Predigt vom 18.11.2018 (Apg. 14,19-23)


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Create Date18. November 2018
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Es kamen aber von Antiochia und Ikonion Juden [nach Lystra] und überredeten das Volk und steinigten Paulus und schleiften ihn zur Stadt hinaus, und meinten, er wäre gestorben. Als ihn aber die Jünger umringten, stand er auf und ging in die Stadt.

Am nächsten Tag zog er mit Barnabas weiter nach Derbe; und sie predigten dieser Stadt das Evangelium und machten viele zu Jüngern. Dann kehrten sie zurück nach Lystra und Ikonion und Antiochia, stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu bleiben, und sagten: Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen. Und sie setzten in jeder Gemeinde Älteste ein, beteten und fasteten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren.

 

Liebe Gemeinde,

Es gehört dazu: Die Ankündigung, die Jesus den Aposteln gegeben hat, dass sie Kranke gesund machen werden in seinem Namen, und wenn sie Giftiges trinken, wird es ihnen nicht schaden. Und das andere: Dass sie vor Gericht gebracht werden, dass man sie verfolgt und versucht, sie umzubringen.

Es gehört dazu. Als Paulus diesen Satz sagt, “Wir müssen durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen”, da haben er und Barnabas beides gerade erlebt. Erst Begeisterung. Und dann Verfolgung. In zwei Orten.

Und dann kommen sie nach Lystra, heilen einen Mann, der von Geburt an an den Beinen gelähmt ist. Einen Moment lang glauben die Einwohner der Stadt, ihre Götter haben Menschengestalt angenommen und sind auf die Erde gekommen. Opfer wollen sie ihnen bringen, sie anbeten. Wenig später kippt die Stimmung, Paulus wird gesteinigt und als er offenbar tot ist, vor die Stadt geschleift. Da, wo die Hunde und die Raben von einem Hingerichteten nicht viel übriglassen. Aber als die neuen Christen dazu kommen, steht er auf, geht mit ihnen in die Stadt und zieht am nächsten Tag weiter.

Es gehört zusammen. Begeisterung oder Zulauf, und Verfolgung. Wenn Paulus und Barnabas bei Facebook gewesen wären, hätten sie innerhalb kurzer Zeit Unmengen von Freundschaftsanfragen bekommen. Und Unmengen von “like”s. Und fast sofort Hassbotschaften, mindestens genau so viele.

Es gehört zusammen. Keins von beiden haben sie gemacht, keins von beiden haben sie sich ausgesucht. Wir bauen die Kirche nicht, indem wir die Menschen beeindrucken mit irgendetwas, das wir tun. Gottes Geist be-eindruckt Menschen, unter den seltsamsten Umständen und in den unerwartetsten Situationen. Er drückt ihnen Gottes rettende Wahrheit ins Herz, prägt sie ihnen ein.

Und das andere machen wir auch nicht. Wir machen uns nicht selbst zu Opfern. Wir suchen nicht das Leiden. Und wir bringen uns nicht selbst um mit dem Versuch, möglichst viele andere auch zu töten. Das wäre Mord und Selbstmord.

Aber es kann nicht anders sein: Leiden gehört zum Christsein dazu. Jesus hat's dem Paulus gesagt in dem Moment, wo er ihn berufen hat. Und für Paulus ist das von Anfang an klar. Nicht aus der Erfahrung, denn viel Erfahrung gab's noch nicht für die Kirche, die erst wenige Jahre alt war. Sondern aus einem ganz geistlichen Grund.

Wer Christ ist, wer an Christus glaubt, der gehört zu ihm. Das wissen auch die in ihrer Umwelt, oder sie ahnen es zumindest. Und behandeln sie genauso, wie Christus behandelt worden ist.

Warum ist das so? Weil wir Menschen uns von Natur gegen zwei Dinge wehren: Gegen die Behauptung, dass etwas mit uns so grundsätzlich nicht in Ordnung ist, dass wir einen Retter brauchen. Und dagegen, dass ein anderer über uns Herr sein soll. Und für beides stehen die, die als Jünger von Christus in dieser Welt leben. Wir müssen's selbst immer neu lernen. Wir sind ja auch ganz “normale” Menschen. Ja, wir müssen's lernen, dass wir die Verdorbenheit der Sünde in uns tragen, und dass der Tod nicht einfach das natürliche Ende der Materie ist, aus der unser Körper besteht, sondern die Folge unserer Verdorbenheit. Und wir müssen's täglich neu lernen, dass wir deshalb einen brauchen, der uns rettet.

Aber ist “müssen” das richtige Wort? Ist es nicht ein Geschenk, dass Gott uns die Augen dafür öffnet, dass er uns das durch seinen Geist ins Herz prägt? Dass er unseren Widerstand dagegen überwindet? Ist es nicht ein Geschenk, dass wir damit zu dem gehören, der für uns gelitten hat, der sein Leben für uns gegeben hat?

