Predigt vom 12.2.2017 (Luk. 17,7-10)

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  • Zuletzt aktualisiert 12. Februar 2017

Predigt vom 12.2.2017 (Luk. 17,7-10)

Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; danach sollst du auch essen und trinken? Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war? So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Es menschelt in der Kirche. Ich denke, es gibt wohl kaum einen hier, der das nicht schon erlebt hat. Man ist bereit mitzumachen, im Gottesdienst und hier oder da in der Gemeinde, und dann reibt es sich plötzlich an einer Stelle, wo man es nicht gedacht hat. Man singt im Chor, man übt seine Stimme, es könnte so schön werden – und dann bringt jemand einen aus dem Takt oder aus dem Ton. Jemand setzt sich ganz regelmäßig für etwas ein, und bekommt nur Kritik, wenn's mal nicht ganz gut läuft, aber nie einen Dank. Und zwei Nummern größer gibt's das auch. Es menschelt auch bei denen, die als Kirchen-Vertreter in der Öffentlichkeit stehen. Da hört man plöztlich, was ein Bischof – nicht einmal nur ein Gemeinde­ pastor – an Geldern ausgegeben hat für seinen Amtssitz. Da werden große Beträge ausgegeben für die Themen, die in der Gesellschaft dran sind, wie Umweltschutz oder die Gender-Diskussion, und man fragt sich, ob die Kirche da wirklich ins gleiche Horn auch noch stoßen muss und ob sie nicht von Gottes Wort her eine eigene Stellung dazu haben sollte, und das heißt: auch da von Christus herkommen und zu ihm hinführen.

Ja, es menschelt in der Kirche. Denn die Kirche ist kein Verein, und kein Verein von vollkommenen Heiligen. Die gibt es erst dort, wo wir alle hoffen hinzukommen. Aber hier haben wir es mit der irdischen Kirche zu tun. Und da suchen wir uns nicht aus, wer dazugehört. Das sucht sich Christus aus. Der hat sich letzten Sonntag für Marlene und Lilly entschieden, dass sie dazugehören sollen, und heute für Tamara. Wenn die aufwachsen und Erfahrungen mit Gemeinde und Kirche machen, werden sie diese Erfahrung auch machen. Wenn wir uns aussuchen könnten, wer dazugehört, dann würden wir wohl die nehmen, die uns sympathisch sind. Aber ich weiß, dass ich dann nicht dabei wäre; denn es gibt Momente, da bin ich mir nicht einmal selbst sympathisch.

Es menschelt in der Kirche. Und nun sagt Jesus in dem Gleichnis, das wir gehört haben, wir sollen keinen Dank erwarten. Undank ist der Welt Lohn, heißt es. Und wo's in der Kirche auch undankbar zugeht, gehört das eben auch dazu, dass es menschlich-fehlerhaft zugeht. Aber da spricht Jesus von dem Knecht, der den ganzen Tag gearbeitet hat, und wenn er reinkommt, soll er nicht erwarten, dass sein Arbeitgeber ihm die Jacke und die Schuhe abnimmt und ihm das Abendbrot serviert. Nein, er soll wissen, sein Dienst ist auch damit noch nicht fertig, zu seinem Angestelltenverhältnis gehört das dazu, dass er genau das nun auch noch für seinen Arbeitgeber tut: Abgesehen davon, dass das in einer Zeit gesagt ist, als keine Arbeitsstunden gezählt wurden, es keine Tarifverträge und kein Recht auf Freizeit gab – redet Jesus nicht damit auch noch der Undankbarkeit in der Kirche das Wort?

