufbecken gehalten wird, guckt es nach oben. So sollen Mathilda und Marius ein Leben lang nach oben gucken, wenn sie einen Kirchturm sehen, ein Kreuz, sollen den Eingang nehmen und in die Kirche hineinkommen, sollen hochsehen auf das Kreuz über dem Altar und da den finden, von dem Hilfe für sie kommt. Das ist die Hilfe gegen den Bösen, gegen die Sünde, gegen den Tod. Wer mit diesem Helfer lebt, der lebt gut. Der lebt in Ewigkeit.

Was für eine Liebe, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wer getauft ist, kann sagen: Und wir sind es auch!“

  1. Sonntag nach Epiphanias (ohne Predigtreihe)

Predigtgottesdienst mit zwei Taufen

Daniel Schmidt, P.