Predigt vom 28.10.2018 (Röm. 7,14-25a)


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Create Date28. Oktober 2018
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Denn wir wissen, daß das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich.

Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so gebe ich zu, daß das Gesetz gut ist. So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Denn ich weiß, daß in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.

Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. So finde ich nun das Gesetz, daß mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt. Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.

Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!

 

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Wir haben gerade gehört, was Christus von sich selber sagt: Dass er das Licht der Welt ist. Und dass der, der ihm nachfolgt, also sein Leben mit ihm lebt, nicht in der Finsternis unterwegs sein wird.

Ich kann verstehen, dass sich Menschen darüber ärgern. Das war damals der Grund, warum sie Jesus schon bald aus dem Weg räumen wollten. Und das geht vielen auch heute so. Das ist eine ganz natürliche Reaktion. Denn Jesus sagt ja damit: Ihr kommt alleine nicht zurecht. Ihr braucht mich. Sonst seid ihr im Finstern. Das passt kaum zu dem, was wir meistens von uns selbst halten. Wir wissen doch ziemlich viel. Wir befassen uns mit dem, was gut ist für unsere Kinder, für unsere Gesundheit und unsere Umwelt. Und wir sind uns in der Gesellschaft auch ziemlich einig, dass gewisse Dinge schlecht sind wie Kindesmissbrauch oder Hass auf andere, und dass wir uns gemeinsam dagegen stellen sollten.

Ja, ich fürchte, wenn wir uns über das, was Jesus da sagt, nichtärgern, dann haben wir etwas nicht begriffen: Dass es ohne ihn nicht gut um uns steht.

Paulus selber hat ziemlich lange gebraucht, um das klarzukriegen. Er war einer von denen gewesen, die alles richtig machen wollten. Ein ganz Frommer. Und kein Schein-Frommer, der von Sonntagnachmittag bis zum nächsten Sonntagmorgen überall auf die Pauke haut, und dann zur Kirche eine weiße Weste überzieht. Sondern einer, der sein ganzes Leben nach Gottes Regeln ausrichten will.

Bis zu dem Tag, wo Jesus Christus ihm begegnet ist. Auf der Straße nach Damaskus. Wo er ihn zur Rede gestellt hat: “Warum verfolgst du mich?” Und Paulus war tief getroffen. Drei Tage lang hat es in ihm gearbeitet. Bis er sich hat taufen lassen. Bis er sich von Christus das hat schenken lassen, was er selbst nicht fertigbringen konnte. Was ihm ganz grundsätzlich fehlte. Und es hat dann noch einmal vierzehn Jahre gedauert, bis er angefangen hat, das zu predigen, was wir in der Taufansprache gehört haben, und zur Taufe zu rufen. Dazu, dass Menschen sich durch Christus retten lassen. Weil wir sonst nicht zu retten sind.

Und mit denen, die kommen, buchstabiert er das dann durch im Taufunterricht. Und kommt zu diesen Sätzen: Ich bin fleischlich und unter die Sünde verkauft, das heißt ich bin abhängig von etwas in mir, was genau das nicht will, was Gott will. Von einer Stimme und einem Gefühl in mir, das sagt: Eigentlich bist du doch besser dran ohne Gott. Dann bist du frei. Und kannst dich selbst verwirklichen.

Aber Paulus ist getauft. Und es gibt in ihm auch die erneuerte Natur, die andere Stimme, die von Christus, die sagt: Gottes Wille ist gut. Es ist gut für dich und für deine Umwelt, wenn du darauf hörst. Wenn du das einübst. Und die Stimme des getauftenPaulus, die sagt dazu Ja, fröhlich Ja.

Aber nun, sagt er, geht beides in ihm gegeneinander. Und immer wieder gewinnt das, was gegen Gott ist. Beispiele dafür fallen uns bestimmt ein. Ich will zur Kirche, aber gerade sonntags ist es so schön, länger im Bett zu bleiben und dann spät zu frühstücken. Ich will nicht hässlich sein zu jemandem, aber jetzt muss ich's ihm oder ihr doch mal zeigen und mir Luft machen. Das ist das, was Paulus sagt: “Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.”

Ja, sagt er, er hat Lust an den Geboten Gottes. Er findet sie gut. Er macht auch immer wieder einen Anlauf, danach zu leben. Und er schafft's doch immer wieder nicht. “Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen”, nach meinem Herzen, in dem Christus wohnt, den ich ja liebhabe. Aber “ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde.” In den “Gliedern”, das heißt nicht, dass alles Körperliche schlecht ist und die Seele ist das Gute in uns. Sondern dass es ganz natürlich und ganz menschlich ist, dass wir gegen Gott sind.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten, damit umzugehen. Man kann einen großen Schritt zurücktreten und das, was Gottes Wort über uns sagt, nur aus der Ferne wahrnehmen. Da sieht es alles nicht so dramatisch aus. Na ja, ganz gut ist keiner, aber viel schlechter als andere bin ich auch nicht. Ich komme ja mit mir selber zurecht, und meine Freunde auch, das reicht mir. Dann allerdings muss ich mich ärgern, wenn Jesus sagt, wir brauchen ihn, wir sind ohne ihn in der Finsternis. Oder ich muss weghören. Aber dann gibt es einen großen Schrecken, wenn wir am Ende vor ihm stehen und dann selbst in seinem Licht sehen, wie es wirklich um uns gestanden hat, die ganze Zeit.

Oder ich höre noch einmal genauer hin, wie Paulus hier zum Schluss kommt. “Ich elender Mensch”, sagt er, „wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leib?” Und wir begreifen jetzt, warum. Weil wir aus diesem Hin und Her nicht herauskommen. Außer durch den letzten Satz: “Dank sei Gott, durch Jesus Christus, unseren Herrn!” Denn wenn wir den haben und an ihn glauben, dann kann die alte Natur in uns nicht mehr gewinnen. Dann verliert sie jedesmal, wenn seine Vergebung alles von uns wegnimmt, was nicht gut ist. Und dann kommt sie nicht mit durch die Tür, wenn wir am Ende in sein ewiges Licht eintreten. Amen.

  1. Sonntag nach Trinitatis (Predigtreihe IV)

Daniel Schmidt, P.