Predigt und Gottesdienst zum 1. Weihnachtstag, 25.12.2020 (Jes. 52,7-10)

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  • Zuletzt aktualisiert 24. Dezember 2020

Predigt und Gottesdienst zum 1. Weihnachtstag, 25.12.2020 (Jes. 52,7-10)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

[Lied]

Rüstgebet

Unsere Hilfe kommt von Gott, dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Gott ist heilig, allmächtig und allwissend. Er kennt unser Leben. Vor ihm ist nichts verborgen. Er weiß, wo wir Gutes nicht getan haben und wo wir Böses gedacht, gesagt und getan haben. Er weiß, wo wir ihn und uns untereinander nicht so vollkommen geliebt haben wie er uns liebt. Er weiß auch, wo wir der Versuchung zur Sünde nachgegeben haben. Aber weil er uns zu sich ruft, weil er uns gnädig sein will durch seinen Sohn Jesus Christus bekennen wir: Wir sind schuldig vor dir, unser Gott. Aber weil dein Sohn unsere Schuld auf sich genommen und die Strafe dafür gelitten hat, bitten wir dich: Sei uns sündigen Menschen gnädig.

Der allmächtige Gott erbarme sich unser; er vergebe uns unsere Sünde und führe uns zum ewigen Leben. Amen.

Nimm unsere Sünde weg, Herr, und gib uns, dass wir mit reinem Herzen und reinen Lippen diesen Gottesdienst feiern und dich preisen. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung

Die alttestamentliche Lesung zum Sonntag nach Weihnachten steht im Buch Micha im 5. Kapitel. Der Prophet kündigt die Geburt des Retters in Bethlehem an, der in seiner Person der Friede sein wird:

Und du, Bethlehem Ephrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. Indes läßt er sie plagen bis auf die Zeit, daß die, welche gebären soll, geboren hat. Da wird dann der Rest seiner Brüder wiederkommen zu den Söhnen Israel. Er aber wird auftreten und weiden in der Kraft des HERRN und in der Macht des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, so weit die Welt ist. Und er wird der Friede sein. (Micha 5,1-4)

Evangelium

Das heilige Evangelium bei Lukas im 2. Kapitel:

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. (Lukas 2,15-20)

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, unseren Herrn, der empfangen ist vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

[Lied]

Predigt Jesaja 52,7-10

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt.

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König! Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und jubeln miteinander; denn sie werden's mit ihren Augen sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt. Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

ein Onkel von mir hatte früher einen Hund. Samson hieß er, ganz biblisch. Mein Onkel war Pastor und kam von seinen Einsätzen auf den Dörfern zu sehr unterschiedlichen Zeiten nach Hause. Aber lange, bevor die Familie das Auto hörte, setzte sich der Hund ans Fenster. Und – wartete. Irgendwann merkte meine Tante, wenn der Hund das macht, dann dauert es noch 5 oder 10 Minuten. Sie konnten sich das nie erklären. Ob der das Autogeräusch auf so eine Entfernung hörte? Das war eigentlich unmöglich. Aber wenn das so war, dann war das offenbar ein Geräusch, das er liebte. Nicht, weil er die französische Automarke mochte. Sondern weil er das mit dem verband, der da zu ihm kam.

Von Füßen, die man liebhat, lesen wir im Jesajabuch. Nicht, weil sie so gepflegt sind, nicht, weil sie so schnell sind wie die vom Weltrekordläufer 2012, Usain Bolt. Sondern wegen dem, was sie bringen: Frieden, Gutes, Heil. Der Prophet hat unsichere Zeiten in Palästina vor Augen, mit ständigen Angriffen auf Gottes Volk. Und dann läuft ein Bote über die judäischen Berge, die steinigen Wege, läuft auf jeden Hof am Wegrand, in jedes Dorf und ruft: „Friede! Ihr braucht keine Angst mehr zu haben um eure Frauen und Kinder, um euer Vieh, um eure Ernte, was ihr essen sollt. Friede!“

Das sieht der Prophet kommen wie jemand, der ein feineres Gehör hat als andere. Ein prophetisches Ohr, das auf Gott hört. Denn das Bild von dem Volk Gottes in seinen Höfen und Dörfern und in der prächtigen Stadt Jerusalem, das ist zu der Zeit schon ein altes Bild. Das gibt es seit 50 Jahren nicht mehr. Jerusalem ist zerstört, der Tempel liegt in Trümmern, die Einwohner sind mit Gewalt nach Babylon gebracht worden. Das ist der Unfriede und das Unheil: Dass sie ihre Heimat verloren haben. Dass sie wenig Rechte haben. Dass sie nicht zu ihrem Gotteshaus, zum Tempel kommen können. Wie sollen sie denn unter solchen Umständen Gottesdienst feiern? Das geht ja fast nur noch zuhause.

