Taufansprache und Predigt vom 22.9.2019 (Ps 104,33; 1. Mose 28,10-19)


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Taufansprache (Psalm 104,33)

“Ich will dem HERRN singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin.”

Liebe Eltern, liebe Patinnen, liebe Geschwister von Ella, liebe Familie und Gemeinde,

das ist ein ganz schöner Psalm, dieser einhundertundvierte. Da staunt der Beter, wie wunderbar Gott alles in der Natur gemacht hat. (Zu den Geschwistern/Kindern in der Gemeinde:) Was fällt euch denn aus der Natur alles ein? Ihr könnt mal jeder etwas sagen, und wenn das in diesem Psalm vorkommt, sage ich das dann dazu:

Himmel(Gott breitet ihn aus wie einen Teppich); Wolken(Gott fährt darauf wie auf einem Wagen); Wind(Gott kommt mit dem Wind wie auf Vogelfedern/Fittichen), und der Wind und das Feuer macht er zu seinen Dienern);Meer(das hat die Erde in der Sintflut bedeckt wie ein Kleid); Berge(stiegen hoch empor, nämlich bei der Schöpfung); Täler(senkten sich hinunter); wilde Tiere(trinken von den Quellen); Vögel(singen in den Bäumen); Früchte(Gott macht das Land voll davon); Wein (erfreut das Herz des Menschen), Wald(da nisten die Vögel); Mond(danach kann man das Jahr einteilen, in Monate); Sonne(sie gibt uns Zeit zum Spielen und Arbeiten und, wenn sie nicht zu sehen ist, zum Ausruhen). Ein Tischgebet, das viele von uns kennen, ist aus diesem Psalm genommen: “Es warten alle auf dich, daß du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit.”

Und der Beter sieht und hört in der Natur auch, wie mächtig Gott ist. Was fällt euch dazu ein? (Donner; Feuer)

Aber es kommt noch etwas vor, das ist nicht leicht zu verstehen, nicht für Kinder und nicht für Erwachsene: Wenn Gott sich verbirgt (oder versteckt), dann vergeht das, was er gemacht hat. Dazu könnte man eine ganze Predigt halten. Das tue ich jetzt nicht. Nur eins sehen wir daraus: Das Leben ist nicht etwas, das wir haben wie einen Besitz, sondern etwas, was Gott uns jeden Tag wieder gibt, ja, mit jedem Atemzug.

Das alles ist ein großer Grund, das zu tun, was der Taufvers für Ella sagt: Gott zu loben das ganze Leben lang. Aber wie lange ist das? (Frage an die Kinder:) Können wir das wissen, wie lang unser Leben sein wird? Eigentlich müssen wir Nein sagen, denn wir kennen die Zukunft ja nicht. Und ich sage trotzdem Ja. Ja, wir können das wissen, jeder von uns, der getauft ist, und Ella auch, wenn ihr sie heute mitnehmt zur Tauffeier und nach Hause. Denn was schenkt uns Gott in der Taufe? Vergebung und ewiges Leben. Was können wir also antworten, wie lang unser Leben sein wird? Ohne Ende. Ja, ohne Ende, wenn wir den haben, der ewig ist, Gott. Denn der hat einen ganz bösen Plan durchkreuzt, den es in dieser schönen Welt gibt. (Was heißt denn, “einen Plan durchkreuzen”? Das ist so, als wenn jemand aufge­ schrieben oder ausgedruckt hat, was er machen will, und jemand nimmt das Papier und macht da ein dickes Kreuz durch. Das heißt: Der Plan wird nicht ausgeführt.) Wer könnte das sein, der mit dieser Welt und mit uns einen ganz bösen Plan hat? Das ist der Feind Gottes. Der hat Adam und Eva am Anfang ins Ohr geflüstert, dass sie nicht auf Gott hören sollen. Der hat gemacht, dass sie genau das gemacht haben, was sie nicht machen sollten. Und dass ihr Leben damit ein Ende hat, den Tod. Und so ist das für uns alle. Wir müssen alle sterben. Manchmal geht es uns so, wenn wir daran denken, dann haben wir gar nicht so viel Lust, fröhliche Lieder zu singen oder Gott zu loben.

