Andacht zum 1.1.2021 (Jahreswechsel)

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  • Zuletzt aktualisiert 1. Januar 2021

Andacht zum 1.1.2021 (Jahreswechsel)

Andacht zum Jahreswechsel 2020/2021

zum Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“

Diese Andacht ist als Videoaufnahme im YouTube-Kanal der Gemeinde zu finden („SELK – Immanuel – Groß Oesingen“).

Wer möchte, mag sich eine Kerze anzünden und das Gesangbuch bereitlegen für die Lieder. Im Gebet nach der Predigt wird für fünf Gruppen besonders gebetet, dazu könnte jeweils eine weitere Kerze (etwa ein Teelicht) angezündet werden.

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde der Immanuelsgemeinde,

das alte Jahr haben wir in dieser Kirche in den letzten Jahren oft mit einer geistlichen Bläsermusik ausklingen lassen. Mit Chorälen und Instrumental­sätzen, die uns manches aus dem alten Jahr in Erinnerung gerufen und zur Besinnung eingeladen haben. Und am Neujahrstag haben wir mit der Gemeinde hier Gottesdienst gefeiert – nicht alle ganz ausgeschlafen um halb zehn morgens, aber froh, einander das wünschen zu hören: Ein gesegnetes neues Jahr.

Auch das Jahr 2020 schließen wir gemeinsam mit Gebet und Segen im Namen des dreieinigen Gottes, und beginnen das Jahr 2021 genauso. Wir tun es nur nicht in der Kirche, wir tun es in unseren Häusern. Dazu mag diese kleine Andacht helfen.

Wir beginnen sie im Namen des Vaters und des Sohnes + und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied 15,1+3-4+7

1    Gelobet seist du, Jesu Christ, / daß du Mensch geboren bist

von einer Jungfrau, das ist wahr; / des freuet sich der Engel Schar.

3    Den aller Welt Kreis nie beschloß, / der liegt in Marien Schoß;

er ist ein Kindlein worden klein, / der alle Ding erhält allein. Kyrieleis.

4    Das ewig Licht geht da herein, / gibt der Welt ein' neuen Schein;

es leucht' wohl mitten  in der Nacht / und uns des Lichtes Kinder macht. Kyrieleis.

7    Das hat er alles uns getan, / sein groß Lieb zu zeigen an.

Des freu sich alle Christenheit / und dank ihm des in Ewigkeit. Kyrieleis.

Besinnung

Es gibt ein Gedicht von Dietrich Bonhoeffer, das gern zum, Jahreswechsel gesungen wird. Das fängt mit einem schönen Gedanken an: „Von guten Mächten treu und still umgeben“ – irgendwie tut das gut; dieser Gedanke, dass „gute Mächte“ einen umgeben. „Treu und still.“ Als ob sie einfach da sind, egal, ob man sich sonst als religiöse oder nicht-religiös bezeichnet oder als irgendetwas dazwischen:

1    Von guten Mächten treu und still umgeben, / behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben / und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Besinnung

Dietrich Bonhoeffer aber hat bei diesen Zeilen an ganz bestimmte Mächte gedacht. An die Boten und Einsatzkräfte des dreieinigen Gottes, an seine Engel. Allen voran vielleicht Gabriel, dessen Name „der Starke Gottes“ bedeutet, einer der Anführer der Engel, der in den Monaten vor der Geburt Jesu zweimal von Gott mit einer Botschaft zu Menschen geschickt wird.

Von diesen göttlichen Einsatzkräften weiß sich Dietrich Bonhoeffer 1944 umgeben, als er kurz vor Weihnachten im Gefängnis diese Strophen dichtet. Treu sind sie: Wer Gott vertraut, den verlassen sie nicht in der Not. Und sie sind still: sie lassen das Herz still werden, wenn vor der Zellentür im Gefängniskeller die Stiefel der Wachen dröhnen, wenn die Schreie der Gefolterten durch die Mauern dringen.

In dieser Gewissheit weiß er sich behütet und getröstet. Und er, der Gefangene der Nazis, tröstet mit diesen Zeilen seine Verlobte und seine Familie, denen er sie in einem Brief schickt.

Hier redet ein Christ zu anderen. Einer, der das Weihnachtsfest nicht mit seinen Lieben verbringen kann. Einer, der den Tod vor Augen hat.