Um es gleich zu sagen – er tut es nicht. Und dies ist keine Aufforderung, die vielen Dienste um uns herum für selbstverständlich zu nehmen, auch wenn ich von einigen von euch höre, dass es euch auf den Dank nicht ankommt, und dass ihr zufrieden seid, wenn ihr im Hintergrund wirken könnt und dadurch viele Dinge einfach laufen. Nein, Jesus redet nicht von Undankbarkeit in der Kirche. Es geht hier um Knechte und ihren Herrn. Und es gibt in der Gemeinde um dich herum keinen, der dein Herr ist. Nicht ein Chorleiter, ein Kirchenvorsteher, nicht ein Jugendkreisleiter, nicht ein Pastor, und keiner von denen kann andere “knechten”. Es gibt nur einen Herrn. Das ist Christus. Von ihm sollen wir lernen, dass wir alles tun sollen, was er uns aufträgt, dass wir unnütze Knechte sind, und dass wir das alles einfach schuldig sind. Und das ist nun eine ganz und gar gute Botschaft.

Denn wenn dieser Herr uns nach unserem Nutzen beurteilen würde, wer von uns wäre dann noch dabei? Unsere drei neugetauften Gemeindeglieder sicher nicht, denn was für einen Nutzen hat ein so kleines Kind für die Arbeit in der Gemeinde? Wie das mit mir wäre, darüber möchte ich lieber nicht nachdenken. Und gehört es nicht auch zu der Erfahrung, dass es menschlich-fehlerhaft hier zugeht, dass ich dachte, ich tue etwas, was der Gemeinde nützt, und in Wirklichkeit hat es ihr geschadet? Nein, liebe Schwestern und Brüder, ich bin sehr froh, dass ich nicht nach meiner Nützlichkeit beurteilt werde. Und ich bin sehr froh über jeden, der mitarbeitet – ich halte es im übrigen auch für wichtig, dass wir alle daran denken, dafür auch Dank und Anerkennung zu zeigen. Ja, es geht um ganzen Einsatz, ja, d.h. um Einsatz mit ganzem Herzen, eben mit so viel Zeit und Kraft und Geld wie du hast in deiner Lebens- und Familien- und Arbeitssituation, außer der Stelle, die dir Gott im Alltag gegeben hat. Und ich bin froh, dass mich Christus nicht nach meiner Nützlichkeit gefragt hat, als er mich in seine Kirche aufgenommen hat, als ich selber halb so groß war wie Tamara jetzt.

Und ich freue mich noch über ein anderes Wort hier. Das ist das Wort “schuldig”. Jesus sagt, erwartet keinen Dank, sprecht nur, “wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.” Merkst du das? Wenn wir etwas “schuldig” sind, dann heißt das, wir haben vorher etwas bekommen. Und das ist das, was wir heute in der Taufhandlung gehört haben: Du und ich, wir sind in Gottes Familie aufgenommen worden. Und wir haben einen ganz wunderbaren Tausch erlebt: Dieser Herr, der uns zur Taufe ruft und dann jeden Getauften zur Mitarbeit ruft, der hat unsere menschliche Fehlerhaftigkeit auf sich genommen. Und uns seine vollkommene Erfüllung von dem geschenkt, was Gott von uns Menschen erwartet. Der hat uns eingestellt, in Dienst genommen, und tut uns ständig einen Dienst. Ja, er tut das, von dem Jesus hier im Gleichnis sagt, dass es doch kein menschlicher Chef für seine Angestellten tun würde. Du kommst in die Kirche, er sagt, “Zeig mal deine Füße, wo du in der letzten Woche in Dreck reingetreten bist, ich wasch dir das ab.” Es kann ja keiner ohne Dreck bleiben, der hier im Leben unterwegs ist, und es ist immer wieder unser eigener Dreck, in den wir reintreten. Aber Christus hat dem Petrus die Füße gewaschen am Abend vor seiner Kreuzigung, und hat sich dazu bis auf die Unterwäsche ausgezogen wie der niedrigste Sklave. Diesen Dienst tut er uns hier jeden Sonntag. Und deckt uns tatsächlich den Tisch, da vorne, in jeder Feier des heiligen Abendmahls. Sein Leib, für dich gegeben, in und mit dem Brot, sein Blut, für dich vergossen, in und mit dem Wein – da findet das Herz Vergebung und kann sich sattessen an seiner Liebe. Das ist es, was wir brauchen, nach einer Woche voller Arbeit und gerade auch nach solchen Erfahrungen in der Gemeinde, von denen wir gesprochen haben.