Aber Gott hat durch diesen Plan ein Kreuz gemacht. Wir können dabei ruhig an das Kreuz denken, das wir vorne in der Kirche sehen. Das Kreuz, an dem Jesus für uns gestorben ist. Denn damit hat er unseren Ungehorsam durchgestrichen. Das ist so, als ob ein Kind etwas Schlechtes gemacht hat und jemand hat's gesehen und will es den Eltern sagen, und als er den Mund aufmacht, kann er nichts mehr sagen, weil dieses Schlechte nicht mehr da ist. Das nennen wir Vergebung.

Und damit setzt Gott einen ganz neuen Plan durch: Dass du und ich immer zu ihm gehören. Auf diesem Plan gibt es eine ganz lange Liste. Da ist dein Name drauf und meiner, seit wir getauft wurden. Und heute kommt da Ellas Name mit drauf. “Der Herr freue sich seiner Werke” heißt es in diesem schönen Psalm am Ende, nachdem der Beter an die ganze Welt gedacht hat. Ja, Gott freut sich heute selbst an dem Werk, was er an Ella tut: Sie wird heute durch Wasser und den Heiligen Geist neu geboren, sie bekommt ein neues Herz, sie wird Gottes Kind. Da feiern die Engel im Himmel und wir singen nachher noch einmal wie letzten Sonntag: “Ich freue mich, ich bin getauft, ich bin nun Gottes Kind”.

Von dieser Freude dürft Ihr, liebe Eltern und Patinnen, ihr immer wieder erzählen. Ihr dürft darum beten, dass sie diese Freude immer wieder bekommt, auch wenn sie mal traurig ist, wenn sie sich mal weh tut oder krank ist, wenn sie in der Schule Schwierigkeiten hat oder Liebeskummer hat. Das alles ist heute noch weit weg, aber kann alles an dem Weg liegen, den ihr mit ihr gehen wollt. Ihr seid als getaufte Christen Priester für Ella. Das heißt: Tag und Nacht habt ihr Zugang zu Gott, damit ihr für sie bittet und für sie dankt. Und ihr sollt vor allem um das eine bitten: Dass sie ihren Weg im Leben mit Gott geht. Denn so, wie Gott uns unser Leben immer neu gibt, wenn wir morgens aufwachen, wenn wir Luft holen, so braucht das auch unser Glaube, dass wir ihn stets bei Gott holen. Der Glaube kann verloren gehen, er kann ausgehen wie eine Flamme; das ist ein ernste Sache. Denn dann kann der Mensch verloren gehen, für immer. Gott sei Dank, dass er den Glauben, das Vertrauen auf ihn macht. Lasst uns sein Wort hören, lasst uns im Gottesdienst sein, lasst uns in der Kirche bleiben und unsere Kinder dabei mitnehmen, dann haben wir ganz viel Grund, miteinander zu sagen: “Ich will dem HERRN singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin.”Ab heute auch mit Ella Naemi für immer und ewig. Amen.

 

Predigt (1. Mose 28,10-19a)

Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran und kam an eine Stätte, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein von der Stätte und legte ihn zu seinen Häupten und legte sich an der Stätte schlafen. Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Und der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe. Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wußte es nicht! Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels. Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Steinmal und goß Öl oben darauf und nannte die Stätte Bethel.

Liebe Konfirmanden von vor 50 Jahren, liebe Vor- und Hauptkonfirmanden von heute, liebe Schwestern und Brüder,

Wir haben es hier mit Jakob zu tun. Aufgewachsen in einer Familie, wo er etwas mitbekommen hat von Gottes Wort. Von Gott dem Schöpfer, der die Welt gemacht hat und der ihn so gemacht hat wie keinen anderen. Von Gott, der seinem Großvater Abraham einen unvorstellbar großen Segen versprochen hat, der durch die Generationen weitergehen soll, hin zu allen Menschen. Jakob kennt Gebete, er hat selbst beten gelernt. Er hat auch beigebracht bekommen, wie man sich gut verhält. Und er weiß, dass Gott Regeln gibt, die wir nicht übertreten können, ohne uns selbst und anderen zu schaden.