Es muss einem nicht gut gehen, damit man andere trösten kann. Man muss nicht das Ende der Not sehen, um getrost zu sein. Es gibt Situationen, die sind stärker als wir. Aber sie sind nicht stärker als die Einsatzkräfte des lebendigen Gottes, die er zu unserem Schutz losschickt.

Ich weiß nicht, wie es dir 2020 ergangen ist. Leicht war es wohl für keinen von uns. Die Sorge vor einer Ansteckung mit dem neuen Corona-Virus hat uns Tag für Tag begleitet. Manche hat es wirtschaftlich hart getroffen. Manche sind mit dem Lernen über das Internet nicht mitgekommen. Manchen hat die menschliche Nähe gefehlt. Und einige haben es nicht ausgehalten, wochenlang mit denselben Menschen so dicht zusammenzuleben. Im Moment werden so viele Covid19-Patienten auf Intensiv-Stationen behandelt wie kaum vorher in unserem Land. Ein Freund hat am Dienstag auf Facebook geschrieben, dass sein Vater daran gestorben ist. Ich habe ihn gekannt.

Was aber macht uns so unruhig als Gesellschaft? Ist es das Gefühl, dass wir über die Situation keine Kontrolle haben?

Wir haben dieses Jahr im Namen des dreieinigen Gottes begonnen. In seine Hand legen wir es zurück. Mit aller Sorge und Angst. Mit dem, was unvollkommen geblieben ist. Mit dem, was schiefgelaufen ist in unseren Beziehungen. Mit den Worten, die besser nicht gesagt worden wären und die wir nicht wieder zurückholen können. Mit allem, wo uns unser Gewissen anklagt.

Noch will das alte Jahr uns damit quälen, schreibt Bonhoeffer weiter. Noch drückt uns das als böse Last. Wie gut, dass wir's abgeben können an den, der da ist und der da war und der da kommt. Der uns und unser Leben heil macht.

2  Noch will das alte unsre Herzen quälen, /      noch drückt uns böser Tage schwere Last. /         Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen / das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Besinnung

Die schwere Last des Bösen, das ist für Bonhoeffer das brutale System der Nationalsozialisten, der Prozess, mit dem er rechnen muss, seitdem sie Unterlagen gefunden haben, die ihn belasten. Darin aber zeigt sich das Böse, das in der Welt am Wirken ist. Vor zwei Tagen haben die „Reporter ohne Grenzen“ berichtet, dass in dem Jahr, das zuendegeht, weltweit 50 Journalisten getötet worden sind, die meisten, weil sie dem Unrecht auf der Spur waren.

Bonhoeffer aber redet in diesen Zeilen nicht von bösen „Mächten“. Es ist, als ob er den brutalen Menschen, den Bomben des Weltkriegs und dem, was die Gesundheit kaputtmacht, das nicht zugestehen will – sie haben nicht die letzte Macht über den, der in der Hand des allmächtigen Gottes ist.

Ja, auch seine Seele ist aufgeschreckt. Er kann das nicht abschalten. Er kann sich nicht in seinem eigenen Inneren verkriechen. Er flüchtet sich auch nicht in ein „besseres Jenseits“. Er sucht Gottes Heil.

Das ist die tägliche Vergebung, die alles ausräumt, was uns von Gott trennt. Das ist der Friede, der nicht nur höher ist als alle vernünftigen Gedanken, die die vorhandene Bedrohung realistisch sehen; der Friede, der die Erlösung ist von der Macht des Bösen. Dafür hat Gott uns neu geschaffen in unserer heiligen Taufe – dass wir diesen Frieden erben. Nicht irgendwann einmal in einem „Jenseits“, sondern in dieser Welt und in der Zeit, die wir erleben.

 

3  Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern / des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, /   so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern /          aus deiner guten und geliebten Hand.

 

Besinnung

Bei diesen Worten fällt's mir schwer mitzusprechen. Hat nicht Jesus selbst vor seinem Tod den Vater im Himmel angefleht, dass er den bitteren Kelch nicht trinken muss? Hat er nicht Blut geschwitzt dabei?

Ich kann's nur so verstehen, dass wir Bonhoeffer hier hören, wie er sich in Gottes Willen hineinbetet. Er glaubt, dass auch in dem Schlimmsten, was uns passieren kann, Gottes guter gnädiger Wille geschieht.

