Besinnung zur Beichte am Reformationstag, 31.10.2020

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  • Erstellungsdatum 31. Oktober 2020
  • Zuletzt aktualisiert 31. Oktober 2020

Besinnung zur Beichte am Reformationstag, 31.10.2020

Reformationstag, 31.10.2020

Epistellesung: Römer 3,21-28

Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, daß er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus. Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.

Mike hat ein Problem. Es ist 7 Uhr morgens, er muss los zu Arbeit, schiebt gerade die Arme in die Jacke, da sieht er sich selbst im Flurspiegel. Seine Mähne steht in alle Richtungen ab. Das tut sie immer. Aber mit einem Mal macht es ihm etwas aus. Schnell ins Bad, die Haare nass gemacht, die Bürste raus: ob sie sich bändigen lassen? Dabei denkt er die ganze Zeit an die neue Kollegin, die vor einer Woche gekommen ist. Die Kleidung ist ihm auch egal, Aber wüst und ungepflegt will er nicht aussehen.

Dabei braucht er den Spiegel ja sonst nicht. Warum ist ihm das eigentlich so wichtig, was die Carina von ihm denkt? Er weiß es selbst nicht. Er weiß nur, die Frage lässt ihn nicht mehr los.

Natürlich, er kann sich an den Anfang in der fünften Klasse erinnern mit der Frage, wie er vor den anderen dastehen würde. Und an den Anfang er Ausbildung.. Und beim Vorstellungsgespräch mit dem Chef. Klar, da wollte er auch einen guten Eindruck machen. Aber weil er den Job wollte. Den hat er seit zwei Jahren. Und es ist ihm längst egal, was der Chef von seinen Klamotten hält. Oder von seinen Haaren.

Wie wir vor anderen dastehen, das hat mit unserer Beziehung zu ihnen zu tun. Ist uns der andere oder die andere wichtig? Ist uns wichtig, was sie von uns halten? Martin Luther war damit aufgewachsen, dass die wichtigste Beziehung, die wir Menschen haben, die zu Gott ist. Dieser Gott aber war für ihn fern. Und vor allem: er war ein zorniger Gott. Luther hat Jahre lang versucht, gut vor ihm dazustehen. Nicht aus Liebe. Sondern aus Angst. Bis er auf den Abschnitt gestoßen ist, den wir gerade aus dem Römerbrief gehört haben.

„Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart.“

Eine Gerechtigkeit, ein Gut-Dastehen ohne Zutun des Gesetzes. Gottes Gesetz ist wie ein Spiegel, den er uns vorhält, in dem wir erkennen, wo wir ihn nicht über alle Dinge gefürchtet, geliebt und vertraut haben; wo wir seinen Namen nicht in allen Nöten angerufen haben, die Fürbitte für unsere Familie und unsere Kollegen vergessen haben; wo wir die Bibel in der Ecke gelassen haben und die Heiligung des Sonntags vernachlässigt haben. Wo wir unseren Nächsten nicht so geliebt haben, wie wir uns ja von Natur zuerst selbst lieben.

Wenn Gott uns schenkt, dass wir uns diesen Spiegel vorhalten lassen, dann kann es nicht anders sein, als dass wir merken: Wir stehen nicht so vor ihm da, wie wir sollen. Wir machen uns nicht besser dadurch, dass wir eine saubere Hose anziehen und die Haare in Ordnung bringen. Nichts, was wir tun, macht uns so, wie wir vor Gott sein sollen und wie wir vor ihm bestehen können.

Aber die gute Nachricht, das Evangelium ist: Gott macht uns gut. Das meint der Satz am Schluss unserer Lesung, in dem Paulus das selbst zusammenfasst:

„So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“

Dass er uns dieses Gut-Dastehen vor ihm, diese Gerechtigkeit schenkt, dazu hat Christus die Beichte eingesetzt. Um sie uns lieb zu machen, lernen es seit Martin Luther Kinder und Erwachsene im Katechismus mit der Frage:

Was ist das Amt der Schlüssel?

Und mit der Antwort: Es ist die besondere Gewalt, die Christus seiner Kirche auf Erden gegeben hat, den bußfertigen Sündern die Sünden zu vergeben, den unbußfertigen aber die Sünden zu behalten, solange sie nicht Buße tun.

 

Wem an dieser wichtigsten Beziehung im Leben liegt, für den ist das die größte Freude. Als Luther das entdeckt hat, da hat er den Choral gedichtet, aus dem wir jetzt die ersten beiden Strophen hören:

1       Nun freut euch, lieben Christen gmein, / und laßt uns fröhlich springen,

daß wir getrost und all in ein / mit Lust und Liebe singen,

was Gott an uns gewendet hat / und seine süße Wundertat;

gar teur hat ers erworben.

 

2    Dem Teufel ich gefangen lag, / im Tod war ich verloren,

mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, / darin ich war geboren.

Ich fiel auch immer tiefer drein, / es war kein Guts am Leben mein,

die Sünd hatt' mich besessen.

 

Nun geht es aber ja nicht nur darum, was wir für einen Eindruck auf Gott machen. Gott ist nicht nur ein Chef, von dem wir eingestellt werden wollen. Er ist nicht ein Kumpel oder Kollege, der uns cool finden soll. Er ist unser Vater und unser Richter.

Dass er es uns schenkt, dass wir so werden, wie er uns haben will, und aus Gnaden, lateinisch „gratis“, das müssen wir deshalb schriftlich haben. So fragt Luther im Katechismus weiter:

Wo steht das geschrieben?