Aber Jakob ist von zuhause weggelaufen. Als Jugendlicher. Mit gutem Grund. Nicht nur, weil zwischen seinen Eltern und zwischen ihm und seinem Bruder ständig Spannung ist. Sondern weil Jakob Esau betrogen hat. Den Segen, den der zuerst Geborene normalerweise bekommt, den wollte er für sich haben. Nur daran hatte er gedacht. Und noch in seinem Elternhaus alles über Bord geworfen, was er gelernt hatte. Oder kann es sein, dass das Vorbild seiner Eltern stärker war als das, was sie ihm sagten, als das, was Gottes Wort sagt? Weil seine Eltern auch nicht immer aufrichtig miteinander waren? Wir wissen zumindest: Jakob hat seinen Vater hintergangen und seinen Bruder um den größten Teil vom Erbe gebracht. “Der Sünde Sold ist der Tod”, schreibt Paulus im Römerbrief. Damit ist zwar zuerst unser Sterbenmüssen allgemein gemeint, aber hier wird auch ganz konkret deutlich, dass Jakob mit diesem Lohn für das, was er getan hat, rechnen muss.

Deshalbist er von zuhause weggelaufen. Ist jetzt irgendwo im Busch, allein draußen in der Nacht. Will zu seinem Onkel, aber hat keine Ahnung, was auf dem Weg auf ihn wartet und wie es ihm dort gehen wird. Ob er unterwegs mit Gott geredet hat, wissen wir nicht. Oder ob er gesagt hat: Das ist für mich vorbei. Das habe ich hinter mir gelassen; das gehörte dazu, wo ich herkomme, aber jetzt kommt ein neuer Lebensabschnitt, jetzt baue ich mir etwas neues auf.

Ob er mit Gott geredet hat, wissen wir nicht. Aber in der Nacht redet Gottmit ihm.Jakob sieht im Traum eine Verbindung zum Himmel, eine Leiter oder Treppe, sieht Engel, die von Gott zur Erde unterwegs sind und zurück. Und jetzt kann man nur sagen, wie kann Gott das tun– wie kann Gott diesem Jakob den ganzen Segen versprechen, den er sich ergaunert hat, und stellt ihn nicht einmal zur Rede! Und ist das nicht ungerecht gegenüber Esau, der zurückgeblieben ist, der dieses über­ große Versprechen Gottes nicht bekommt?

Mir scheint, hier geschieht das, wovon wir in den Evangelien immer wieder lesen. So wie bei Zachäus, dem Betrüger, der anderen das nimmt, was Gott ihnen gegeben hat. Jesus kommt zu diesem Oberzöllner ins Haus. Ist einfach bei ihm, weil Zachäus auch zu Gottes Volk gehört. Ohne ihn zur Rede zu stellen, ohne ihm eine lange Strafpredigt zu halten. Und verlässt es dann am Abend und sagt: “Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn.” Und Zachäus fängt an, das zu tun, was er vielleicht als Kind in seinem Elternhaus mal gelernt hat, oder vielleicht auch nicht; aber das, wie es bei Gottes Kindern sein soll: Er bringt in seinem Leben in Ordnung, was nicht in Ordnung ist, soweit er kann. Es hatte sich getäuscht und sich täuschen lassen, als er gedacht hat, dass man vom Leben nur dann etwas hat, wenn man von allem möglichst viel hat. Er hat das Leben, wenn er Gotthat. Gott hat ihn gefunden. Und zu ihm geredet. Und bei dem will Zachäus jetzt bleiben.

Gott hat Jakob gefunden auf seinem Weg. In dem Moment, wo er von zuhause weg ist und die ganze Zukunft unsicher ist. Er geht euch im Konfirmandenunterricht nach, will euch dort und in der Konfirmation ganz viel Segen geben. Wie ist das mit denen von uns, die vor 10, 20, 40 oder 50 Jahren konfirmiert worden sind? Viele von uns haben zuhause gelernt zu beten, haben's im Konfirmandenunterricht mit dem Pastor getan, haben mitbekommen, was Gottes Wort sagt, haben seine Regeln kennengelernt, die wir nicht übertreten können, ohne uns und anderen zu schaden. Wo sind wir heute? Sind wir am Weglaufen? Wie gut, dass Gott mit Leuten wie uns und wie Jakob so umgeht: Dass er uns nachgeht. Dass der Bund, den er mit uns in der Taufe gemacht hat, auf seiner Seite fest bestehen bleibt. Und das Versprechen seines Segens für den, der ihn sucht.

