Gottesdienst zum 9.5.2021 (Daniel 9,4-5+16-19)

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  • Zuletzt aktualisiert 8. Mai 2021

Gottesdienst zum 9.5.2021 (Daniel 9,4-5+16-19)

Sonntag Rogate, 9.5.2021 

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes + und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet Himmlischer Vater, wir kommen zu dir aus der Woche, die hinter uns liegt. Was uns belastet an Sorge und Schuld, das nimm du uns ab. Was uns ablenken will, das lass zur Ruhe kommen, lenke unsere Herzen auf dich und das, was du an uns tust in diesem Gottesdienst, durch Jesus Christus, unseren Erlöser. Amen.

Hauptlied: 105,1+5-6+8+13

1     Zieh ein zu deinen Toren, / sei meines Herzens Gast, / der du, da ich geboren, / mich neu geboren hast, / o hochgeliebter Geist / des Vaters und des Sohnes, / mit beiden gleiches Thrones, / mit beiden gleich gepreist.

5     Du bist ein Geist, der lehret, / wie man recht beten soll; / dein Beten wird erhöret, / dein Singen klinget wohl, / es steigt zum Himmel an, / es läßt nicht ab und dringet, / bis der die Hilfe bringet, / der allen helfen kann.

6     Du bist ein Geist der Freuden, / von Trauern hältst du nicht, / erleuchtest uns im Leiden / mit deines Trostes Licht. / Ach ja, wie manches Mal / hast du mit süßen Worten / mir aufgetan die Pforten / zum güldnen Freudensaal.

8     Du, Herr, hast selbst in Händen / die ganze weite Welt, / kannst Menschenherzen wenden, / wie dir es wohlgefällt; / so gibt doch deine Gnad / zu Fried und Liebesbanden, / verknüpf in allen Landen, / was sich getrennet hat.

13   Richt unser ganzes Leben / allzeit nach deinem Sinn; / und wenn wirs sollen geben / ins's Todes Rachen hin, / wenns mit uns hier wird aus, / so hilf uns fröhlich sterben / und nach dem Tod ererben / des ewgen Lebens Haus.

 

Evangelium: Lukas 11,5-13

Als Jesus seinen Jüngern das Vaterunser als Gebet gab, sprach er zu ihnen:

Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf.Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange? Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

 

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, unseren Herrn, der empfangen ist vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes + und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Der Prophet Daniel schreibt: Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.

Ich betete zu meinem Gott, dem Herrn, bekannte meine Schuld und sagte: »Ach Herr, du großer und furchterregender Gott! Du stehst zu deinem Bund und schenkst denen Gnade, die dich lieben und deine Gebote einhalten. Wir haben Sünden begangen und Unrecht getan, wir sind treulos gewesen und haben uns gegen dich aufgelehnt. Von deinen Geboten und Vorschriften sind wir abgewichen. […] Herr, du bist gerecht, darum sei nicht mehr zornig! Sei nicht mehr zornig auf deine Stadt, auf Jerusalem, deinen heiligen Berg! Wir haben Sünden begangen und unsere Väter haben Schuld auf sich geladen. So sind Jerusalem und dein Volk zum Gespött geworden für alle, die rings um uns wohnen. Darum, unser Gott, höre jetzt das Gebet deines Knechtes und seine Bitte. Lass dein Angesicht leuchten über deinem Heiligtum, auch um deiner selbst willen, Herr. Mein Gott, verschließe deine Ohren nicht! Öffne deine Augen und sieh auf die Trümmer Jerusalems! Sieh auf die Stadt, die dir gehört. Wir wenden uns mit unseren Bitten an dich – nicht, weil wir gerecht gehandelt hätten, sondern im Vertrauen auf dein großes Erbarmen. Herr, höre doch! Herr, vergib! Hör aufmerksam zu, Herr, und handle! Zögere nicht, mein Gott, um deiner selbst willen! Denn die Stadt und das Volk gehören doch dir.« (Daniel 9,4-5+16-19)

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Im Mai 1944, vor 77 Jahren, schlug in den Berliner Dom eine amerikanische Fliegerbombe ein. Der Dom brannte aus. Jahrzehntelang stand er als Ruine mitten in der Stadt. Vier Tage später predigte der damalige Domprediger Bruno Doering in einer Gruft unter der Kirche. Er stellte die Frage, warum Gott das zugelassen hat, dass dieses geweihte Gotteshaus getroffen und zerstört wird. Aber dann ermahnte er die Gemeinde: „Sich mit dem quälenden 'Warum?' abzugeben ist zwecklos. Je öfter der Mensch stöhnt, um so ohnmächtiger wird er.“

Wir stöhnen, wenn eine Situation nicht mehr auszuhalten ist. Wenn es einfach für das seelische Gleichgewicht fehlt, abends mal mit mehreren Leuten bei einem schönen Bier oder einem Glas Wein bis um halb zwölf zu sitzen. Wenn der Faden unserer Dauer-Geduld dünn gescheuert ist von home school und home office und geschlossenen Kindergärten und Restaurants. Stöhnen aber hilft nichts. Es ist eigentlich ein Zeichen unserer Ohnmacht.