Unser Herr Jesus Christus spricht bei Matthäus im sechzehnten Kapitel zu Petrus: Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein. Desgleichen spricht er zu seinen Jüngern bei Johannes im zwanzigsten Kapitel: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Dazu ist Gottes Sohn in die Welt gekommen. Das war seine Mission: Dass er unsere Schuld, unser Versagen, unsere Not, unser Vergehenmüssen auf sich nimmt, ja, zu seiner macht. Wir hören die fünfte Strophe:

 

5    [Gott] sprach zu seinem lieben Sohn: / “Die Zeit ist hier͜  zu erbarmen;

far hin, meins Herzens werte Kron, / und sei das Heil dem Armen

und hilf ihm aus der Sünden Not, / erwürg für ihn den bittern Tod

und laß ihn mit dir leben.”

Dazu hat Christus die Apostel und nach ihnen die Pastoren eingesetzt, dass sie diese Mission fortsetzen. Damit wir armen Sünder Freiheit und Leben finden. Deshalb lautet die nächste Frage:

Was glaubst du bei diesen Worten?

(Und wir merken, wie Luther uns die Beichte damit ganz lieb machen und uns dazu anleiten will)

Ich glaube, was die berufenen Diener Christi aus seinem göttlichen Befehl mit uns handeln, besonders wenn sie die öffentlichen und unbußfertigen Sünder von der christlichen Gemeinde ausschließen und die, so ihre Sünde bereuen und sich bessern wollen, wiederum entbinden: dass es also kräftig und gewiss sei, auch im Himmel, als handelte es unser lieber Herr Christus mit uns selber.

Das heißt nicht, dass das Gesetz nicht mehr gilt. Es heißt nicht, dass der Spiegel geändert wird, wie das heute mit der Elektronik ja denkbar ist, dass er einem ein Bild zeigt, das schlanker ist, mit weißeren Zähnen und mehr Haaren. Es heißt, dass wir uns nun an Christus halten können. Wer ihn aber hat, der ist eins mit ihm. Dem zeigt der Spiegel, wo wir die Gebote nicht gehalten haben, Gottes Sohn mit seiner Gerechtigkeit. Wir hören die 6. und 7. Strophe:

6    Der Sohn dem Vater g'horsam ward, / er kam zu mir auf Erden

von einer Jungfrau rein und zart; / er sollt' mein Bruder werden.
Gar heimlich führt' er sein Gewalt, / er ging in meiner armen G'stalt,

den Teufel wollt er fangen.

 

7    Er sprach zu mir: “Halt dich an mich, / es soll dir jetzt gelingen;

ich geb mich selber ganz für dich, / da will ich für dich ringen;

denn ich bin dein, und du bist mein, / und wo ich bleib, da sollst du sein,

uns soll der Feind nicht scheiden.

So geht’s nun im Katechismus weiter mit der Frage „Was ist die Beichte?“

Und das ist ganz wichtig. Vor allem ist wichtig, was in der Antwort nicht vorkommt:

Die Beichte begreift zwei Stücke in sich: eins, dass man die Sünde bekenne; das andere, dass man die Absolution oder Vergebung vom Beichtvater empfange als von Gott selbst, und ja nicht daran zweifle, sondern fest glaube, die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel.

Da kommt unsere Wiedergutmachung nicht vor. Natürlich gehört das zu der aufrichtigen Bitte um Vergebung und zur Dankbarkeit dafür dazu, dass ein Christ sich bemüht, den Schaden wieder in Ordnung zu bringen. Aber nicht immer ist das möglich. Vor allem aber: Es ist keine Bedingung. Gottes Vergebung gilt, wo sie dir zugesprochen. Die Wiedergutmachung kommt danach, mit seiner Hilfe. Und wo wir nichts mehr dazu tun können, so, dass er es wieder gut macht.

Gottes Sohn wusste, was ihn diese Wiedergutmachung kosten würde. Aber er hat das gerne auf sich genommen. Es war ihm wichtig. Weil ihm an dir und mir liegt. Weil er uns so lieb hat, dass er will, dass wir ihn auch liebhaben, von Herzen und mit unserem Reden und Tun. Wir hören die 8. Strophe:

8    Vergießen wird er mir mein Blut, / dazu mein Leben rauben;

das leid ich alles dir zugut, / das halt mit festem Glauben.

Den Tod verschlingt das Leben mein, / mein Unschuld trägt die Sünde dein,

da bist du selig worden.

Und nun noch eine ganz praktische Frage, weil die Beichte ja praktiziert werden soll:

Welche Sünden soll man denn beichten?

Vor Gott soll man sich aller Sünden schuldig geben, auch die wir nicht erkennen, wie wir im Vaterunser tun; aber vor dem Beichtvater sollen wir allein die Sünden bekennen, die wir wissen und fühlen im Herzen.

Welche sind die?

Da siehe deinen Stand an nach den zehn Geboten, ob du Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Herr, Frau, Knecht seiest; ob du ungehorsam, untreu, unfleißig gewesen seiest; ob du jemand leid getan habest mit Worten oder Werken; ob du gestohlen, versäumet, verwahrloset, Schaden getan habest.

 

Hier mag man sich die Fragen zu den 10 Geboten im Evangelisch-Lutherischen Kirchengesangbuch ab S. 1170 vornehmen oder eines der Beichtgebete ab S. 253 sprechen, dazu das Vaterunser im Vertrauen auf Gottes Gnade.

(Daniel Schmidt, P.)