Predigt vom 23.6.2019 (2. Timotheus 1,7)


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Create Date23. Juni 2019
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"Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit."

Liebe Eltern, einen wunderbaren Satz habt ihr da aus der heiligen Schrift für euren Mattis zur Taufe ausgesucht;

liebe Eltern und Paten, damit habt ihr etwas für jedes Lebensalter, in dem ihr ihn begleiten werdet;

liebe Schwestern und Brüder einschließlich von Euch und der ganzen Gemeinde, was Mattis heute mitbekommt mit diesem Wort, das ist wie eine vollständige Navi-Führung durch das Leben, für ihn und für jeden von uns.

Gehen wir zunächst mal von der Zieleingabe aus. Davon, wo ihr mit eurem Mattis hinwollt. Ich meine nicht heute mittag nach dem Gottesdienst und nach den Fotos hier am Taufstein, nicht das gute Essen, das ihr sicherlich geplant habt in euerm schönen neuen Haus in Kästorf oder in einer Gaststätte, und was auch schon vor­ bereitet ist. Ich meine auch nicht, was ihr auf seinem Weg gern und mit viel Liebe für ihn regeln wollt wie die Frage nach dem Kindergarten, nach einem Kinderarzt, dem ihr vertraut, einer guten Schule, einem Schulabschluss und einer Berufs­ ausbildung. Das alles wird zu seiner Zeit kommen, und es sind auch alles Dinge, die wir mit Gott besprechen und dann auch in seine Hand legen können und sollen.

Ich meine das Lebensziel. Was das ist, das wird deutlich, wenn wir sehen, wannJesus seinen Jüngern den Auftrag gegeben hat zu taufen. Das ist ja keine Zeremonie, die sich irgendein Mensch ausgedacht hat, so eine Art wässriges Aufnahmeritual in einen von Menschen gebildeten Verein. Gottes Sohn ist ans Kreuz gegangen, um das auf sich zu nehmen, was für uns Menschen das Ende wäre: Die Folge unserer laschen, halbherzigen Einstellung zu Gott. Davon, dass wir zwar eine Ahnung davon haben, dass es Gott gibt, und es auch ganz gut finden, dass er uns das Leben schenkt, die Natur, und viel Schönes, aber dass wir uns von Natur aus doch nicht sagen lassen wollen, wie wir unser Leben führen sollen, dass wir eigentlich gern unsere eigenen Herren sein wollen. Jesus ist gestorben, obwohl er nicht nur ganz Mensch ist wie wir, sondern auch ganz Gott, er ist an unserer Stelle gestorben. Und er ist auferstanden. Und dann hat er den Jüngern diesen Auftrag gegeben: “Geht hin in alle Welt. Macht zu Jüngern alle Völker”: So wie ihr meine Jünger seid, wie ihr die letzten Jahre mit mir mitgegangen seid, wie ihr erfahren habt, dass ich für euch sorge, und gehört habt, was ich tue und sage, so sollen Viele gerufen werden, dass sie mit mir durchs Leben gehen. Deshalb “tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe.”

Taufen aber, liebe Gemeinde, heißt nicht nur, ein bisschen nass machen, so als kleine Erfrischung. Taufen heißt hineingetaucht werden in das Sterben Jesu und in seine Auferstehung. So dass seinSterben unserSterben wird, und seineAuferste­ hung unsere.So dass das, was uns von Gott trennt an Schuld, überstempelt wird mit dem Wort “erledigt” oder “bezahlt”. So dass wir schon das neue Leben haben, wie Jesus in das neue Leben auferstanden ist, auch wenn wir es noch nicht sehen.

Das aber heißt: Das Ziel, das Gott damit für uns eingegeben hat, ist das Leben bei ihm, das kein Ende mehr hat, wo es kein Schuldigwerden, keine Kinder- und keine Erwachsenentränen mehr gibt, keine Sorge und keine Angst.

