PLredigt zum 18.7.2021 (Matth. 28,16-20)

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  • Zuletzt aktualisiert 17. Juli 2021

PLredigt zum 18.7.2021 (Matth. 28,16-20)

Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: “Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.”

Liebe Gemeinde,

da sehen wir sie laufen, Matthäus und Petrus und Johannes und die anderen, in den Bergen von Galiläa. So waren sie oft unte rwegs gewesen. Mit einem Unter­ schied: Sie waren mit ihrem Herrn gegangen. Aber wer seine Bibel kannte, konnte schon damals ahnen, dass das etwas mit den 12 Söhnen Jakobs zu tun hat. Wie die am Anfang des Volkes Gottes standen, so wurden die 12 Jünger zu den Vätern des neuen Volkes, das Gott sich in der ganzen Welt sammelt.

Jetzt aber liegen 7 ganz besondere Wochen hinter ihnen. Immer wieder haben sie Christus als Sieger erlebt über Tod und Teufel. Und nun hat er sie auf einen bestimmten Berg bestellt. Vielleicht dahin, wo Vier von ihnen ihn schon einmal in seiner himmli­schen Herrlichkeit gesehen haben. Auf jeden Fall ist klar: Hier geschieht etwas ganz Feierliches, End-Gültiges. Hier handelt nicht nur ihr Lehrer und Freund, sondern der lebendige Gott. Sie fallen vor ihm nieder. Und bekommen den Auftrag, der alle Menschen zu ihm bringen soll. Und dazu, ihn anzubeten.

Dass aber einige von ihnen zweifeln, wie Matthäus erzählt, zeigt: Gott gebraucht dazu schwache Menschen. Sie sind sich gar nicht sicher, wie es mit ihrem Glauben aussieht. Sie sind seine Werkzeuge dazu, aber er muss ihn selber erfüllen. So kommt von ihm 1. die Vollmacht, 2. die Mittel – nämlich das Taufen und das Lehren –, und er ist 3. das Ziel: Die Menschen sollen zu seinen Jüngern werden.

  1. Erstens, er schickt sie mit Vollmacht. Am Kreuz hat er mit dem gerungen, der hier auf Erden solche Macht zu haben scheint. Der da, wo Menschen sich streiten oder hassen, Öl ins Feuer gießt. Der Menschen auseinanderbringt, Gewalt sät und Gegengewalt erntet. Den hat Christus besiegt mit seinem Gebet: “Dein Wille geschehe” und “Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun”. Und mit seinem letzten Wort am Kreuz: “Es ist vollbracht!”

“Es ist vollbracht” –  das sollen die Apostel in seiner Vollmacht den Menschen sagen, die noch gar nicht erfahren haben, dass Gott in diese Welt hinunterge­kommen und einer von uns geworden ist. Das sollen die hören, die in der Bar sagen, “Ich habe Mist gebaut”, die es so gerne ungeschehen machen würden, und die dann noch einen Drink bestellen, weil sie nicht wissen, wohin mit ihrem “Mist”. Die Reue haben sie, aber der Glaube muss dazukommen, denn sonst finden sie keine Vergebung. – Und das gilt für dich bei allem alten und neuen „Mist“, den du mit dir herumschleppst und den dir sonst keiner abnehmen kann.

  1. Zweitens gibt Christus seinen Boten die Mittel mit für ihren Auftrag: Die Taufe und das Lehren. Dadurch werden Menschen zu Jüngern. In beidem ist Gott am Werk, nimmt einen Menschen hinein in den Tod seines Sohnes, begräbt dort seine Sünde, und ruft ihn heraus zu einem neuen Leben.
  2. Das neue Leben aber ist das Leben der Jünger. Wie Jesus zuerst Matthäus und die anderen berufen hat, so beruft er heute in der ganzen Welt Millionen von Menschen durch die Taufe zu seinen Jüngern. Dass sie das aber auch glauben, darum müssen sie gelehrt werden. Denn ohne den Glauben ist die Taufe wie ein Sparbuch in einer abgeschlossenen Schublade ohne Schlüssel. Irgendwann erinnert man sich dann nicht mehr daran, und man hat nichts davon. “Lehren”, das heißt im Neuen Testament vor allem: predigen. In der Predigt erfahren wir, dass wir durch die Taufe schon Gottes Jünger sind. Und wir erfahren, wie ein solcher Jünger leben soll. In der Bereitschaft, zu teilen; Streit zu beenden; zu vergeben. In Reinheit der Ehe.