Ohnmächtig, so fühlte sich der Prophet Daniel in Babylonien, vor 1600 Jahren. Nicht in seinem Job – er hatte eine erstaunliche Karriere gemacht, gehörte drei Regierungen nacheinander an und war dem obersten Politiker jedesmal direkt verantwortlich. Aber Beruf und Karriere sind nicht alles für ihn. Er hat es so weit gebracht, weil Gott ihm Gaben gegeben hat. Weil Gott ihn an der Stelle haben wollte. Daniel aber denkt an die Gemeinde, zu der er gehört. Das ist die Gemeinde des Volkes Gottes. Die Stadt Jerusalem ist zerstört wie Berlin im zweiten Weltkrieg, der Tempel eine Ruine wie der Berliner Dom. Daniel könnte stöhnendarüber – aber was tut er? Er klagt.

Er klagt nicht Gott an. Dazu hat er keinen Grund. Er klagt so, wie es gut biblisch und geistlich ist. Er spricht das alles vor Gott aus – und wenn dabei Tränen fließen, dann gehört das dazu. Eins aber weiß er: Der Tempel eignet sich nicht mehr dazu, dass man stolz auf ihn ist. Wie der Berliner Dom sich nicht mehr als Symbol für eine wohlhabende, mit dem preußischen Staat einst eng verbundene Kirche eignete; aber eben auch nicht mehr die große Kulisse war, für die die National­sozialisten ihn benutzt hatten.

Klagen heißt: nichts mehr beschönigen. Daniel weiß – und das macht ihn eigentlich zu einem Propheten, einem, der die Gegenwart von Gott her deutet: sein Volk hat sich seinen Weg ohne Gott gesucht. Deshalb hat Gott zugelassen, was ihm ja selber weh tut, dass der Tempel zerstört und geplündert wird. Dass es dort seitdem keine Opfergottesdienste mehr gibt, keine Musikfeste mit -zig Chören, dass Menschen ihn dort nicht mehr finden, obwohl er doch seine „Präsenz“ dort zuge­sagt hat. Daniel klagt. Er spricht schonungslos aus, wie die Situation ist und warum:

„Wir haben Sünden begangen und Unrecht getan, wir sind treulos gewesen und haben uns gegen dich aufgelehnt. Von deinen Geboten und Vorschriften sind wir abgewichen.“

Aber Daniel bleibt nicht an dem hängen, was er und sein Volk verkehrt gemacht haben. Daniels Klage ist ein Gebet. Ein Gebet ist ein Gespräch mit Gott. Ein Reden mit ihm. Und ein Hören auf ihn. Nein, eigentlich umgekehrt – erst das Hören und dann das Reden.

Und was wir von seinem Hören erfahren, ist eine Überraschung: „Herr, du bist gerecht, darum sei nicht mehr zornig. Sei nicht mehr zornig auf deine Stadt, auf Jerusalem, deinen heiligen Berg“ (also den Tempelberg)!“ Man könnte denken, er meint, „du bist gerecht, du darfst uns nicht länger aussperren aus unserem Land und aus deinem Haus.“ Aber wer von uns könnte sich hinstellen und sagen: „Lieber Gott, eigentlich bin ich ganz in Ordnung, deshalb mach jetzt bitte, worum ich dich bitte“? Das wäre ein Vertrauen auf unsere eigene Gerechtigkeit. Und die ist wie Schweizer Käse, wie Paulus im Römerbrief zeigt: es gibt sie nicht ohne Löcher.

Nein, Daniel hat vom Hören auf Gottes Wort, vom Lesen der heiligen Schriften gelernt, was das ist: Gott ist gerecht. Das heißt: Er ist die Gerechtigkeit in Person. Der einzige in dieser Welt, wo wir die Gerechtigkeit finden, die so nötig ist, nach der wir uns selbst oft sehnen. Und wenn er der eine, wahre Gott für die ganze Welt ist, dann will er ja Gerechtigkeit in dieser Welt. Dass Menschen so miteinander umgehen wie er mit uns, gut und friedlich. Aber das kann ja gar nicht anders gehen, als dass wir diese Gerechtigkeit bei ihm holen und bekommen. Dass der, der zu Gott umkehrt, weil er nicht so ist, einen Neuanfang bekommt.

„Darum, unser Gott, höre jetzt das Gebet deines Knechtes und seine Bitte. Lass dein Angesicht leuchten über deinem Heiligtum, auch um deiner selbst willen,“

– damit die Menschen sehen, dass du unsere Umkehr zu dir willst, und nicht, dass wir ohne Hilfe und Rettung mit dieser Welt untergehen.

