Gottesdienst und Predigt zum 30.5.2021 (Trinitatisfest, Joh. 3,1-8)

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  • Zuletzt aktualisiert 29. Mai 2021

Gottesdienst und Predigt zum 30.5.2021 (Trinitatisfest, Joh. 3,1-8)

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: “Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.” Jesus antwortete und sprach zu ihm: “Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: “Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.” Nikodemus spricht zu ihm: “Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?” Jesus antwortete: “Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, daß ich dir gesagt habe: Ihr müßt von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.”

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

„Unsere Notaufnahme ... ist über den Haupteingang über den Flur rechts hinter den Fahrstühlen zu erreichen“ – so steht's auf der Internetseite der Klinik in Gifhorn. Gut zu wissen, dass man im Notfall dort auch nachts einen Arzt finden würde.

Von einem, der nachts zu einem „Arzt“ kommt, hören wir in unserem Gotteswort zur Predigt heute. Nikodemus kommt zur Sprechstunde zu Jesus. Er wählt eine Zeit, wo niemand sonst da ist. Und ob ihm das selbst vorher klar ist oder nicht: er kommt als Patient. Als einer, der Hilfe und Heilung braucht. Und der Evangelist Johannes nimmt uns in diese Sprechstunde mit rein. Er zeigt uns, was Nikodemus für ein Mensch ist. Und noch mehr: Wer dieser Jesus ist.

Nikodemus hat vom Grundschulalter an systematisch die Bibel gelesen. Später war er Theologiestudent bei einem Lehrer. Er hat die Regeln gelernt, nach denen einer leben soll, der an den einen wahren Gott glaubt. Und dass man nur so geistlich stark und „gesund“ sein kann. Deshalb hält er sich daran. Er kennt die Worte der Propheten und wartet und betet, dass die letzte Zeit anbricht, wenn Gott seinem Volk den Geist sendet wie einen Frühlingswind, und ihm neues Leben einhaucht.

Dabei leben viele Leute um ihn herum ganz anders. Das lässt Nikodemus keine Ruhe. Und er hat gehört, dass Jesus von Gott lehrt, dass er Blinde wieder sehend macht und Lahme gehen. Das sind für Nikodemus nicht nur Wunder. Das sind Zeichen, dass Gott in diesem Jesus am Werk ist. Diesen Zeichen geht er nach. Er sucht diesen Arzt. Er klopft an. Und zeigt ihm Respekt: „Wir wissen, dass du von Gott kommst. Denn sonst könntest du diese Dinge nicht tun.“ Er ist gespannt auf ein theologisches Fachgespräch. Aber er kann gar nicht weiterreden. Jesus fängt sofort an, über die geistliche Gesundheitssituation zu reden, die von allen Menschen. Ja, er stellt Nikodemus und uns diese Diagnose:

I           Wir leiden alle an einer Herzkrankheit. Einer angeborenen, geistlichen Krankheit.

II          Und er sagt sofort, wie diese Krankheit behandelt und geheilt werden kann.

Was sagt er? Wir leiden alle an einer Herzkrankheit? Nikodemus hat nicht gedacht, dass er selbst besonders krank ist. Er ist jede Woche im Gottesdienst, er hält jeden Tag merhmals seine Andacht. Aber es kommt vor, dass jemand wegen ein bisschen Fieber zum Hausarzt geht, und der stellt etwas viel Ernsteres fest und schickt ihn oder sie sofort zur Operation. Ganz ähnlich sagt Jesus hier: “Du magst das nicht fühlen, aber du hast eine sehr ernste Herzkrankheit. Die ist angeboren. Wenn du die nicht behandeln lässt, wirst du daran sterben.”

Eigentlich sollte Nikodemus das wissen: Dass sich die Sünde von Adam und Eva auf alle ausgebreitet hat; dass Gott nach der großen Flut festgestellt hat: “Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens (das, was der Mensch denkt und will) ist böse von Jugend auf“ (1. Mose 8,21). Unser Herz ist blockiert. Ihm fehlt die vollkommene Liebe zu Gott und zu unseren Mitmenschen. Wer aber den lebendi­gen Gott nicht hat, der die Liebe ist, für der hat den ewigen Tod.

Aber was ist, wenn wir uns gar nicht geistlich „krank“ fühlen? Dann ist das ein weiteres Symptom für diese Krankheit. Denn sie macht uns blind für unsere eigenen Fehler und schwerhörig für die Warnungen unseres Arztes. Aber Gottes Wort ist wie ein Spiegel, wie eine Röntgenaufnahme, auf der der Arzt uns zeigt, wie unser Herz aussieht. Und wer zu ihm in die Sprechstunde kommt – auch hier am Sonntagmorgen –, dem bietet er die Operation an, die für uns lebenswichtig ist.

Das ist der Grund, warum Jesus am Anfang kaum auf Nikodemus eingeht, sondern sozusagen sofort die Tür zum nächsten Raum aufmacht, zum Operations­raum. Wie ein Chefarzt hat Gott der Vater längst alles vorbereitet, was für diese lebensrettende Operation für dich nötig ist. Gott der Sohn hat mit seinem Blut den Preis dafür bezahlt, bevor du überhaupt von ihm gehört hast. Und der heilige Geist war bereit, um dir ein neues Herz einzusetzen.

Ja, du musstest durch den heiligen Geist neugemacht werden. Das heißt, nicht nur ein Teil deines Körpers, sondern deine ganze Person. Damit du eine neue Kreatur wirst. Denn als du von deiner Mutter geboren wurdest, bist du unter der Sünde geboren. Ohne wahre Liebe und wahre Kenntnis Gottes, ohne die gleiche Liebe zu deinem Nächsten wie zu dir selber. Diese Erneuerung aber durch den heiligen Geist, das meint “neu geboren werden” oder, wie wir dieselbe Wendung auch übersetzen können, “von oben geboren werden”, von Gott.

Ein wiedergeborener Christ ist man nicht dadurch, dass man besondere Erlebnisse mit Gott hat, oder dass man selbst eine Entscheidung für Gott getroffen hat. Sondern durch die Taufe mit Wasser und den heiligen Geist. Egal in welchem Alter. Und wir sollen nicht klein-gläubig sein und meinen, das lässt sich nicht erklären, dass Wasser so etwas Großes tut, ganz unabhängig von irgendetwas, das wir dazu tun. Kannst du erklären, wo der Windstoß herkommt, den du gerade spürst? Oder wo er genau hingeht? Aber du zweifelst nicht daran, dass er da ist. Wenn diese drei uns behandeln – der Vater, der Sohn und der Geist Gottes –, dann haben wir allen Grund, ihnen zu vertrauen; nein, ihm zu vertrauen, unserem dreieinigen Gott. Und ihm zu danken, dass wir diese Operation schon bekommen haben. Und dámit haben wir alles, was wir brauchen, um als neue Menschen zu leben, in Liebe und Glauben. Das schließt auch das Gebet für die ein, die auf diesen Arzt und diese Operation noch warten, damit sie sie bekommen, solange noch Zeit ist. Denn diese Operation rettet Leben. In Ewigkeit. Amen.

(Daniel Schmidt, P.)