Predigt vom 19.12.2021, 4. Sonntag im Advent (Luk. 1,26-38; Mark. 5,36)

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  • Zuletzt aktualisiert 19. Dezember 2021

Predigt vom 19.12.2021, 4. Sonntag im Advent (Luk. 1,26-38; Mark. 5,36)

Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, daß sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr. (Lukas 1)

Und als Jesus wieder herübergefahren war im Boot, versammelte sich eine große Menge bei ihm, und er war am See. Da kam einer von den Vorstehern der Synagoge, mit Namen Jaïrus. Und als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen und bat ihn sehr und sprach: Meine Tochter liegt in den letzten Zügen; komm doch und lege deine Hände auf sie, damit sie gesund werde und lebe. Und er ging hin mit ihm. Und es folgte ihm eine große Menge, und sie umdrängten ihn. Und da war eine Frau, die hatte den Blutfluß seit zwölf Jahren ... Er aber sprach zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dich gesund gemacht; geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage! Als er noch so redete, kamen einige aus dem Hause des Vorstehers der Synagoge und sprachen: Deine Tochter ist gestorben; was bemühst du weiter den Meister? Jesus aber hörte mit an, was gesagt wurde, und sprach zu dem Vorsteher: Fürchte dich nicht, glaube nur! Und er ließ niemanden mit sich gehen als Petrus und Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. Und sie kamen in das Haus des Vorstehers, und er sah das Getümmel, und wie sehr sie weinten und heulten. Und er ging hinein und sprach zu ihnen: Was lärmt und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. Er aber trieb sie alle hinaus und nahm mit sich den Vater des Kindes und die Mutter und die bei ihm waren, und ging hinein, wo das Kind lag, und ergriff das Kind bei der Hand und sprach zu ihm: Talita kum! - das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! Und sogleich stand das Mädchen auf und ging umher; es war aber zwölf Jahre alt. Und sie entsetzten sich sogleich über die Maßen. Und er gebot ihnen streng, daß es niemand wissen sollte, und sagte, sie sollten ihr zu essen geben. (Markus 5)

 

 

 

 

 

Jesus … sprach: Fürchte dich nicht, glaube nur!

 

Lieber Johannes, liebe Kinder, liebe Eltern und Paten, liebe Gemeinde,

stellen wir uns mal vor, die Kinder würden statt dem Krippenspiel das einüben, was wir gerade im Evangelium gehört haben: Maria, eine Jugendliche von 15 oder 16 Jahren, das könnte eine von den Konfirmandinnen sein, die sind nicht viel jünger. Der Engel, das könnte einer von uns hier sein, der irgendwann schon mal im Krippenspiel einen Engel gespielt hat (gibt’s da jemanden?). Stellen wir uns das mal als erstes vor.

Der Engel kommt also und grüßt Maria. Und Maria fürchtet sich. Sie erschrickt. Wie macht sie das im Spiel? (Sie weicht einen Schritt zurück, vielleicht hockt sie sich hin, hält sich die Hände vor das Gesicht.) Warum fürchtet sie sich? Weil sie allein ist und ein fremder Mann kommt zu ihr? Ja. Aber es gibt noch einen größeren Grund. Denn der da zu ihr kommt, sagt ihr einen Gruß direkt von Gott. „Du Begnadete“, so redet er sie an. Deshalb erschrickt sie. Weil Gott so nah zu ihr kommt.

Daran merken wir ihren Glauben. Denn sie glaubt, dass Gott heilig ist. Sie glaubt auch, was Gottes Wort von uns Menschen sagt: Dass wir so, wie wir geboren werden, nicht heilig sind. Es gibt etwas, was in uns drin steckt, das passt nicht zu Gott. Wir sind nicht so, dass wir ihn von uns aus ganz doll lieb haben und uns von ihm sagen lassen, wie wir leben sollen, und das gerne tun. Wir fragen nicht immer zuerst, was Gott zu dem sagt, was wir planen oder uns wünschen oder tun oder reden. Wir werden gleich hören, dass das in der Taufe mit dem Wort „böse“ zusammengefasst ist.

Aber Maria glaubt auch, was sie von klein auf von ihren Eltern gelernt hat: Gott hat versprochen, dass ein Retter kommt. Weil er uns so lieb hat. Und weil wir selbst uns nicht durch und durch gut machen können. Nur – wie soll das gehen? Wenn Gott selbst uns zu nahe kommt, dann wäre das doch so, als ob man zuhause einen Ofen oder einen Kamin hat und stellt eine Adventskerze zu dicht davor. (Was würde mit ihr passieren?)

Deshalb erschrickt Maria, als dieser Besucher direkt von Gott zu ihr kommt. Und ihr das sagt, was Gott ihm genau für sie, für Maria aufgetragen hat.

Aber wie reagiert der Engel? Er sagt: „Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden.“ Und dann sagt er ihr, weshalb er zu ihr kommt. Gott wird ein kleines Kind werden. In ihrem Bauch. So kommt er zu uns Menschen.

