Predigt vom 4.3.2020 (1. Könige 19,11-14)


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Create Date4. März 2020
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“Thema”: “Das Schweigen des Hallelujas in der Fastenzeit und das stille Lob Gottes”

[Der Herr sprach zu dem Propheten Elia in der Wüste, nachdem er die Baals­priester umgebracht hatte und vor der Königin Isebel geflohen war]: “Geh heraus und tritt hin auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der HERR wird vorübergehen.” Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach, kam vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der HERR war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HERR war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen. Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus und trat in den Eingang der Höhle. Und siehe, da kam eine Stimme zu ihm und sprach: Was hast du hier zu tun, Elia? Er sprach: Ich habe für den HERRN, den Gott Zebaoth, geeifert; denn Israel hat deinen Bund verlassen, deine Altäre zerbrochen, deine Propheten mit dem Schwert getötet, und ich bin allein übriggeblieben, und sie trachten danach, daß sie mir das Leben nehmen.

Liebe Gemeinde,

Ein großes, fröhliches Posaunenfest ist etwas Schönes. Eine volle Halle, Kompositionen aus vielen Jahrhunderten, und dann vielleicht das große Halleluja von Händel mit “Pauken und Trompeten”. Das hat etwas Verbindendes für Musiker und singende Gemeinde. Man nimmt das auch mit im Ohr und im Herzen, wenn es zurückgeht in die Schule oder zum Arbeitsalltag, wo man weiß, dass Viele um einen herum mit den Inhalten nichts mehr anfangen können.

Aber es gibt Zeiten, da ist uns nicht nach lautem Jubel zumute. Wenn ein geliebter Mensch plötzlich und unerwartet stirbt, in jungem Alter, dann ist einem kaum nach einem fröhlichen Posaunenfest zumute. Es gibt eine Not, da kommt uns das Halleluja nicht über die Lippen.

Und wenn man das Gefühl hat, man ist irgendwann ganz allein mit seinem Glauben, in seinem alltäglichen Umfeld. So ging es dem Propheten Elia. Er hatte wie ein Einzelkämpfer den Glauben bekannt, hatte auf dem Berg Karmel fast 1000 Priester der mächtigen Religion herausgefordert, die in seinem Land so attraktiv geworden war, die des Gottes Baal und der Göttin Aschera. Und Gott hatte mit einem Blitz vom Himmel selbst Feuer angelegt an den Stier, den Elia zum Opfer vorbereitet hatte. Was für ein gewaltiges Zeichen: All das Getue, das die anderen veranstaltet hatten, war nichts.

Aber das hatte niemanden bekehrt. Die Königin Isebel hatte dem Propheten gedroht. Jetzt ist Elia auf der Flucht. Läuft weit weg in die Wüste. Und verkriecht sich in einer Höhle.

Und da redet ihn Gott an. Er soll herauskommen aus seinem Loch. Er soll Gottes Gegenwart erleben. Liebe Gemeinde, es gibt einen Film über das Leben Jesu, den ich mit den Konfirmandengruppen gucke. Da erzählt eine Mutter am Anfang einer Gruppe Kinder diesen Abschnitt aus dem ersten Könige-Buch: Elia erlebte einen gewaltigen Sturm, der Berge zerreißt und Felsen zerbricht – und die Kinder warten schon auf den nächsten Satz und fallen alle mit ein: “Aber der Herr war nicht im Wind.” Dann folgte ein Erdbeben, das den Boden erschütterte, auf dem Elia stand, und die Landschaft zerstörte. Und wieder hört man die Kinder im Chor: “Aber der Herr war nicht im Erdbeben.” Dann kam ein gewaltiges Feuer. “Aber der Herr war nicht im Feuer.” Und nach dem Feuer kam ein stilles sanftes Sausen – darauf haben die Kinder gewartet. So kommt der Herr.

Die Jünger hatten erlebt, wie Jesus große Zeichen tat und wie die Menschen ihm zuliefen. Aber dann am Kreuz sieht es so aus, als ob keiner mehr übrig ist, der Gott lobt. Bei den Jüngern ist nur Schweigen. Sie haben sich verkrochen. Nur Johannes steht da am Kreuz. Und bei ihm die Frauen, mit dem Mut der Liebe; Maria, die Mutter Jesu, und ein paar andere. Hier stirbt der, den sie liebgehabt haben. Viel zu plötzlich und viel zu jung. Und sie sind die einzigen, die noch an ihn geglaubt haben, bis jetzt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es. Für sie stirbt sie an dem Tag auf diesem Hügel vor der Stadt Jerusalem.