Das also ist der Auftrag, den die Apostel dort auf dem Berg von Gottes Sohn bekommen. Und sie setzen dann selbst in den jungen Gemeinden Männer ein, die die gleiche Vollmacht erhalten, mit der Zustimmung der Gemeinde und mit ihrem Gebet. Denn dieser Auftrag gilt ja weiter bis an das Ende von Raum und Zeit.

Mit dem Auge auf der Gemeinde sehen wir aber drei weitere Punkte: Der Vollmacht, die er ihnen gibt, entspricht erstens das Gebet und das Opfer der Gemeinde. Den Mitteln, die er ihnen gibt – nämlich Taufe und Predigt – entspricht zweitens der Gebrauch dieser Mittel. Und dem Ziel, dass alle Völker zu Jüngern Jesu werden sollen, entspricht in der Gemeinde das Leben als Jünger.

  1. Der Vollmacht der Apostel entspricht das Gebet und das Opfer der Gemeinde. Der Prediger braucht das Gebet, das ihn trägt. Er ist auf die Opfer der Gemeinde angewiesen. Nicht, als ob sie ihm Zeit opfern, wenn sie am Sonntagmorgen zum Gottesdienst kommen. Denn wer geistlich zuhört, der verliert hier seine Sorgen und seine Schuld und seine Angst, und nimmt dafür Trost und Vergebung und Freude mit. Das ist ja viel besser als das, was er hier zurücklässt. Aber dass die Boten diesen Dienst tun können, dazu braucht es Opfer an Geld. Und wenn es unsere Arbeiter sind, die heute bei uns und anderswo Menschen ganz neu das Evangelium sagen, wenn die Kirche unsere Kirche ist, dann kommt das aus unseren gefalteten Händen und aus unserem Portemonnaie.
  2. Den Mitteln, die Jesus den Aposteln mitgibt, entspricht zweitens in der Gemeinde ihr Gebrauch. Das meint das Taufen und Lehren. Und auch das heilige Abendmahl, denn Christus hat ja seine Jünger gelehrt, dass sie seinen Sieg über Sünde und Tod immer wieder austeilen und empfangen sollen unter seinem Leib und Blut, damit das mit dem leiblichen Essen und Trinken dein Sieg und mein Sieg wird. Ja, liebe Gemeinde, der Gebrauch dieser Mittel gehört zum Auftrag Gottes an seine Kirche dazu. Denn es ist der Gemeindegottesdienst, der ganz normale, regel­mäßige Gemeindegottesdienst, in dem Menschen frei werden von der Herrschaft des Bösen; es ist das Gebet der anderen, das meinen kleinen Glauben nicht absterben, sondern wachsen lässt. Und wir hören auf Gottes Wort nicht nur als einzelne, sondern auch als solche, die dadurch zu einer Gemeinschaft werden, einer Gemeinschaft, in der Gottes Friede regiert und seine Liebe erfahren wird.
  3. Dem Jüngermachen, das den Boten Gottes aufgetragen ist, entspricht schließlich das Leben als Jünger in der Gemeinde. Kein Christ kann alleine Christ sein. Er braucht Vorbilder im Glauben. Das sind auch Vorbilder im Scheitern und Neuanfangen; Vorbilder, die schuldig werden und umkehren. Und ganz platt gesagt: Wir brauchen Menschen, an denen wir lernen zu vergeben. Daran lernen wir, den zu lieben, der es nicht verdient hat. So wie Gott uns liebt. Wir lernen, barmherzig zu sein, wie er es ist. Und die Welt braucht Christen, die als Christen leben; die nach Gottes Willen fragen, die ihr Verhalten und Reden nach ihm ausrichten. Die werden den heiligen Geist auch immer wieder um die rechte Gelegenheit und die rechten Worte zum Reden bitten: Dass durch sie Menschen den Weg in die Kirche finden; dass sie den Schlüssel zu ihrer Taufe bekommen, wenn sie schon getauft sind, und entdecken, was das für ein Wunder ist, zu Gott zu gehören und durch den Tod schon hindurch zu sein; oder dass sie um dieses Wunder bitten und in der Kirche dazu die Lehre und Unterricht bekommen.

Denn siehe, er ist bei uns alle Tage bis an der Welt Ende. Um seinen Auftrag an uns und mit uns zu erfüllen. Er braucht uns dazu nicht. Aber alle Menschen brauchen ihn. Und er will uns dazu gebrauchen. Amen.

(Evangeliumslesung zum vorherigen Sonntag.

Daniel Schmidt, P.)