Aber der Prophet hört die Freudenboten schon laufen. Fröhlich und leicht. Viel weiter als von Jerusalem über die Berge nach Galiläa. Bis nach Babylon. Zu dem Volk Gottes. Sie hören es noch nicht. Sie hören nur, wie der Prophet sich freut bei diesen Worten. Und sie können aus der Erfahrung des Volkes Gottes eins wissen: Wenn einer sich nicht selbst zum Propheten gemacht hat, wenn er vom lebendigen Gott dazu berufen ist, dann lässt ihn Gott etwas hören und manchmal auch sehen, was andere noch nicht wahrnehmen. Eine göttliche Realität, so wirklich, dass es als Tatsache formuliert ist; wie etwas, das schon passiert ist:

„Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.“

Aber als dann kurz darauf der Erlass kommt, dass sie in ihre Heimat zurückkönnen, ist das wirklich so eine große Freude? Sie brechen auf, aber es ist doch sehr ernüchternd: die Häuser sind am Einstürzen, die Äcker überwuchert, Jerusalem sieht ähnlich aus wie die Innenstadt von Hannover nach dem zweiten Weltkrieg. Es gibt Stimmen, die sagen, wir schaffen das. Wir stellen uns alle darauf ein, nehmen Entbehrungen in Kauf und arbeiten daran. Aber ist das nicht eine größere Not: Gott vertraut zu haben und dann nicht zu sehen, dass es wirklich gut wird? Wo ist Gott? Hat er überhaupt etwas mit dieser Situation zu tun?

Mir ging es im Oktober so, dass ich dachte, jetzt kommen bessere Nachrichten zur Corona-Pandemie. Impfstoffe waren in der Entwicklung, die Zahlen waren ganz unten, mein Bauchgefühl sagte, wir haben uns darauf eingestellt, langsam schleicht sich das Problem aus. Und dann kam die Ernüchterung: strengere Regeln für November, und jetzt seit Dienstag im Landkreis Gifhorn noch einmal weitere Einschränkungen, auch für die Kirchen. Mindestens drei Leute, die ich kenne, haben sich jetzt mit Covid19 infiziert. Ich denke auch, wir schaffen das. Aber es sieht im Moment nicht gut aus.

Freude ist mehr, als dass man sich gut fühlt und dass es einem gut geht. Dass für Israel der Weg nach Hause endlich wieder frei war, hieß ja, es geschieht das, was Gott angekündigt hat, was die Prophetenohren schon vorher gehört haben. Es ist ein Anfang. Aber ein Anfang, den Gott macht. Und wenn Gott sich etwas vornimmt, hält ihn nichts und niemand auf. Was Gott zu unserer Rettung ankündigt, das tut er.

Er hat sein Volk auch deshalb zurückgebracht, damit 530 Jahre später sein Sohn in Bethlehem geboren wird. Damit er mit 12 Jahren im Tempel die Schriftgelehrten lehrt. Damit er in Jerusalem verurteilt wird und dort den Tod stirbt, den wir verdient haben. Damit er dort den Tod besiegt.

Als das dann beginnt in der Nacht neben dem Viehtrog, da ändert sich etwas Großes: Da werden alle zu Freudenboten, ja, zu Propheten. Maria erzählt's später dem Lukas, der schreibt es auf. Der Evangelist Johannes beschreibt Jesus als den König der Juden, der die, die in Angst und Sorge gefangen sind, frei macht. Jakobus, von dem wir einen Brief im Neuen Testament haben, ist ein jüngerer Halbbruder von Jesus.

Sie alle haben Gottes Sohn gesehen. Mit Händen und Füßen wie wir. Auf eben diesen Füßen ist er unterwegs in Israel. Er schickt seine Boten aus, seine Jünger, dass sie seinen Frieden bringen, wie sie ihn selbst erlebt haben – Befreiung von den bösen Mächten, die uns verderben und in Verzweiflung stürzen wollen, Friede mit Gott durch Vergebung der Schuld – dazu gibt er ihnen Vollmacht. Und sie predigen Gutes, wo sie hinkommen.