Bonhoeffer kann im Gefängnis keine Pläne für das neue Jahr machen. Wir haben in dem Jahr, das jetzt vergangen ist, ständig die Erfahrung gemacht, dass sich ganz viele Pläne geändert haben. „Der Mensch denkt und Gott lenkt“ – das ist eine gute Erinnerung auch in normalen Jahren. Nicht nur, damit wir unser Leben nicht ohne Gott einrichten. Denn dann lenkt uns ein anderer. Und der meint es nicht gut mit uns. Nicht hier und nicht in Ewigkeit. Sondern weil der zweite Teil dieses Satzes ein starker Trost ist: Gott lenkt! Ja, gerade wo die Angst näher zu sein scheint als der Glaube: Nicht ein Virus entscheidet über unser Leben, nicht ein Impfstoff oder eine hoffentlich erreichbare, hohe Immunität in der Gesellschaft. Sondern Gott.

 

4  Doch willst du uns noch einmal Freude schenken / an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, / dann wolln wir des Vergangenen gedenken, /          und dann gehört dir unser Leben ganz.

Besinnung
Bonhoeffer weiß, dass es viel Schönes in dieser Welt gibt. Das Böse und die Vergänglichkeit heben das nicht auf. Gott kann die gegenwärtige Bedrohung beenden, er kann ihn auch darin bewahren und hindurchretten. Beides traut Bonhoeffer ihm zu, beides liegt in Gottes Hand.

Das gilt auch für uns. Gott kann einem Virus einen Strich durch die Rechnung machen. Er kann den Grips und die Arbeit vieler Menschen dazu gebrauchen, und die Abwehrkräfte in unserem Körper, die ein Impfstoff mobilisiert. Was er im neuen Jahr für jeden einzelnen von uns vorhat, wissen wir nicht. Aber welche Freude, jeden Tag mit dem zu beginnen, der uns unbegrenzt liebhat; mit ihm an die Arbeit zu gehen und in die Freizeit, und, wenn es sein soll, dieses Leben loszulassen für das bessere bei ihm – „und dann gehört dir unser Leben ganz.“

5  Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, /    die du in unsre Dunkelheit gebracht, / führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. / Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

 

Besinnung

Gottes Licht scheint in der Nacht – Bonhoeffer hat dieses Gedicht, das nach seinem Tod mehrfach vertont wurde, vor dem 19. Dezember 1944 geschrie­ ben. Er schreibt im Glauben. Das Licht, das die Hirten auf den Feldern von Bethlehem sehen, der Stern, der die weisen Männer aus dem Ausland zu dem mensch­ gewordenen Sohn Gottes führt und über dem Haus in Bethlehem stehenbleibt – dieses Licht scheint für jeden, der an dieses Kind glaubt, der glaubt, dass es gekommen ist, um sein Leben für uns zu geben. Damit wir nicht länger allein sind, gott-los, sondern mit Gott leben und er mit uns.

 

6  Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, / so lass uns hören jenen vollen Klang / der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, / all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Besinnung
Die erste Stunde des neuen Jahres war seit Jahrzehnten wohl kaum so still wie dieses Mal, wo es keinen Feuerwerksverkauf gab und an vielen öffentlichen Stellen keine Raketen gezündet werden durften. Hörst du in solcher Stille den „vollen Klang der Welt, die sich unsichtbar um uns weitet“? Das sind die Einsatzkräfte Gottes, die heiligen Engel, die ihn dafür preisen, dass sein Wille an uns und für uns geschieht, zu unserer Rettung. Da macht es nichts, wie schwach unser Gesang klingt verteilt in unseren Häusern. Da singen sie mit zum Auftakt für ein gesegnetes Jahr des Herrn 2021.

7  Von guten Mächten wunderbar geborgen, / erwarten wir getrost, was kommen mag. / Gott ist bei uns am Abend und am Morgen / und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Gebet

in 5 Teilen (dazu kann jeweils eine kleine Kerze angezündet werden):

(1) Wir denken an die Menschen, die im vergangenen Jahr ihre Arbeit oder ihr Einkommen verloren haben; die mit ihrer Arbeit kaum das erwirtschaften konnten, was sie zum Leben brauchen; wir beten für die Langzeitarbeits­ losen; die Obdachlosen in unseren Städten; die Flüchtlinge, die dieses Jahr auf dem Weg über und um das Mittelmeer alles zurückgelassen haben, und die, die dabei ums Leben gekommen sind:

      Wir zünden eine Kerze an für die Armen in dieser Welt.

