Predigt vom 12.6.2022 (Lukas 16,19-31)

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  • Erstellungsdatum 12. Juni 2022
  • Zuletzt aktualisiert 12. Juni 2022

Predigt vom 12.6.2022 (Lukas 16,19-31)

Liebe Gemeinde, liebe Eltern und Großeltern und Paten,

und liebe Konfirmanden,

guckt mal ein bisschen nach vorn: Was wünscht ihr euch für euer Leben in einem Jahr? In vier Jahren, wenn ihr 18 seid? In 10 Jahren?

Und jetzt guckt mal noch viel weiter nach vorn, auf jemanden, der viel älter war als ihr. Was ich euch jetzt erzähle, hat sich vor ein paar Jahren tatsächlich ungefähr so zugetragen. Der Mann, um die 80, hatte Krebs. Er lag im Krankenhaus. Er wusste, dass er nur noch kurz zu leben hatte. Eines Nachts, als die Schwester ins Zimmer kam, hat er nach ihrer Hand gegriffen. Er hat ihr leise erzählt, dass er viele Jahre vorher einem Kind etwas Schlimmes getan hatte. Niemand wusste davon. Aber es lag wie ein Gewicht auf seiner Seele.

Irgendwie kam diese Geschichte nach seinem Tod ins Internet. Ein User hat dazu geschrieben, der hätte das für sich behalten sollen. Dann hätte er in Ruhe sterben können, und keiner hätte etwas davon erfahren.

Was ist schlimmer, liebe Konfirmanden: dass wir etwas Verkehrtes tun, oder dass andere davon erfahren? Ich habe mal eine Fernsehsendung gesehen, da hat die Polizei hinter einer Ampel Radfahrer angehalten, die bei Rot rübergefahren sind. Einer hat gleich gesagt, dass er einen Fehler gemacht hat – er hat eben nicht vorher geguckt, ob da die Polizei steht.

Und wenn unser Leben hier zuende geht – und keiner von uns weiß, ob das weit weg ist von heute oder ganz dicht –, ist dann alles vorbei? Oder kommt dann noch etwas? Und macht es dann einen Unterschied, wie wir hier gelebt haben?

Viele leben so, als ob es nur auf dieses Leben ankommt. Sie packen möglichst viel rein, damit es ein gutes Leben für sie wird. Was könnte das sein? (Viel Spaß, viel Geld, eine tolle Frau oder ein toller Mann, ein tolles Haus, ein tolles Auto, vielleicht auch viel Arbeit für andere.) Ich glaube, denn ihr euch das aussuchen könntet, würdet ihr das auch nehmen, oder?

Aber was, wenn das nicht so läuft im Leben? Wenn wir nicht dauernd Spaß haben? Wenn wir für das Geld viel arbeiten (mit Zeitungsaustragen oder Putzen zum Beispiel), und es trotzdem nicht viel wird? Oder wenn eine Zeitlang alles gut läuft, mit vielen Scheinen in den Umschlägen zur Konfirmation, mit einem tollen Ausbildungsplatz und der schönsten Freundin oder dem tollsten Freund, und dann geht's nicht so weiter?

Wir hören aus dem Lukasevangelium im 16. Kapitel von einem Mann, für den es gar nicht gut lief, und der nur daran gedacht hat, dass er das Beste vom Leben hat. Bis dann sein YouTube-Lebensfilm abgelaufen war. Jesus erzählt (Lukas 16,19-31):

Es war ... ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren und begehrte, sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre. Es begab sich aber, daß der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben. Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen. Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfan­ gen; nun wird er hier getröstet, und du wirst gepeinigt. Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, daß niemand, der von hier zu euch hinüber will, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber. Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun. Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.

Das Leben hier in dieser Welt ist alles. Und irgendwann geht der Bildschirm aus, und das war's – so hat der reiche Mann gedacht. Aber Jesus zeigt uns eben, dass damit nicht alles vorbei ist. Das Entscheidende passiert genau an der Stelle. Da entscheidet sich, ob ein Leben gut ist bis zum Ende. Nein, ob es gut ist ohne Ende. Oder ob es verfehlt ist.

Wir können versuchen, uns ein schönes Leben zu machen. Aber das ist nicht dasselbe wie das, was Gottes Wort im eigentlichen Sinn Leben nennt. Ein gelungenes Leben heißt, dass wir bei unserem Schöpfer bleiben, der selbst das Leben ist. Und das entscheidet sich da, wo es nur noch eine Entscheidung gibt. Entweder bei Gott für immer. Oder getrennt von ihm für immer. Keine Brücke mehr von der einen zur anderen Seite. Und deshalb sagt uns unser Herr Christus hier: 1. Denkt daran, dass eure Zeit hier ein Ende hat. Und 2., kehrt um zu mir.

Zunächst scheint es ja, dass man dieses Gleichnis ziemlich einfach zusammen­ fassen kann. Stell dir vor, du kommst vom Gottesdienst zurück. Onkel Paul ist zuhause geblieben und fragt dich, worum es in der Predigt ging. Du denkst kurz nach, und dann fällt dir's wieder ein. “Um einen Armen und einen Reichen. Der Arme ist in den Himmel gekommen und der Reiche in die Hölle.”

