Predigt vom 8.3.2020 (Röm 5,1-11)


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Create Date8. März 2020
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Predigt vom 8.3.2020 (Röm 5,1-11)

Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.

Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist. Denn Christus ist schon zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben. Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen; um des Guten willen wagt er vielleicht sein Leben. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Um wieviel mehr werden wir nun durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind! Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wieviel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.

Liebe Gemeinde,

das wird eng. Ein besonders „sportlicher“ Fahrer war er nicht. Aber 140, 150 auf der Autobahn, das kam schon mal vor. Nun drängelt einer hinter ihm, der hat noch weniger Geduld und sitzt ihm im Nacken. Und plötzlich von rechts zwischen den LKWs kommt ein Kleinwagen raus, ohne sich umzusehen, direkt vor ihn. Zum Bremsen zu spät, kaum Abstand, kaum ein Ausweg, was soll er machen. Es bleibt ihm nur die Lücke zwischen Leitplanke und Kleinwagen. Augen auf und durch. Und das Adrenalin schießt in den ganzen Körper.

Das ist Bedrängnis. In die Enge getrieben sein von etwas, über das wir keine Kontrolle haben. Kaum noch eine Wahl, was wir tun können. Und das Wissen, es hängt alles daran.

In solcher Bedrängnis waren die Jünger und Jesus. Aus dem ländlichen Galiläa ins enge Jerusalem, das gefiel den Jüngern schon gleich nicht. Mitten zwischen die Oberen des Volkes und die Römer. Auseinandersetzungen waren zu befürchten. Dazu gab es kaum eine Möglichkeit sich zurückzuziehen. Im Evangelium haben wir gehört, was mit den anderen geschehen ist, die Gott in diesen Weinberg geschickt hat.

Deshalb wollten die Jünger ihren Herrn davon abhalten. Aber er ging, und sie mit. Und der Weg wurde immer enger. Immer deutlicher sprach er von der Bedrängnis, die ihn erwartete. Und dann, am Donnerstagabend, davon, dass sie, wenn alles drauf ankommt, alle versagen werden. Dann das Gebet im Garten, wo er selbst ganz von kalter Angst ergriffen wurde. Und dann die Festnahme. Das doppelte Verhör. Das Urteil und die Hinrichtung. Ganz allein musste er da durch.

Das alles steht Paulus vor Augen, als er diesen Briefabschnitt schreibt. Manches hat er von den Mitgliedern des Hohen Rats gehört, vielleicht auch von seinem eigenen theologischen Lehrer in Jerusalem, und das meiste in den christlichen Gemeinden, in die er kommt. Und er kann selbst von Bedrängnis erzählen. Von Schlägen, vom Gefängnis, die Füße im Holzblock – nicht die kleinste Möglichkeit sich zu bewegen – so oft gab es für ihn keinen Ausweg, wie es aussah.

Und doch schreibt er voller Zuversicht über solche Bedrängnis. Und er stellt sie in eine Kette, als ob sie mit Gewissheit zu Geduld führt; dann die Geduld zu Bewährung und Bewährung zu Hoffnung führt, und das heißt doch letztlich ans Ziel in Gottes ewiger Herrlichkeit.

Aber ist es nicht gerade die Natur der Bedrängnis, dass wir wie der Autofahrer eben nicht wissen, wie es ausgeht? Ob wir da heil durchkommen? Ja, erfahren wir nicht immer wieder, dass es eben nicht so gut läuft?

Das sehen wir doch auch an den Jüngern: Besonders wird es uns wieder an Petrus gezeigt, in der Passionszeit: Der versagt nicht erst, als er leugnet, Christus überhaupt zu kennen. Der versagt auch schon im Garten Gethsemane. Als plötzlich der bewaffnete Einsatztrupp kommt – mit Fackeln und Schwertern, von allen Seiten. In die Enge getrieben sieht Petrus nur einen Ausweg: Kämpfen – und wenn es sein Ende ist. Er zieht das Schwert und haut los auf Malchus, den Knecht des Hohenpriesters, trifft ihn nur seitlich und trennt ihm ein Ohr ab.

Es gibt Momente, da sollen wir tun, was in unserer Macht steht, und auch ein Christ darf um sein Leben kämpfen. Aber es geht hier nicht einfach um eine Bedrohung für Jesus und seine Jünger. Nein, sie werden auf die Probe gestellt. Und hier gilt wie in allem geistlichen Konflikt: „Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren!“ Es ist wahr, Petrus tut, was er kann, und er wagt sein eigenes Leben dabei – stell dir vor, Jesus hätte nicht die Gewalt aufgehalten und den Malchus geheilt: Petrus wäre nicht lebendig aus der Sache herausgekommen; und wie es den anderen Jüngern ergangen wäre, kann man nur ahnen.

Ja, Petrus versagt. Als es für ihn so eng wird, kommt er nicht über den Anfang dieser Kette hinaus, von der Bedrängnis zur Geduld, d.h. dahin, dass er Gott das tun lässt, was er allein tun kann und was allein seine Sache ist.