Stellen wir uns jetzt zweitens mal vor, was der Evangelist Markus im fünften Kapitel erzählt: Ein Mann hat eine Tochter, die ist 12 Jahre alt. Sie ist sehr krank. Er weiß, dass sie stirbt. Er läuft zu Jesus und bittet ihn, dass er schnell kommt. Er glaubt auch. Er glaubt, dass Jesus sie retten kann.

Aber dann wird Jesus aufgehalten. Eine Frau drängelt sich von hinten an ihn heran. Sie ist sehr krank. Schon so lange, wie das Mädchen alt ist. Sie glaubt, wenn sie nur den Mantel von Jesus berührt, dann wird sie gesund. Und sie wird gesund.

Aber Jesus merkt, dass jemand durch ihn gesund wird. Er bleibt stehen. Er guckt sich um. Er fragt, wer das war. Und die Frau erschrickt. Weil sie ihn nicht vorher gefragt hat. Aber Jesus sagt: Dein Glaube hat dich gesund gemacht. Geh in Frieden. Ohne Angst. Und im Vertrauen darauf, dass er es gut gemacht hat.

Aber Jesus ist dadurch aufgehalten worden. Und jetzt kommen Leute gelaufen und sagen dem Mann, es ist zu spät. Seine Tochter ist gestorben. Der erschrickt. Er schlägt vielleicht auch die Hände vors Gesicht. Aber Jesus sagt: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ Glaube, dass ich deine Tochter auch vom Tod lebendig machen kann. Und er geht mit dem Mann mit und tut das.

Das ist das Wort, das Johannes heute zu seiner Taufe mitbekommt: Fürchte dich nicht, glaube nur. Fürchte dich nicht, wenn Gott dir so nahe kommt mit einem ganz persönlichen Satz, nur für dich: Ich taufe dich, Johannes Christian. Wenn er dir ein Geschenk in die Taufe legt, noch größer als das Geschenk deiner Geburt für deine Eltern. Nämlich dass du, wenn du einmal stirbst, nur schlafen wirst, und Gott wird dich aufwecken. Und dass du bei Gott begnadet bist. Den getauft werden heißt, in Jesus hineingetauft werden. Martin Luther hat gesagt, wir werden „ein Kuchen“ mit ihm. Das ist so wie in der Weihnachtsbäckerei. Da werden Eier und Mehl und Wasser und Zucker gemischt. Dann kommt das in den Ofen. Und wenn's gebacken ist, dann kann keiner mehr die Eier rausholen oder das Wasser.

Dass wir zu Gott kommen, ja, dass wir so nah zu ihm gehören, dass uns nichts auseinanderbringen kann, das bekommt er „gebacken“. In der Taufe.

Und das soll Johannes glauben, und du und ich – alle getauften Christen. Und alle, die noch nicht getauft sind und das hören.

Aber Johannes ist heute genau einen Monat alt. Kann er das schon glauben? Genauso könnten wir fragen, ob er seiner Mutter glaubt, wenn er Hunger hat oder die Windel ist voll und er weint und sie kommt und sagt, „pscht, ich bin ja da“, und wechselt die Windel (oder sagt es Simon …), und er bekommt seine Milch. Wir wissen heute, dass ein Kind schon vor der Geburt die Stimme seiner Mutter kennt. Und wenn es weint und hört ihre Stimme, dann wird es oft schon besser, noch bevor die Mutter da ist. Das Kind vertraut von Anfang an seiner Mutter und fast genauso auch seinem Vater. „Vertrauen“ aber ist die Grundbedeutung von „glauben“. Wenn Jesus sagt, für so kleine Kinder, die man auf den Arm nimmt, ist Gottes Reich, dann will er sie da hineinnehmen. Dann kann er auch machen, dass sie ihrem himmlischen Vater vertrauen, noch bevor sie sprechen können. Solches Vertrauen aber schafft sein Wort. Auch das Wort von dem Auftrag zu taufen und seiner Zusage, das wir gleich hören werden.

Und er will euer Gebet als Eltern und Paten hören, wenn ihr ihn bittet, dass dieser Glaube in Johannes wächst, dass er so kindlich Gott glaubt und vertraut ein Leben lang, auch wenn er ein Jugendlicher und erwachsen wird. Ja, wenn die Flamme seines Glaubens klein wird oder auch mal flackert, will er sie wieder groß und kräftig machen.

Als es Maria mit dem Glauben besonders schwer hatte, unter dem Kreuz, als ihr Sohn Jesus starb, da hat er ihr seinen Jünger Johannes gegeben. Der sollte jetzt wie ihr ältester Sohn sein, der für sie sorgt. Das ist der Jünger, der am meisten von Gottes Liebe begriffen hat und davon schreibt im Neuen Testament. Und sein Name bedeutet, „der Herr ist gnädig“.

Fürchte dich nicht, Johannes, glaube nur. Fürchtet euch nicht, liebe Brüder und Schwestern. Gott ist uns gnädig durch seinen Sohn, in dem er zu uns kommt. Amen.

(Predigtreihe IV neu und Taufvers; Daniel Schmidt, P.)