„Herr. Mein Gott, verschließe deine Ohren nicht! Öffne deine Augen und sieh auf die Trümmer Jerusalems! Sieh auf die Stadt, die dir gehört. Wir wenden uns mit unseren Bitten an dich – nicht, weil wir gerecht gehandelt hätten, sondern im Vertrauen auf dein großes Erbarmen. Herr, höre doch! Herr, vergib! Hör aufmerksam zu, Herr, und handle! Zögere nicht, mein Gott, um deiner selbst willen! Denn die Stadt und das Volk gehören doch dir.«

Was für ein Gebet, liebe Gemeinde, und eins, das Gott gehört hat. 70 Jahre später war das Volk Israel zurück in Jerusalem und hatte von höchster politischer Stelle den Auftrag zum Wiederaufbau. In den 1980er Jahren kam von der DDR-Regierung der Anstoß zum Wiederaufbau des Berliner Doms, und 1993 wurde er neu geweiht. Auch darum haben sicher manche gebetet, gerade damals im sozialistischen Staat. Aber nicht um Gebäude geht es, sondern um das, was das Gebet bewirkt.

Denn was heißt beten? Heißt das, die Finger zusammenzuschieben und dann so eine Art Gedicht aufzusagen, in dem Gott vorkommt? Ist das eigentlich ein Selbstgespräch, nach dem man sich vielleicht etwas besser fühlt? Nein. Beten ist keine Einbahnstraße. Gott hört es, ob das ein auswendig gelerntes Gebet ist oder ob du so mit ihm redest, wie dein Schnabel gewachsen ist. Ob du ihm einfach sagen willst, „danke, lieber Gott“. Oder ob du ihm etwas zu klagen hast. Verlass dich nur auf ihn, dass er schon längst das tun will, was für dich am besten ist. Muss man beten erst lernen? Ach, ein Kind lernt doch, mit den Eltern zu reden, weil die Eltern schon die ganze Zeit für es da sind. Aber getan werden will es, das Beten. Denn Hören auf Gott und Reden mit Gott gehört zusammen, und Reden und Erhörtwerden. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus + zum ewigen Leben. Amen.

 

Allgemeines Kirchengebet

Wir bitten dich, allmächtiger Gott, um Einigkeit in der Wahrheit und für Klarheit in den Worten ihrer Bischöfe und Hirten;  wir bitten dich für unsere Kirche und unsere Schwesterkirchen, für die Lutherische Kirchenmission und für die christlichen Kirchen, mit denen wir in unserer Umgebung verbunden sind, dass dein Reich komme durch ihre Verkündigung und ihr Tun.

Wir bitten dich, gib Mut zum Bekenntnis, setze der Macht des Bösen eine Grenze, heile du, wo Menschen solches erleiden. Gib, dass die, die Macht haben, bereit sind zur Rechenschaft vor dir und sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen.

Wir bitten dich, Herr, um Arbeit für alle, die arbeiten können, und um ein Auskommen auch für die, die keine Arbeit haben. Wir bitten dich für die Landwirte, dass sie mit ihrer Arbeit in diesem Jahr das nötige Einkommen erwirtschaften können, durch Jesus Christus, unsern Herrn.

Wir beten mit dem Blick auf die Ereignisse, die uns täglich beschäftigen:

Himmlischer Vater, wir bitten dich um Schutz vor allem, was das Leben bedroht, dass wir darin das Vertrauen auf dich nicht verlieren; um die Freiheit, Gottesdienst zu feiern;

für die, die krank sind und einsam, die Schmerzen leiden, um die Gewissheit, dass nichts sie von deiner Liebe trennen kann;

dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und sie gerettet werden, zur Ehre unseres Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Vaterunser

 

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns + und gebe uns seinen Frieden. Amen.

 

 

Abkündigungen

Dienstag, 19:30 h: Besprechung mit Suche nach Alternativen zur Kinderfreizeit (im Großen Gemeindesaal)

Mittwoch, 18:00 h: Gemeindegebet

Donnerstag, Tag der Himmelfahrt Christi, 13.5., 9:30 h Predigtgottesdienst

Sonntag Exaudi, 16.5., 9:30 h, Predigtgottesdienst mit Christenlehre.

Vom 14. bis zum 21. Mai (Freitag bis Freitag) laden wir täglich um 18 Uhr zu einer etwa 15minütigen Andacht in der Kirche ein mit Gebet für die Einheit der Christen. Die Andacht wird jeden Abend von einer anderen Familie oder Gruppe übernommen.

Wir legen die Kollekte heute für die Aufgaben und Verpflichtungen unserer Gemeinde zusammen. Gott der Herr segne Geber und Gaben.

Wochenspruch: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ (Ps 66,20)

 

 

Allen eine gesegnete Woche!