Dieses Ziel, liebe Gemeinde, war etwas ganz Neues für die ersten Christen. Sicher, im Alten Testament gab es das Wissen, dass Gott ein Gott der Lebenden ist, aber das, was man da von diesem Ziel erkennen konnte, war noch wenig klar zu sehen. Nun aber, mit dem Auferstehen des Sohnes Gottes vom Tod, gibt es eine offene Straße zu diesem Ziel. Das war eine Entdeckung für die, die am Anfang der Kirche zum Glauben an ihn kamen. Das ist eine Entdeckung ganz neu für Viele in unserem Land, die mit wenig Kontakt zur christlichen Botschaft aufgewachsen sind, und dann darauf stoßen. Und es ist etwas, das wir alle immer wieder neu zu entdecken haben, in jedem Lebensalter.

Dabei war Timotheus, an den der Apostel Paulus diesen Vers eigentlich geschrieben hat, in einer ganz ähnlichen Situation wie euer Mattis. Seine Groß­ mutter und seine Mutter waren nämlich schon Christen. Paulus kennt sie mit Namen, so wie in mindestens zwei Kirchengemeinden andere euch als Eltern und als Großeltern von Mattis kennen. Timotheus hat, wie Paulus schreibt, von Kindheit an die heilige Schrift gekannt, weil die beiden ihm daraus vorgelesen haben und sicherlich Vieles davon mit ihren eigenen Worten so weitergesagt haben, wie er das in seinem Alter verstehen konnte. Und sie haben (ich sag's mal bildlich) ihre Hände um seine gefaltet und die ersten Gebete für ihn und dann auch mit ihm gesprochen, zu seinem lieben Vater im Himmel. Und als Timotheus erwachsen wurde, gab es nichts anderes in seinem Leben, das für ihn so wichtig war, wie zu dem Sohn Gottes zu gehören. Ja, Timotheus wurde einer der ersten Gemeindehirten, die Paulus eingesetzt hat, als klar war, dass es immer mehr christliche Gemeinden gab, und dass der Auftrag ja weiterging, auch als die Apostel an ihr Lebensende kamen; der Auftrag, Menschen in allen Sprachen und überall zur Taufe zu rufen, damit sie selbst Jünger Jesu werden, und das weiterzugeben, was Jesus getan und gesagt hat.

Nun, welche Richtung euer Mattis einmal beruflich einschlägt, darüber brauchen wir uns heute noch keine Gedanken zu machen, auch wenn wir dringend Hirten oder Pastoren in unserem Land brauchen; da sind wir in der römisch-katholischen Kirche, in der evangelischen Landeskirche oder in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche im selben Boot. Aber das, was für den Timotheus so etwas Besonderes war, was seine Spielfreunde kaum kannten, und was für die Gesellschaft eine kleine Religionsgemeinschaft am Rande war – das ist bei uns inzwischen nicht mehr viel anders, wenn wir uns ansehen, wie viele am Sonntag in einem christlichen Gottesdienst sind; oder wenn wir überlegen, wie oft wir um uns herum hören, dass einer von unseren früheren Schulkameraden oder einer von den Arbeitskollegen sein Leben an dem ausrichtet, was der dreieinige Gott in seinem Wort sagt. Dass wir frei werden von Schuld vor Gott, dass wir ewig leben sollen, auch wenn diese Welt nicht ewig bleiben kann, ja, dass wir dessen schon heute gewiss sein können, das ist ein kostbares Gut, wie Paulus im selben Abschnitt an Timotheus schreibt, ein ganz kostbares Geschenk, das er festhalten soll.

