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  • Erstellungsdatum 21. Juni 2020
  • Zuletzt aktualisiert 21. Juni 2020

Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

eine junge Frau erbt ein Haus. Ihr Onkel war alleinstehend. Die Räume sind schon ausgeräumt. Aber im Keller stößt sie auf einen kleinen Tresor. In einer Ecke, fest im Betonboden verankert. Aber ein Schlüssel ist nirgendwo zu sehen.

Sie holt einen Schlüsseldienst. Experten für Sicherheitsschlüssel, Zahlen­ schlösser, elektronische Schlösser. Aber sie kriegen den Tresor nicht auf. Die Tür ist wie von innen zugeschweißt. Als sie wegfahren, steht der achtjährige Mike aus dem Nachbarhaus auf der Treppe. Und sagt, “da kommt man kinderleicht ran an das, was da drin ist.“Das hat der Onkel ihm erzählt. Mehr weißer auch nicht. Doch nun fällt ihr eine schmale Lücke auf zwischen der Wand und dem Tresor. Jetzt muss ihr Mike helfen. Und tatsächlich, er kann seinen dünnen Arm bis nach hinten schieben. Und hinten ist der Tresor offen. Man muss nur hineingreifen.

Um einen Schatz, an den die Experten nicht rankommen mit all ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung, geht es in dem, was Jesus hier im 11. Kapitel bei Matthäus sagt. Es ist der Schatz, mit dem er die 12 Jünger kurz vorher losgeschickt hat, zunächst zu ihrem eigenen Volk. “Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen”, das ist ihre Botschaft. Und sie sollen Kranke gesund machen, Tote auferwecken, böse Geister austreiben. Jesus hat hier die im Blick, denen kein Mensch helfen konnte. Und wenn die Apostel vom Himmelreich reden, dann haben sie es mit denen zu tun, die die Experten dafür sind: den Schriftgelehrten, die jahrelang studiert haben, und den Pharisäern, die alles tun, um da hineinzukommen.

Dass es da um einen Schatz geht, das ahnen alle, die von diesem Gott gehört haben. Es gibt bei ihnen eine Sehnsucht nach einer neuen Zeit, in der Armut und Krankheit ein Ende hat. Eine Sehnsucht nach Gerechtigkeit, ja, heilig zu sein, frei von dieser Unentrinnbarkeit, dass wir auch beim besten Willen an Gott und aneinander schuldig werden. Und eine Sehnsucht danach, dass Gott uns kein schweres Joch auflegt mit den Regeln, wie wir leben und nicht leben sollen. Denn das Joch, das die Pharisäer einem mit ihren vielen Regeln auflegen, kann keiner im Alltag tragen. Ja, kommen diedamit überhaupt an Gottes Schatz ran?

Nein, sagt Jesus, mit aller Anstrengung kommt ihr da nicht ran. Und preist seinen Vater im Himmel, der es so eingerichtet hat. Die Botschaft der Apostel, die wir haben, ist ganz einfach: Der Tresor ist nicht mehr verschlossen. Seitdem Jesus öffentlich auf Golgatha ans Kreuz gehängt wurde, seitdem er gestorben und auferstanden ist, seitdem das öffentlich gepredigt wird, ist dieser Schatz offen da für alle Menschen. Man muss nur hineingreifen. Wie ein Kind, das von Sicherheits­ systemen nichts weißund einfach zugreift. Das meint er mit den “Unmündigen”, denen Gott das offenbart. Das hat nichts mit “Entmündigung”zu tun. Sondern es heißt einfach, dass wir Gottes Kindersind. Nicht seine Kollegen und nicht seine Kumpel. Und wie ein Kind, das seinem Vater oder seiner Mutter vertraut, soll ich ihm vertrauen, dass er mir gibt, was gut für mich ist, ohne Vorbedingung.

Und das gilt auch von dem Joch, von dem Jesus spricht. Er sagt nicht, dass ein Leben mit ihm immer leicht ist. Dass unser Leben eigentlich unbeschwert sein müsste und ein ständiges Fest, das ist ein Märchen, vielleicht vor allem ein modernes Märchen. Ein Joch hat jeder zu tragen, und wenn es das Joch ist der Vergänglichkeit. Und dass ein Leben ohne Regeln besser ist, ist auch ein Märchen. Ohne Regeln gibt es kein Zusammenleben. Aber bei Kindern kann man Momente erleben, wo sie beim Kartoffelschälen oder beim Unkrautjäten gerne mitmachen, weil sie dann etwas mit der Mama oder dem Opa zusammen machen können. So sind Gottes Regeln für den, der Gottes Kind ist: Ein Ruf, etwas mit ihm zusammen zu machen; nicht zuerst zu fragen, was für ein Leben für michgut ist, sondern gut für den anderen; das in mir zurückzuhalten, was dem andern schaden würde –seinem Ruf, seinem Besitz, seiner Anerkennung. Ein Ruf, es so zu machen wie mein Vater m Himmel, wenn er mir Gutes gibt und ich Gelegenheit habe, das weiterzugeben.

Lernen sollen wir von ihm, sagt Jesus, und damit wendet er sich von seinem Vater zu uns, und aus dem Gebet wird eine Einladung: Er ist sanftmütig und von Herzen demütig. Er ist nicht hochmütig und nicht stolz. Sonst würde er ja nicht zu mir einfachem Menschen kommen, sonst würde er einen Sünder wie mich nicht zu sich einladen. Sonst würde er nicht im “Pflegedienst“an mir arbeiten, an meiner “Reha”, wenn ich von ihm Vergebung bekommen habe und er meine Liebe zu anderen wieder herstellen willt. Sonst würde er nicht geduldig mit mir üben wie eine Krankengymnastin, wenn es darum geht, meinen Mitmenschen zu ertragen, mein neues Herz zu gebrauchen, indem ich als sein Kind lebe.

Noch einmal: dass das immer einfach wird, sagt er nicht. Aber es heißt in Psalm 68 (Vers 20): “Er legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch”. So lasst uns seinJoch auf uns nehmen. Dann ist es nicht einfach vorbei mit Frustration und enttäuschten Beziehungen und Geldsorgen, und die Arbeit macht auch nicht immer Spaß. Und wenn einer als Christ lebt, schwimmt er nicht einfach mit dem Strom mit. Das macht es nicht leichter. Aber wenn du mit ihm deine Lebens-Furche ziehst, dann trägt er die Last deines Lebens-Jochs; dass sich dein Leib und deine Seele, auch wenn sie müde sind, wieder aufrichten können und durchatmen. Denn dieses Joch verbindet uns ja mit Jesus. Wenn du es schwer hast, weil du dich zu ihm bekennst, dann gilt dir sein Versprechen: “Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.”Und auch wenn du nicht weißt, wohin er dich führt und warum er dich so führt, weißt du doch, dass dich nichts trennen kannt von seiner Liebe. Das ist der Schatz, den wir in seinem Wort offen vor uns haben. Amen.

  1. Sonntag nach Trinitatis (Predigtreihe II neu)

Daniel Schmidt, P.