(2) Wir denken an die Menschen, die schwer krank sind; an die; die, die den Tod vor sich sehen; wir beten für diejenigen unter uns, die Gott als nächste aus diesem Leben rufen wird, und wir denken an die größte Not: im Tod ohne den Sohn Gottes zu sein, der allein die Angst überwinden und vom ewigen Tod retten kann.

      Wir zünden eine Kerze an für die, die die Macht des Todes erfahren.

(3) Wir denken an die, die in diesen Monaten ganz viel geben als Pflegekräfte und Ärzte, in der Forschung und in der Politik, um die Ausbreitung der Pandemie zu verhindern; an die Lehrer an den Schulen, in der Berufsausbildung und an den Universitäten, die den Lehrbetrieb und schwierigen Bedingungen weiter­ führen, an die Erzieherinnen in den Kindertagesstätten und an die Mitarbeiter in der Diakonie:

Wir zünden eine Kerze an für die, die ihre Kraft geben zum Schutz und zur Rettung aller.

(4) Wir denken an die, die im vergangenen Jahr vereinsamt sind, denen die menschlichen Kontakte fehlen; an die, die nicht zu ihren Angehörigen können; an die Jungen und Älteren, die keine Freunde haben; an die Kinder, deren Eltern sich getrennt haben, und an die, die das Zerbrechen einer Liebesbeziehung erleiden, an die, die wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt werden und getrennt sind von ihren Familien und Gemeinden.

      Wir zünden eine Kerze an für die einsamen Menschen.

(5) Wir denken an die Kirchenleitungen, die Pastoren und alle Mitarbeiter, die Trost geben sollen und ihn selbst nötig haben, die Verantwortung haben für Gottesdienste, aber auch für den Schutz der Menschen, die zusammenkommen; die den Auftrag haben, das Wort zu verkündigen und die Sakramente zu spenden.

      Wir zünden eine Kerze an für Gottes Mitarbeiter in seinem Reich.

Lieber himmlischer Vater,

wir legen in deine Hand, wo wir im alten Jahr versagt haben und wo wir schuldig geworden sind: Vergib uns.

Wir bitten für die, denen wir Unrecht getan haben, und denen wir Unrecht getan haben: Gib uns, dass wir einander vergeben.

Wir bitten dich, nimm in deine Hand, was uns am Übergang vom alten zum neuen Jahr belastet.

Gib Gelingen zu unserer Arbeit im Jahr 2021 und Segen zu den Beziehungen, die du uns gibst.

Gib uns Vertrauen auf deine Leitung, gib zu jedem neuen Tag Freude und die Zuversicht aus dem Vertrauen auf dich, und lass ihn ein Wegstück sein hin zu deiner herrlichen Ewigkeit.

Gib uns Ohren, die auf dich hören, dass wir unsere Entscheidungen mit dir treffen, und ein Herz, das dir gerne folgt, dass uns nichts wichtiger wird als du, unser Herr und Erlöser.

Für uns selbst und für diese Welt beten wir gemeinsam:

Vaterunser

Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott,

der Vater, der Sohn + und der Heilige Geist.

Lied 17,1-6

1    Vom Himmel kam der Engel Schar, / erschien den Hirten offenbar;

sie  sagten ihn': “Ein Kindlein zart / das liegt dort in der Krippen hart

2    zu Bethlehem in Davids Stadt, / wie Micha das verkündet hat,

es ist der Herre Jesus Christ, / der euer aller Heiland ist.”

3    Des sollt ihr billig fröhlich sein, / daß Gott mit euch ist worden ein;

er ist geborn eur Fleisch und Blut, / eur Bruder ist das ewig Gut.

4    Was kann euch tun die Sünd und Tod? / Ihr habt mit euch den wahren Gott;

laßt zürnen Teufel und die Höll, / Gotts Sohn ist worden eur Gesell.

5    Er will und kann euch lassen nicht, / setzt ihr auf ihn eur Zuversicht;

es mögen euch viel fechten an: / dem sei Trotz, ders nicht lassen kann.

6    Zuletzt müßt ihr doch haben recht, / ihr seid nun worden Gotts Geschlecht.

Des danket Gott in Ewigkeit, / geduldig, fröhlich allezeit.