Und dazu braucht er diesen Geist, von dem Paulus vier Dinge sagt, und ich nehme an, das war ein Grund, warum ihr diesen Vers ausgesucht habt: Gott gibt uns damit “nicht einen Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.” Genauer müsste man sagen, das ist kein Geist der Feigheit oder der Verzagtheit, also der Mutlosigkeit. Nun könntet ihr als Paten und Großeltern vielleicht sagen, so wie ihr die Eltern von Mattis kennt, so wie sie mit seiner großen Schwester Lilly umgehen, gibt es gar keinen Grund, dass er ängstlich werden sollte. Die tun ja alles, damit er sicher aufwächst, und werden ihn zugleich Stück für Stück herausfordern und ihm Freiheit geben, damit er stark und selbständig wird.

Aber Paulus guckt auf unsere Situation in der Welt, wenn er von so einem Geist spricht. Es gibt Dinge, die sind größer als wir. Die haben wir nicht in der Hand. Das ist für die Landwirte das Wetter, das sind Menschen, die manchmal mit uns machen, was sie wollen, das ist für uns alle schon das, was in einer Stunde oder morgen sein wird. Und Paulus geht davon aus, dass es in dieser Welt auch Mächte gibt, die uns schaden wollen. Es ist nicht alles gut, und Gott hat einen Feind, der uns das Vertrauen auf ihn madig machen will, der uns an Leib und Leben will. Wir merken das nicht immer sofort, aber wir versuchen trotzdem, irgendetwas dagegen zu tun. Wir schließen Versicherungen ab, wir versuchen, möglichst viel zu erleben am Wochenende und in unserer Freizeit, weil wir dann das Gefühl haben, wirklich zu leben. Oder wir meinen, wenn wir möglichst viel arbeiten oder möglichst viel erreichen, dann sind wir irgendwie sicher. Oder wir sind dann doch ein bisschen abergläubisch und versuchen, irgendwie zu beeinflussen, was kommt.

Das aber, liebe Gemeinde, ist ein Geist der Ängstlichkeit. Wer so lebt, der ist nicht unbedingt ständig am Zittern, aber der hat keinen, der über ihm ist und dem er ganz vertrauen kann. So einen aber bekommt euer Mattis heute in diesem Gottes­ dienst. Das ist sein himmlischer Vater, der ihn heute als sein Kind annimmt. Und dieser Geist, der das Gegenteil ist von einem Geist der Ängstlichkeit, das ist Gottes Heiliger Geist. Ein Geist, der Vertrauen schafft auf diesen Gott. Vertrauen darauf, dass Gott das tut, was er verspricht. Und wenn er sagt, ich bin an deiner Seite, “rufe mich an, so will ich dich hören” und “wer da glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden”, dann tut er das.

Und das ist der Geist, der uns an Gottes Seite hält, wenn wir denn dort sind und bleiben, wo er zu finden ist. Wenn wir sein Wort hören, wenn wir unseren Kindern aus der Kinderbibel vorlesen, wenn wir selbst eine Bibel haben, die wir am besten gar nicht ins Regal stellen, sondern die im Wohnzimmer liegt oder auf dem Nachttisch, wo ein Lesezeichen die Stelle markiert, die man nochmal lesen möchte, oder die Stelle, wo man weiterlesen will, wo vielleicht auch ein Stift dabei liegt, mit dem man anstreicht, was man nicht gleich versteht, oder was besonders wichtig ist. Und dazu gehört das Bleiben in der Kirche und im Gottesdienst. Wir haben im Taufgespräch darüber gesprochen, um Euren Tisch herum und mit der Zuschaltung per “Skype”, und gleich wird euch als Eltern und Paten die Frage gestellt werden, ob ihr dazu bereit seid. Und auch ihr als Gemeinde werdet die Verantwortung mit haben, für Mattis weiter zu beten wie für alle jungen Mit-Gemeindeglieder. Denn  dieser Glaube, den Gott heute in euerm Mattis anzündet wie eine Kerze, der kann verkümmern und erlöschen, wenn er keine Nahrung bekommt, wenn die Verbin­ dung zum Geist Gottes nicht immer wieder erneuert wird. Und das ist eine ernste Sache, denn dann verliert ein Mensch das Ziel, das Gott ihm ihn seiner Taufe gegeben hat und auf das er ihn eingestellt hat.