Das könnte deinem Onkel Paul vielleicht gefallen. Denn so ganz reich, wie man sein könnte, ist er nicht. Und er sagt vielleicht, er glaubt nicht an Gott. Aber in den Himmel will er natürlich kommen.

Aber Jesus sagt nicht, der Reiche kommt in die Hölle, weil er reich ist. Reichsein ist keine Sünde. Und hier ist keine Rede davon, dass er ein schlechter Mensch ist. Genau so wenig kommt der arme Mann in den Himmel, weil er so arm ist. Oder weil er ein guter Mensch ist.

Aber Reichsein und Besitz ziehen unser Herz offensichtlich so an wie die Spiele-App auf dem Handy unsere Daddelfinger. Und so hat der reiche Mann hier drei Probleme:

  1. Er trägt jeden Tag Kleidung aus Purpur. Die war unglaublich teuer. Dieser Mann zieht die sogar für die Arbeit an. Er kann ohne seinen Reichtum nicht leben.
  2. Er kümmert sich nicht um den da vor seiner Haustür. Er kennt ihn zwar. Er will ja, dass Lazarus rüberkommt. Aber es fällt ihm nie ein, ihm auch nur ein gebrauchtes Kleidungsstück abzugeben – Lazarus hat nur Lumpen zum Anziehen. Oder ihm seinen Verbandkasten zu geben oder einen Arzt zu holen. Er sagt sich: Was ich habe, gehört mir. Soll der andere zusehen, wo er bleibt, ich tu's ja auch.
  3. Er will nicht zu Gott kommen am Ende. Abraham sagt zu ihm: “Denke daran, du hast dein Gutes gehabt im Leben.” Das heißt, was du gut und wichtig fandest, war dein Leben dort. Das Leben hier hat dich gar nicht interessiert.

Ihr werdet heute gefragt, ob ihr bei der Kirche und beim Gottesdienst bleiben wollt. Die Frage hat damit zu tun, dass wir am Ende von unserem Leben vor Gott als Richter stehen werden. Wer hier ohne ihn gelebt hat, der wird dann erfahren, dass sein Leben vertan war. Und dann hilft auch kein Sch.-Wort mehr wie die Wörter, für die wir im Unterricht die Schimpfwortdose hatten. Und wenn ich euch frage, was ihr denkt, wie lange ihr vorher noch Zeit habt, was würdet ihr antworten? Wenn das Leben wie ein YouTube-Film ist, dann steht die Gesamtlänge halt nicht drunter, und es kann sein, dass es nach der schönsten Szene zu Ende ist.

Für den reichen Mann ist es plötzlich zu spät. Und mit einem Mal denkt er an seine Brüder. Die sollen doch wenigstens noch eine Chance bekommen. Ja, Lazarus soll einmal kurz vom Tod auferstehen und ihnen erscheinen. Das würde ihnen einen heilsamen Schrecken einjagen.

Nein, sagt Christus. Sie haben Gottes Wort. Wenn sie das nicht hören, dann werden sie auch nicht hören, wenn einer von den Toten aufersteht. Jesus ist vom Tod auferstanden. Seit 2000 Jahren wird das in der ganzen Welt verkündigt: Dass Gottes Sohn für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist. Dass wir durch ihn Heilung haben von der Krankheit der Sünde, die viel schwerer ist als solche nicht heilenden Wunden am Körper. Damit hat er unseren Tod besiegt. Das ist unsere Chance. Und nicht irgendwelche von Menschen ausgedachten Geschichten, dass Gott ja eigentlich ein lieber Gott ist und am Ende dann doch alle zu ihm kommen.

Uns ganz auf Gott und sein Wort zu verlassen – das lernen wir von Lazarus. Der kann sich selbst nicht helfen. Aber Gott hilft ihm. Nicht so, dass er alle seine Not beendet. Aber so, dass er seine Gebete hört. Dass er sdem gnädig ist, der zu ihm umkehrt und seinem Wort glaubt. Ja, so ruft Gott in diesem Gleichnis den armen Lazarus am Ende bei seinem Namen und gibt ihm einen besonderen Platz im Himmel: Den Platz für sein geliebtes Kind an seiner Seite.

Ja, Gott will, dass wir so leben wir Lazarus. Nicht als Bettler und krank. Aber als Menschen, die von sich selbst gar nichts erwarten und von Gott alles. Für die Gott der größte Besitz ist. Lebt so, dass man das an euerm Leben erkennt. Und trefft eure Entscheidungen mit diesem Ziel vor Augen. Dann war es am Ende nicht verloren und nicht vertan, sondern es war der Auftakt zu dem Leben, das uns dort erwartet zusammen mit Abraham und all den anderen Lazarussen neben uns und mit unserem Herrn selbst. Das ist das gute, volle, “tolle” Leben. In Ewigkeit. Amen.

Trinitatisfest

(Mit Anregungen aus einer Predigt von Pfr. Dr. Gottfried Martens, Berlin)

Immanuelsgem. Gr. Oesingen, Hauptgd. m. Taufe u. Konfirmation

Daniel Schmidt, P,