Nein, Christsein ist kein Sonntagsspaziergang. Das hat Gott uns auch nie versprochen. Einfach nur so am Rande mitlaufen als Christ, das geht auf Dauer nicht. Aber wer deshalb ausgelacht wird oder Schlimmeres erlebt, weil er sich als Christ zu erkennen gibt, für den ist diese Erfahrung die Bestätigung, dass er zu Christus gehört. Zu dem, der für uns alles gegeben hat. Nun kann uns von seiner Liebe nichts trennen. Nicht Verfolgung, nicht Hunger, Gefängnis, Folter oder der Tod.

Nein, wir suchen uns das nicht aus. Wir wünschen es uns nicht. Wir wissen auch nicht, ob oder wie wir uns bewähren werden, wenn es darauf ankommt. Aber wir wissen, was er versprochen hat: Der heilige Geist wird uns die rechten Worte geben, wo wir unseren Glauben an ihn bekennen sollen. Und durch's Leiden hindurch wird der Glaube gestärkt. Weil wir darin lernen, dass wir uns auf nichts verlassen können außer auf ihn. Dass nicht nur Begeisterung und Verfolgung dazugehören, sondern dass wir im Leiden  glauben lernen, dass wirdazugehören, zu denen, die Jesus Christus erlöst hat. Durch's Kreuz geht's zur Krone, durch Leiden zur Herrlichkeit. Und die wird unvergleichlich viel größer sein als alles, was Menschen seinen Kindern in dieser Welt antun. Gott sei Lob und Dank. Amen.

 

Christenlehre im Gottesdienst:

Gottes Zusage für die Kirche in der Endzeit (Matth. 16,18)

Christus spricht zu seinem Jünger Petrus: “Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.”

Wie hieß Petrus eigentlich, bevor Jesus zu ihm kam, wie hatten ihn seine Eltern genannt? (Simon). Den Namen “Petrus” hatte ihm Jesus am Anfang gegeben, als er ihn berief. Er sollte ein Felsen sein. Er war allerdings ein ziemlich wackeliger Felsen. Oft vorneweg mit dem Mund und mit dem Bekenntnis, und dann auch schnell kleingläubig. Wie in der Nacht, als Jesus ihn rief, über das Wasser zu ihm zu kommen, und Petrus loslief, und dann unterging. Wie in der anderen Nacht, als Petrus mutig genug war, dem Verhaftungskommando zum Hof des Pilatus zu folgen, und dann kläglich versagte; kein Bekenntnis zu Jesus ablegte, dem Christus, dem Retter, sondern alles ableugnete.

Nein, Petrusist kein Fundament für die Kirche, auf der sie gebaut werden kann. Das Fundament ist das Bekenntnis,das er abgelegt hat: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Das heißt auch: Niemand kommt zu Gott außer durch ihn.

Das führt in der Missionssituation immer wieder zu Spannung. Denn es bedeutet auch: Keiner kann sich seine Religion zurechtbasteln, auch wenn er für Jesus ein bisschen Platz darin lässt. Zu ihm zu gehören, das gibt es nur ganz. Mit dem ganzen Leben. Und dem ganzen Menschen.

Dass wir aber zu ihm gehören können, ganz, mit Leib und Seele, und für Zeit und Ewigkeit, das liegt daran, dass Gottes Sohn sich entschieden hat, unser Retter zu werden. Er hatte sich für Petrus und Johannes und die anderen entschieden. Und für uns. Das Bekenntnis des Petrus, das ist die Antwort darauf.

Nicht wir haben uns für Jesus entschieden, sondern er hat sich für uns entschieden. Das bekennen wir mit dem gesamten Glaubensbekenntnis. Das werden wir deshalb auch gleich miteinander sprechen.

Und diese Entscheidung von Jesus für uns ist so stark, dass darauf die ganze Kirche steht. Mit ihren Millionen und Milliarden von Christen aus allen Zeiten und aus allen Ländern. Christen können ins Gefängnis gesteckt werden, weil sie sich zu ihm bekennen. Aber das heißt, das Evangelium kommt auch ins Gefängnis, dass auch die es hören, die nicht rauskönnen.

Christen können misshandelt werden. Und sie können getötet werden. Beides nimmt zu in unserer Zeit und wird weiter zunehmen. Mag sein, dass die Christen irgendwann nur noch im Untergrund zusammenkommen können. Und ihr, die jetzt noch jung seid, werdet den Glauben noch nötiger brauchen.

Aber seit Christus vom Tod auferstanden ist, kann ihn keiner mehr umbringen. Kein Diktator, kein fanatischer Anhänger einer anderen Religion, kein brutaler Aufseher im Gefängnis. Die Kirche hat alle bisherigen Regierungsformen überdauert. Noch ist Christus nicht wiedergekommen. Noch hat Gott Geduld, dass sich Menschen noch bekehren. Auch die Verfolger der Kirche. Für die Verfolgten bitten wir: Ja, komm, Herr Jesus. Und glauben gewiss, dass die Kirche bis dahin bleiben wird. Und so lange gilt: Das Heil ist in ihr zu finden.

Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr (ohne Predigtreihe)

Thema: Das Leiden der Christen in der Endzeit, Christenverfolgung heute

Schmidt, P.