Es ist ein bisschen so wie mit dem Navi, wenn irgendwo eine Straße gesperrt ist, wenn man einen Umweg fahren muss, dann berechnet es ja immer wieder neu den Weg, immer in Richtung auf das eingegebene Ziel. Gottbraucht das nicht neu zu berechnen, aber wirmüssen das immer wieder neu in den Blick bekommen, und sollen das auch üben, auf Gottes Stimme zu hören und nicht alles andere im Leben so hochzuregeln wie ein Superradio im Auto, durch das man dann die Ansage, die einen auf den richtigen Weg führt, nicht mehr hört.

Und Paulus sagt, dieser heilige Geist ist ein “Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit”. Es steckt eine Kraft darin, wenn man jemandem hat, dem man vertrauen kann. Man wünscht es ja jeder werdenden Mutter, dass sie ihren Mann an der Seite hat, wenn es so weit ist, und dass sie ihm ganz vertrauen kann. Und wir wissen, wie selbstbewusst und kämpferisch mancher Junge mit 4 oder 5 Jahren sein kann, wenn er mit der Erfahrung aufwächst, Mama ist für mich da und Papa kann alles.

Paulus meint aber durchaus noch mehr: Diese Kraft ist auch die Kraft zur Selbst­ disziplin. Im Sport muss man das trainieren, und dazu reicht vielleicht das eine Mal Schulsport in der Woche nicht aus, da muss man schon auch außerhalb der Schule Sport treiben. Da lernt man dann aber auch, worauf man bei der Ernährung achten muss. So ist das auch in geistlichen Dingen. Es gibt zwar keine Vorschrift, wie viele Male man im Jahr in der Kirche sein muss. Aber es ist klar: Wenn der Abstand groß wird, dann wird diese Kraft klein, dann wird auch das Vertrauen auf Gott klein. Und umgekehrt: Wo wir auf ihn hören, da lernen wir auch zu unterscheiden, welche Inhalte aus unserer Umwelt gut für uns sind und welche nicht.

Und es geht um einen Geist der Liebe. Das meint mehr als die natürliche Liebe von einem Kind zu seinen Eltern, mehr auch als die Geschwisterliebe. Liebe heißt, den anderen ertragen, auch wenn's nicht leicht ist. Ihn nicht nur gernzuhaben, wenn er so ist, wie ihn gern hätten, sondern auch, wenn er uns wehtut, wenn er uns enttäuscht. Liebe heißt, den anderen mit den Augen Gottes zu sehen, der allen Grund hätte, die Beziehung zu uns abzubrechen, und der doch, wenn er uns als getaufte Gotteskinder sieht, in uns seinen Sohn Jesus Christus erkennt, den er über alles liebt. Ja, so sollen wir als getaufte Christen einander sehen, und das gilt von uns allen heute in diesen vier Wänden.

Und Gott gibt uns einen Geist der Besonnenheit. Einen Geist, der geduldig ist, der abwarten kann, der nicht alles vorher wissen muss, der nicht alles auf einmal erwartet. Der nicht sagt, für mich zählt nur, was ich jetzt und hier im Leben habe. Sondern der sagt: Wenn Gott mir so ein wunderbares Ziel gibt, wenn er dort schon einen Platz für mich reserviert habe, dann will ich auch besonnen durch's Leben gehen, an jeder Kreuzung gucken, ob ich noch die richtige Richtung habe. Dann soll mir nichts lieber werden als mein Vater im Himmel, und als mein Herr Jesus Christus, der das für mich getan hat und mir das alles in der heiligen Taufe schenkt. Amen.

1. Sonntag nach Trinitatis (Tauf-Predigt, ohne Predigtreihe)

Daniel Schmidt, P.