Das alles tut er für uns. Und weil wir das ständig von ihm bekommen, weil es so angefangen hat mit uns in der Kirche und er uns da immer wieder zuvorkommt, bevor wir selbst irgendeinen Erfolg vorweisen können mit unseren Versuchen, es doch einmal alles richtig zu machen – deshalb spricht er dann auch davon, dass wir etwas schuldig sind. Wir haben letztes Jahr als Kirchengemeinde einen Kredit aufgenommen für die Dachsanierung hier am Kebbelshof-Gebäude. Das ist durch einige Hände gegangen, zum Dachdecker und durch die Hände der Mieter, aber als wir es jetzt zurückzahlen konnten, war es letztlich das Geld der Bank, das damit zu ihr zurückgegangen ist. So ist das auch mit dem, was wir von Gott bekommen haben, dieser großen Liebe, die wir uns eben auch als seine Knechte nicht verdienen können. Die sollen wir investieren, in unsere Aufgaben an der Stelle, wo Gott uns hingestellt hat, und in der Gemeinde. Eben damit wird diese Liebe zu ihm zurückkommen. Weil andere dadurch etwas davon abbekommen, weil seine Gemeinde ihnen dadurch immer lieber wird und sie ihm auch dafür danken.

Dann sollen wir auf jeden Fall auch zusehen, dass das, was er uns alles gibt, nicht in dem Sinne “umsonst” war, dass wir meinen, wir könnten einfach so bleiben, wie wir sind. Die 10 Gebote sind ein Teil unserer Job-Beschreibung. Ihm dienen bezieht sich nicht nur auf deinen Einsatz in der Gemeinde, sondern zuerst darauf, wie du mit deinem Mitmenschen umgehst: Tust du ihm Gewalt an, vielleicht nicht mit Waffen, aber damit, wie du ihn behandelst? Wenn du wechselnde “Partner” hast, mit denen du alles teilst, auch deinen Körper, ist das nicht etwas, wo du Gott Ordnung machen lassen solltest – ihn, der Mann und Frau füreinander gemacht hat, der will, dass sie ein Leben lang zusammengehören, und der jedem da einen Neuanfang anbietet? Das gleiche gilt für den Umgang mit Geld und Besitz oder mit unserem Reden über andere. Wir wissen, wem wir dienen. Lasst es uns auch so tun, dass wir ihn bitten, aufzuräumen in unserem Leben, wo es nötig ist.

Nun aber zum Abschluss noch einmal: Brauchen tut Gott uns nicht. Er könnte alles auch ohne uns tun. Aber er will deine und meine Hände und Füße, unsern Verstand und unser Herz dazu haben. Und dass es dafür keinen Feierabend gibt, wie wir es hier im Gleichnis hören, heißt: Keiner kann sagen, ich bin mit dieser Arbeit fertig, für mich gilt dieser Auftrag nicht mehr. Ganz einfach: Als getaufter Christ ist das deine Aufgabe. Und wird es bleiben, solange du das Leben hier hast. Und das ist auch sehr tröstlich. Denn das heißt: er wird dich nicht vorher aus seinem Dienst entlassen. Bis dahin hast du in der Kirche ein Übungsfeld zum Dienen ohne zu zählen, was dabei zurückkommt, ein Übungsfeld zum Vergeben, zum Ertragen solcher seltsamer Gemeindeglieder, wie wir alle sind, und vor allem: ganz viele Brüder und Schwestern, mit denen du bei diesem Herrn zuhause bist und zum Leben und Sterben alles hast, was du brauchst: deinen Herrn Christus.

Sonntag Septuagesimae / 3. Sonntag vor den Fasten (Predigtreihe III)

Predigtgottesdienst mit heiliger Taufe

Daniel Schmidt, P.