Da ruft keiner mehr fröhlich Hosianna wie am Anfang der Woche. Und keiner singt mehr Halleluja, wie es die Jünger noch am Abend vorher mit ihrem Herrn getan haben, mit den Psalmen, die in allen Häusern zum Passahfest gesungen werden; den Psalmen 113-118, die sie nach dem Essen auf dem Weg nach Gethsemane angestimmt haben. Nein, hier bleibt nur noch das “Herr, erbarme dich”, das “Kyrie eleison”, das wir in unserem Gesangbuch in manchen Passionsliedern haben.

Sie hatten's wohl gedacht, dass der Herr seine Macht offenbaren würde bei dem gewaltigen Jubelsturm zu seinem Einzug in Jerusalem. Vielelicht können wir's mit dem 1. Königebuch sagen, “Aber der Herr war nicht im Sturm”, zumindest nicht so, dass das nun ihre Rettung war. Und dann hat das Markttreiben im Tempel das Feuer seines Zorns entfacht, er hat die Händler und Bankleute mit Gewalt rausgetrieben, “Aber der Herr war nicht im Feuer”, nicht zu ihrer Rettung. Aber jetzt, in den leisen Worten am Kreuz, kommt er zu ihrer Rettung, auch wenn es ganz anders aussieht: “Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.”

Und mit einem Mal bekommt das “Herr erbarme dich” einen noch tieferen Sinn. Ja, es meint diesen Mann am Kreuz, entstellt bis zur Unkenntlichkeit, der unter der größten Unmenschlichkeit leidet, zu der Menschen fähig sind. Aber es meint nun auch die, die eigentlich schuldig sind und dort hängen müssten: die Mitglieder des Hohen Rates, die ihn zu Unrecht angeklagt haben – und es gab ein Gesetz, dass ein ungerechtes Urteil den Richter selbst traf, so ernst nimmt es Gott mit der Gerechtigkeit in seinem Volk! Pilatus müsste dort hängen, und ich auch. Denn um meinetwillen ist Gottes Sohn zur Sünde gemacht worden, die raus muss aus der heiligen Statt und aus der Mitte des Volkes Gottes.

Das ist der zweite Grund, warum das Halleluja in unseren Gottesdiensten in diesen Wochen schweigt. Es ist das Erschrecken, dass ich eigentlich an der Stelle sein müsste, an der Gottes Sohn ist. Da bleibt nur noch, dass wir für uns selbst so bitten: Herr, erbarme dich.

Dazu aber sagt er ja. Ja, sieh her, ich erbarme mich über dich. Ich habe deinen Platz eingenommen. Und ich bleibe da hängen bis zum bitteren Ende. Um deine Sünde und deine Strafe “alle” zu machen. So, liebe Gemeinde, haben wir Grund zum stillen Lob Gottes in dieser Zeit. Wenn du und ich täglich viel sündigen, und wenn wir immer wieder im Herzen sprechen: “Herr, erbarme dich; Herr, vergib”, und Christus unseren Blick auf sein Kreuz richtet und sagt: “Da siehst du, ich tu's.”

Und wir haben Grund zu solchem Lob auch, weil wir nicht allein sind. Dem Propheten Elia sagt Gott in der Wüste, dass er nicht allein ist. Es sind 7000, die den wahren Gott nicht verlassen haben. Wir stehen in diesen Wochen unter dem Kreuz mit Millionen Christen, die ihn anbeten und mit uns bekennen, dass diese tiefste Verzweiflung am Karfreitag, die unser Herr durchgemacht hat und in der die Hoffnung seiner Jünger gestorben ist, unsere gewisse Hoffnung ist. Vielleicht kann ich's so sagen zum Schluss: Möge der Heilige Geist dir und mir diese Worte wie ein stilles, sanftes Brausen von Golgatha zutragen: “Mein Blut, für dich vergossen. Mein Leben für dich gegeben.” So haben wir auch in dieser Zeit ganz viel Grund zum Loben, auch wenn's ein stilles Lob ist:

Gebet: Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du für uns gestorben bist, und hast uns durch dein teures Blut gemacht vor Gott gerecht und gut.” Amen.

 

Passionsandacht am Mittwoch nach dem Sonntag Invokavit (ohne Predigtreihe)

Daniel Schmidt, P.