Predigt vom 15.9.2019 (Mark. 3,31-35, Ps 139,1-3+5, Ps  90,14)


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Create Date15. September 2019
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Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

Liebe Gemeinde,

Wir haben es gerade erlebt, dass zwei von uns zu Geschwistern von Jesus geworden sind, zu seinem Bruder und seiner Schwester. Gott hat sie als seine Kinder angenommen, sie gehören jetzt zu seiner weltweiten Familie, zur heiligen christ­ lichen Kirche. Und jetzt hören wir, dass die Familie von Jesus kommt und – ja, was wollen sie?

Jesus sitzt in einem Haus, in einem Kreis um ihn herum sitzen Männer und Frauen und Kinder, er spricht zu ihnen von Gott dem Vater und davon, dass Gott nicht den Tod des Menschen will, der sich gegen ihn auflehnt, der von ihm nichts wissen will, sondern dass Gott ihm nachgeht, ihn zurückruft in seiner großen Liebe, damit er umkehrt und gerettet wird. Und die Zuhörer merken: Jesus sagt damit, ich bin von Gott im Himmel zu euch gekommen. Der Vater, von dem ich zu euch rede, und ich sind eins. Ich bin der Retter, den Gott vor langer Zeit versprochen hat, durch den alle Menschen gerettet werden sollen. Offenbar sind die Leute davon gepackt. Sie sind ja nicht draußen, wo die anderen Kinder spielen, sie sind nicht bei ihrer Arbeit oder beim Einkaufen. Sie können's wohl noch gar nicht richtig fassen, dass Gott den Retter zu ihnen geschickt hat, in dieses Haus.

Was für ein gewaltiger Anspruch, liebe Brüder und Schwesten. Der britische Schrift­ steller C. S. Lewis hat mal gesagt, man kann Jesus nicht einfach für einen guten Menschen halten. Entweder glaubt man, dass er Gottes Sohn ist – so, wie es die Zuhörer Jesu an dem Tag vielleicht ein kleines bisschen ahnen und später nach seinem Tod und seiner Auferstehung immer mehr glauben mögen. Oder – ja, sonst kann Jesus nur ein Angeber sein, ein Verführer sein, noch mehr: Er muss verrückt sein. Heute wäre er damit ein Fall für die geschlossene Psychiatrie.

Und so denkt Maria, so denken die jüngeren Brüder von Jesus: er muss verrückt sein. Und sie müssen ihn und sich und andere schützen. Denn das hat's schon ein paar mal gegeben, dass jemand so gekommen ist und hat gesagt, er ist der Messias, der Retter, und es hat einen Aufstand gegeben und er ist umgekommen und viele andere auch. Nein, sie müssen ihn da rausholen zu seinem eigenen Schutz. Und dafür sorgen, dass er zuhause bleibt.

Aber Jesus geht nicht vor die Tür. Er bleibt da, wo er ist. Er guckt die an, die um ihn herum sitzen und redet weiter: Ihr seid meine Mutter und meine Brüder, sagt er, und meine Schwestern. Ihr, die ihr mein Wort hört, die ihr glaubt, was ich sage, auch wenn's ein kleiner Anfangsglaube ist. Das heißt: Ihr habt bei dem Vater im Himmel einen Platz, ihr gehört zu ihm. Und was ich als euer Bruder tue, das tue ich für euch. Das heißt auch: sie sollen in der Heiligen Schrift lesen, was über ihn geschrieben ist, im Alten Testament. Und das, was Markus später in seinem Evan­ gelium schreiben wird, und die Apostel in ihren Briefen an die Gemeinden. Sie sollen es lesen und glauben. Denn wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat Vergebung der Sünden, der kommt nicht in das Gericht, der wird ewig leben.

Wir erfahren nicht, liebe Gemeinde, zu welcher Tageszeit das war. Aber ich stelle mir vor, die Menschen, die Jesus an dem Tag gehört haben, haben am nächsten Morgen wieder daran gedacht und hatten Grund, sich wieder neu zu freuen. So wie es im Taufvers für Luana aus dem 90. Psalm heißt:

“Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein

unser Leben lang.”

Ja, wir können uns auch denken, dass da manches Kind dazwischen war, das später zurück­ gedacht und gesagt hat: Gott hat mich früh mit seiner Gnade gefüllt. Schon als Kind habe ich's gehört, dass er mich annimmt, ohne dass ich es verdiene, und je älter ich werde, desto mehr begreife ich, wie wenig ich das erwarten konnte; desto mehr staune ich darüber.

Wo solcher Glaube wächst, solche persönliche Freundschaft mit Gott, da wächst aber noch etwas anderes mit. Da erkennen wir auch immer mehr, dass wir es mit dem heiligen, allmächtigen, allwissenden Gott zu tun. Vor dem wir nichts verheimli­ chen können. So steht es in dem Taufvers für Fritz im 139. Psalm:

“HERR, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so

weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so

bist du um mich und siehst alle meine Wege. [...] Von allen Seiten umgibst du

mich und hältst deine Hand über mir.”

Das hat für David, der diesen Psalm gedichtet hat, durchaus etwas Bedrängen­ des. Gott ist auf allen Seiten, er kann ihm nicht ausweichen, kann ihm nicht entkommen. Gott kennt jeden Winkel seines Herzens, er kann nirgendwo etwas hinpacken, das Gott nicht sieht. David hat's selber versucht, wollte sich und Gott einreden, dass die Sünde, die er getan hat, keine wirkliche Sünde war. Bis der Prophet Nathan zu ihm gekommen ist und ihm seine Schuld auf den Kopf zugesagt hat. Und David ist umgekehrt, hat sich fallen lassen in Gottes Hand und hat gebeten, dass Gott ihm vergibt. Da aber hat er erfahren, wie wunderbar es ist, dass Gott so auf allen Seiten um uns ist und in uns, wenn wir an ihn glauben: Denn dann ist Gott dazwischen, wenn der Teufel uns anklagen will mit unserer Schuld, die unser Bruder und Herr doch für uns ans Kreuz getragen hat. Dann hält Gott auch seine Hand über uns, wenn der alte Feind uns in dieser Welt schaden will.

Du und ich, wir sind in den Tod und in die Auferstehung Jesu hinein getauft. Lasst uns glauben, dass er für uns gestorben und auferstanden ist, und mit ihm leben. Denn bei ihm haben wir's: Vergebung der Sünde und ewiges Leben. Amen.

13. Sonntag nach Trinitatis (Predigtreihe I neu)

Predigtgottesdienst mit 2 Taufen

Daniel Schmidt, P.