Und trotzdem kann ich mich mit diesem Jünger nicht vergleichen. Petrus hat später vielen anderen das Evangelium von Jesus Christus gebracht. Und nach der kirchlichen Überlieferung hat er zuletzt für seinen Glauben, nein für sein Leben im Glauben, für sein Bekenntnis, sein Leben gelassen.

Und ich, wenn ich an Bedrängnis denke? Will ich in der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz als Christ erkannt werden? Was würde ich tun, wenn sie über mich spotten? Es gibt eine antike Wandzeichung mit einem Esel an einem Kreuz, dazu gekritzelt die Worte: „Alexander betet seinen Gott an.“ Wenn mir jemand so etwas über Nacht auf mein Auto sprühen würde, wie würde ich reagieren?

Wenn es für mich als Christ so eng wird, gerate ich auf dünnes Eis. Und wenn ich mich selbst kenne, weiß ich, wo es vielleicht besonders dünn ist. Freiwillig da raus zu gehen, ich müsste ein rechter Esel sein, das zu tun.

Aber es gibt eine gute Nachricht, und die lautet: Du bist nicht Petrus.

Was die Jünger an diesem Abend noch vor sich haben, hast du schon hinter dir: Zu erleben, wie dein Herr mit der Angst kämpft, wie sie ihn demütigen; diese Frage in ihrem Herzen: Wie soll das ausgehen – wenn selbst er so machtlos ist, der einzige, der ihnen hätte helfen können? Warum muss das jetzt alles geschehen?

Das ist alles geschehen in den letzten dramatischen Tagen und Stunden der Passion unseres Herrn. Und du kannst darauf zurückblicken – das ist der Unterschied zwischen dir und Petrus, dir und Maria und den anderen Frauen am Kreuz. Du bist nicht von gestern, von der Zeit vor Jesu Sieg in Tod und Auferstehung, du bist da schon hineingetauft. Mit einem Wort: Du bist ein Christ und du lebst heute. Du hast das ganze Evangelium, kannst lesen und hören, wie es ausgegangen ist und kannst erkennen, dass diese Kette tatsächlich zusammenhängt – in Christus:

Er hat sich um unsertwillen in die Enge treiben lassen, die Enge unserer Schuld und unseres Versagens. In Gethsemane hat er im Gebet um Geduld gerungen - „ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber“, und dann: „doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ Geduld, gegen allen Augenschein und alle Erfahrung auf Gott allein hoffen und warten – das hat er sich da erkämpft.

Auf Gott allein – so musste auch das Versagen der Jünger sich in Gottes Plan einfügen, dass du nun siehst: deine Hoffnung in solcher Lage kommt von Gott allein, der für dich Mensch geworden ist und kein anderer hat das alles so ausgehalten und durchgehalten. Und so hängt es nun auch in deiner Bedrängnis nicht an dir, sondern an ihm allein.

Und solche Geduld führt zur Bewährung vor dem Hohenpriester. Auch da ist Jesus allein, und auch da steht er und hält durch für die, die ja doch an ihm hängen; sieht den Petrus an quer über den Hof mit diesem Blick, sagt ihm mit den Augen traurig, aber zugleich ganz tröstlich noch einmal das Evangelium: „Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.“ Und schweigt selbst zu allen Vorwürfen, weil es das Böse wirklich gibt, das sie ihm anhängen – nur findet sich das Böse nicht an ihm, sondern an uns.

Und so setzt Jesus sein Leben nicht ein für einen gerechten Menschen. Nicht wie ein Bodyguard, der einen (angeblich) besonders guten und wichtigen Menschen beschützt. Sondern er stirbt, um seine Feinde zu retten. Alle, die gegen das waren und sind, was er vom himmlischen Vater gesagt hat. Für uns hat Christus das getan – noch bevor wir etwas mit Gott zu tun haben wollten. So zeigt uns Gott seine Liebe und macht aus seinen Feinden Freunde.

Daher haben wir Hoffnung auch in der Bedrängnis. Denn als Jesus dieses irdische Leben losgelassen hat, als es menschlich keinen Ausweg gab, als nur noch der Vater da ist, an dem er hängt, der Schöpfer unseres Lebens, der es gibt und es wieder nimmt, da ist die Hoffnung erfüllt: „Es ist vollbracht!“

Das ist für dich „Vergangenheit“, das heißt es ist schon geschehen und ist in der Gegenwart eine Tatsache. Für dich hat er auch gebeten, und noch mehr: Für dich ist er gestorben und auferstanden, damit dein Glaube nicht aufhöre.

Nein, du bist nicht Petrus oder Maria, aber sie sind wie Paulus deine Zeugen und Begleiter - an denen du sehen kannst, dass diese Kette hält, dass die Liebe Gottes, die er in Christus über uns ausgießt, der Stahl ist, der ihre Glieder zusammenhält. Sodass unter seinem Gebet und seiner Gnade wirklich aus Bedrängnis Geduld und Bewährung wird.

Und damit auch Hoffnung: denn so erleben wir in ihm, wenn nichts anderes mehr hilft, dass er uns hinaushilft in die herrliche, himmlische Weite in der neuen Welt um seinen Thron:

Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Um wieviel mehr werden wir nun durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind!

(Sonntag Reminiszere, Daniel Schmidt, P. / J. Achenbach)