Wir haben mit den Konfirmanden in den letzten beiden Wochen die Konfirmations­ verse in der Bibel nachgeschlagen, die Pastor Tepper euch hier vor dem Altar vor 51 und vor 50 Jahren mitgegeben hat, und haben überlegt, was die einzelnen Verse für einen Lebensweg bedeuten können. Fünf Jahrzehnte sind eine lange Zeit. Zurückgucken kann man sie, und das wird sicher heute noch mehrmals geschehen, auch mit den Konfirmanden der Friedenskirche zusammen. Aber nach vorne gucken können wir so weit nicht.

Jakob kann auch nur zurückgucken. Zu seinem Zuhause und seiner Kindheit und Jugend. Was kommt, weiß er nicht. Aber er wacht auf und sagt: Hier ist Gottes Haus, hebräisch “Bethel”. Hier ist die Tür zu Gott offen. Er ist froh, dass Gott ihn nicht allein gelassen hat nach allem, was er getan hat. Und hat in den Jahren, die danach kamen, wieder glauben gelernt, zu glauben an den, der vergibt, und der es gut mit uns meint mit seinen Regeln. Er hat gelernt, dass sein Leben nicht daran hängt, dass man möglichst viel hat, hat jahrelang darauf hingearbeitet, dass er sich mit seinem Bruder ausspricht, ihn um Vergebung bittet und ihm von seinem Besitz, den er sich eigentlich ergaunert hat, ganz viel zurückgibt. Er hat gelernt, nach Gott zu fragen, mit Gott zu reden, zu Gott zu beten, allein und mit anderen, auch weit weg von da, wo er mal herkam. Und hat das dann auch mit seiner Frau und seinen Kindern so gehalten.

Bei der Konfirmation bekennen wir den Glauben, den Gott einmal wie ein Samen­ korn in uns eingepflanzt hat. Und Gott spricht zu uns im Konfirmationssegen so wie zu Jakob: Ich will bei dir sein, wo du hingehst. Ich will dein Schutz sein. Weil du seit deiner Taufe zu meinem Volk gehörst. Weil du damit zu denen gehörst, die meinen Segen haben sollen. Verdient hast du's nicht. Aber ich hab's versprochen. Und das gilt. Solange du lebst und für immer und ewig. Willst du deinen Weg weiter mit mir gehen?

Die Frage habt ihr vor 50 Jahren mit Ja beantwortet. Das mag wie eine lange Zeit scheinen. Aber ich muss manchmal an einen Taufgottesdienst denken, den ich als Teilnehmer miterlebt habe. Eine befreundete Familie in Botswana ließ ihr Kind taufen. Die gehörten zur römisch-katholischen Kirche und hatten uns zum Gottes­ dienst eingeladen. Wir waren rechtzeitig da, aber wie das so ist, bis es losging, war eine halbe Stunde um. Wir kannten den Priester ganz gut, der war aus Polen, und das erste, was er sagte, war: “Was ist eine halbe Stunde im Verhältnis zur Ewigkeit?” Ella Naemi ist heute für die Ewigkeit wiedergeboren worden, Gott hat euch zur Ewigkeit berufen. Was sind da 50 oder 80 Jahre? Sie sind ein Auftakt, und eine Vorfreude. Deshalb lasst uns aufstehen und mit ihm gehen, wie Jakob es getan hat. Denn er tut uns heute wieder die Pforte des Himmels weit auf. Und wer sich an ihn hält, für den gilt Gottes Versprechen: Ich will dich behüten, wo du hinziehst. Und dich dorthin bringen. Amen.

  1. Sonntag nach Trinitatis (Reihe I neu)

Hauptgottesdienst mit heiliger Taufe und Goldener Konfirmation

Daniel Schmidt, P.