Ja, die Apostel bringen uns Christus mit ihren Briefen, die wir im Neuen Testament haben. Sie sind unsere Freudenboten genauso wie die Evangelisten. Und weil sie uns Christus bringen, bringen sie uns auch Heil. Gerade da, wo es im Herzen hell wird, wo wir ahnen, dass es überhaupt solche tiefe Freude im Leben geben kann, dass ein Mensch so bedingungslos von Gott geliebt und angenommen sein kann, gerade da merken wir ja erst recht, wie oft wir der Versuchung eben doch nachgeben, wie schnell unsere Liebe zu Gott und zu unserem Nächsten doch immer wieder ihre Grenze hat. Was für ein Trost ist es da, dass Gott nicht den Sünder annimmt, der sich besonders bemüht, gut zu sein, sondern den, der seine Gerechtigkeit allein bei Christus sucht. Er ist unser Heil. Wer den hat, der geht nicht verloren, auch wenn es durch Anfechtung und Kampf und Tod hindurchgeht. Christus ist da auch hindurchgegangen und als Sieger herausgekommen. Welche Botschaft ist „lieblicher“ als das zu hören? Was könnte besser sein?

Ihr Lieben, diese Botschaft hören wir seit der Weihnachtsnacht nicht mehr nur von einem Propheten. Dass der Anfang davon gemacht ist, das singen uns die Engel zu. Wir hören es die Hirten sagen im Lukasevangelium, die alles so finden, wie es der Engel gesagt hat. Wir hören es von lieben Mitchristen, die uns zeigen: Du hast mir wehgetan, aber ich trage es dir nicht nach, weil mein Gott mir meine Schuld auch nicht nachträgt. Wir erfahren es von denen, die am Lebensende im Glauben sagen: Ich möchte heim, ich möchte durch die offene Tür zu meinem Heiland. Ja, Weihnachten sind wir füreinander wie lauter Propheten, die sehen und hören, was diese Welt noch nicht wahrnimmt: „Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis, / der Cherub steht nicht mehr davor, / Gott sei Lob Ehr und Preis!“

Und hast du's nicht auch schon selbst erlebt, liebe Schwester, lieber Bruder? Der Schritt des Pastors in deine Richtung, als du am Altar gekniet und dann diese Worte gehört hast: Dir sind deine Sünden vergeben! Und manche, die jetzt nicht aus dem Haus gehen, freuen sich, die Füße auf der Diele zu hören, die mit dem kleinen Abendmahlskoffer zu ihnen kommen und Friede und Heil bringen. Ja, vielleicht ist das etwas zum Mitnehmen aus diesem Gottesdienst, die Erinnerung daran, dass du dir diese Freudenbotschaft ins Haus holen kannst, wo es nottut, wo du dich nach dieser Botschaft sehnst, wo sich einer plagt mit einer alten Not oder Schuld.

Und zum Schluss ein Satz, der in „Corona“-Zeiten leichter einleuchtet, aber immer gilt: Wo aus dem Gottesdienst im Stall in der Geburtsnacht mit der Anbetung der Hirten und von Maria und Joseph     unser Hausgottesdienst wird, da zieht der Retter ein. Ja, gerade jetzt, als Botschaft gegen alle Statistik, alle gegenwärtige Not und Sorge – ja, nimm sie dir ins Haus, denn „Dein Gott, du Volk Gottes, ist König. Und wo er kommt, da ist Friede und Heil.“ Amen.

Sein Friede bewahre unsere Herzen und Sinne zum ewigen Leben. Amen.

[Lied]

Kirchengebet

Lieber Vater im Himmel,

du weißt, wie es bei uns aussieht. In diesem Jahr sehnen sich viele nach mehr Sicherheit, mehr Nähe und mehr Liebe; ja auch nach Erlösung von der Pandemie, die uns Not macht.

Wir bitten für sie alle, für uns selbst, für die, die einsam oder krank sind, alle, die keine Heimat mehr haben, kein Dach über dem Kopf, keinen Menschen, der mit ihnen dieses Fest feiert: Gibt uns ein Weihnachtsfest, in der Freude, die nicht an Wohlstand und äußerlicher Ausschmückung gebunden ist; der Freude über dein unvorstellbar großes Geschenk an uns Menschen; dass dein Sohn ein Kind geworden ist, ein Mensch wie wir, damit wir deine Kinder werden; dass du, allmächtiger Gott, so klein wirst, um dich in unsere Hände zu legen und in unser Herz einzuziehen.

Das ist ja der Grund für den Weihnachtsjubel der Engel und der Hirten und der ganzen Christenheit. Gib du Frieden in dieser Zeit der Ungewissheit und der Sorge, lass deinen Frieden unsere Herzen bewahren. Lass deine Nähe alle Stunden unseres Tages füllen, alles, was wir tun und was wir im Herzen haben. Und wenn du willst, dann lass andere auch durch uns etwas spüren von deiner großen Liebe. Ja, gib, dass auch die, die dich nur vom Hörensagen kennen, einen Strahl von deinem Licht sehen und spüren, wie gut es ist, dass du Mensch geworden bist und dass du mitten unter uns bist. Ja, Ehre sei dir in der Höhe und Friede auf Erden durch diese wunderbare Geburt. Amen.

Vaterunser

Segen

[Lied]