Ansprache zum 24.12.2021, Heiligabend (Lukas 2,14 und Krippenspiel)

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  • Zuletzt aktualisiert 24. Dezember 2021

Ansprache zum 24.12.2021, Heiligabend (Lukas 2,14 und Krippenspiel)

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Da haben sie sich also aufgemacht: die gelehrten Männer. Ohne genau zu wissen, was sie zu erwarten haben. Und dann haben sie ein Kind gefunden. In einer Futterkrippe.

Kann es sein, dass wir auch nicht immer genau wissen, was wir von Weihnachten zu erwarten haben?

Sicher, ihr Kinder wusstet, was ihr vom Heiligabendgottesdienst zu erwarten habt. Ihr habt ja das Krippenspiel die ganze Adventszeit geprobt. Aber trotzdem war es bei der Aufnahme am Dienstag ein bisschen spannend, ob das so klappt.

Und wie's Weihnachten zuhause wird, weiß man ja auch nicht immer. Eigentlich wollen wir gern alles schön haben zu Weihnachten. Und genau das ist schwer zu machen. Und für manche gab es in diesem Jahr einiges, was nicht schön war.

Die drei Männer haben gedacht, sie finden den neugeborenen König da, wo alles schön ist. Im Palast von dem König Herodes. Aber da war er nicht. Es war sogar sehr unschön, was Herodes gerufen hat. “Ich bin der König hier!” Er wollte den König mit dem Namen Jesus nicht, von dem er fast nichts wusste. Er wollte keine heilige Nacht, in der Gott auf die Welt kommt. Er wollte keinen Retter für sich und für alle Menschen. Wenn er gehört hätte, warum seitdem Weihnachten gefeiert wird, hätte er gesagt: Er will kein Weihachtsfest haben. (Frage an die Kinder:) Könnt ihr euch das vorstellen? Ein Jahr ohne Weihnachten? Ein ganzes Leben?

Können wir uns das vorstellen? Das hängt vielleicht davon ab, was wir von Weihnachten erwarten. Tannenbaum, Kerzenglanz, Geschenke – das könnte ja alles bleiben. Man könnte es ja “Winterfest” nennen. Aber Weihnachten ohne das kleine Baby, den Sohn von Maria – können wir uns das vorstellen?

Ein Gemeinde in Süddeutschland hat mal für Heiligabend in den Mittelgang ihrer Kirche zehn Mülltonnen gestellt. In allen war Stroh drin. Und es klebten Zettel dran: Hass, Unversöhnlichkeit, Misstrauen, Eifersucht, Geiz. Jeder, der reinkam, sollte seinen “Müll” trennen. Eltern gingen mit ihren Kindern zur ersten Tonne. Sie haben Gott gesagt, sie wollen den Hass aus ihrem Herzen dort lassen. Dann sind sie zur nächsten Tonne gegangen und haben ihm gesagt, dass sie ihre Unversöhnlichkeit ablegen wollen. Eine Familie ist kaum bis vorne zur Krippe gekommen. Die Kinder haben in jede Mülltonne geguckt und sie mussten erklären, was Neid, Eifersucht und Hass sind und was sie mit uns machen. Dass sie uns voneinander trennen, und von Gott.

In der Gemeinde dort gibt es den Brauch der Krippenlegung. Ein Kind bringt eine Puppe nach vorn und legt sie in die Krippe. An dem Heiligen Abend waren es zwei Kinder, beide mit ganz vielen Puppen, und sie haben mit dem Priester zusammen  in jede Tonne oben auf das Stroh eine gelegt und die letzte vorne in die Krippe.

Jesus in einer Mülltonne, das wäre für uns unerwartet. So wie die Krippe für die Herdmann-Kinder in dem Buch, das manche von uns kennen. Die machen zum ersten Mal bei einem Krippenspiel mit. Und sind empört: “Moment, die stecken ein Neugeborenes in eine Futterkiste? In einem dreckigen Stall ohne Heizung? Wo war denn da das Jugendamt?!”

Und sie haben recht. Im Stall ist es nicht sauber. Und nicht schön. Aber genau da kommt Jesus hin. Und wir können ruhig sagen: In unseren Müll. In das, von dem wir uns eigentlich trennen müssten, aber das wir von uns aus nicht loswerden. hässliche Worte, Lügen, Neid, Lieblosigkeit. Dinge, die wir sagen und tun, die für andere nicht gut sind, und die unser Herz vergiften. “Sünde” nennt Gott das in seinem Wort. Und die macht, dass wir einmal draußen sind, wenn die ewige Feier bei Gott anfängt, für immer ohne ihn. Außer wir haben dieses Kind. Denn das kommt in dieser einen Nacht in Bethlehem zur Welt, trinkt bei Maria Milch, lässt sich die Windeln wechseln, weint ein bisschen und schläft und fängt damit etwas an, was wir nie erwarten konnten: Es wird Mensch, um den Müll aus unserem Leben zu räumen. Es wird in der dunklen Nacht geboren, um als Licht in unser Leben zu kommen. Er lässt sich mit dem Tod bedrohen – Herodes wollte ja Jesus gleich umbringen, und am Ende stirbt er am Kreuz –, damit der Tod für uns keine Drohung mehr ist. Damit wir für immer leben, wenn wir ihm glauben.

Er wird draußen vor der Tür der Herberge geboren, in der es zu voll ist für diesen kleinen König, damit er uns die Tür zur himmlischen Herrlichkeit aufmacht. Er lädt dich und mich heute dorthin ein. Er will, dass es dort ganz voll wird. Hast du das erwartet, dass er dich dahin einlädt? Dort werden wir ihn anbeten wie die Hirten an der Futterkrippe, und die weisen Männer. Dort wird es einmal unbeschreiblich schön sein. Willst du dabei sein? Darüber wird sich Gottes Sohn am meisten freuen.

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. Amen.

(Daniel Schmidt, P.)