Predigt vom 13.8.2017 (Matth. 7,24-27)


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Create Date13. August 2017
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(Jesus spricht:) Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß.

Liebe Brüder und Schwestern in Christus,

Da ist eine junge Familie unterwegs im afrikanischen Busch. Sie haben sich einen Geländewagen gemietet, Vierradantrieb. Die Campingausrüstung haben sie auch gleich mit gemietet; Zelt, Kocher und alles ist dabei. Und weil auch mal etwas schiefgehen kann, mehrere Kanister mit Extra-Wasser zum Trinken, und für das Auto zwei Reserveräder.

So suchen sie am ersten Abend einen Platz zum Schlafen. Und finden ein trockenes Flussbett. Klar, im August ist Winter auf der Südhalbkugel, laut Wikipedia fängt die Regenzeit erst Ende September wieder an. Flussbett ist gut keine Dornen, flacher Sand, da schlagen sie ihr Zelt auf. Noch eine kleine Rundfahrt vor Sonnenuntergang, da ist noch irgendwo ein Wasserloch, ein paar Flusspferde am Rand, schön rundlich, süß! ruft die kleine Tochter, und ja, das wär's doch, das Kind dem Flusspferd auf den Rücken setzen, und dann ein Foto für Facebook aber hier, liebe Gemeinde, breche ich lieber ab. Denn es gibt kaum etwas Gefährlicheres als das, was diese erfundene Familie da gerade mit so viel Freude an ihrem Afrikaerlebnis tut. Flusspferde gehören zu den gefährlichsten Tieren in Afrika. Und dass ein Flussbett im Moment trocken ist und die Trockenzeit offiziell noch ein paar Monate andauert, ist keine Garantie. Da reicht ein Wintergewitter irgendwo weiter oben, ein Dammbruch, und innerhalb kurzer Zeit wälzt sich eine Flutwelle herab und reißt alles mit. Wie schnell das passiert und wie machtlos man da ist, das haben wir ganz ähnlich gerade in den Nachrichten mitbekommen von der Überschwemmung in Hildesheim und Braunschweig, und dann den Schlammlawinen in Österreich.

Nun ist es ganz menschlich, nicht nur an einen Erst-Urlaub in solcher wunder­ baren Umgebung so heranzugehen, sondern auch an das Leben an sich. Mit dem Blick darauf, dass das Leben Spaß macht, dass man etwas erlebt. Und dass es deshalb auch nicht zu anstrengend wird. Zumindest da, wo man keinen großen Nutzen davon sieht. Sonst macht es ja gleich weniger Spaß.

Da macht man eine Ausbildung, aber man sieht auch zu, dass der Erlebnisfaktor nicht darunter leidet. Der Skiurlaub sollte schon drin sein oder das Quadbike für's Wochenende, der Flach-Plasma-Großbild-Fernseher auch. Dann ein Job, aber möglichst mit geregelten Arbeitszeiten und mit gutem Einkommen. Weil die Wochenenden verplant sind mit Party und Sport und Ausschlafen.

Der eigene Hausbau, das will man dann auch, wenn's geht, und da bringt man schon einen Einsatz, da hat man ja dann auch was davon. (Und erleben kann man da auch einiges, wie jeder weiß, der schon mal gebaut oder renoviert hat, auch manches Unvorhergesehene.)

Das kostet also durchaus einige Mühe, so wie man beim Zelten im Flussbett zwar schon einen Stellplatz hat, aber doch herausfinden muss, wie der Bauplan für das Zelt funktioniert. Und für das Kaffeekochen am Morgen muss man erstmal Holz hacken und Feuer machen und dann aus der schlafenden Ehefrau heraus­ bekommen, in welcher Tasche ganz unten die Dose mit dem Kaffeepulver ist.

So ein Lebensentwurf, das heißt dann auch nicht, dass man nicht ein bisschen weiterdenkt. Da ist es einem jungen Paar neben dem Hausbau schon wichtig, dass sie ihre Kinder ordentlich erziehen, dass sie neben der Schule Musik und Sport treiben, und zu Weihnachten singt man auch mal ein Lied aus dem Gesangbuch und nimmt's digital auf und stellt's ins Internet für die Großeltern. Sie haben nichts gegen die Kirche, aber sie brauchen das Wochenende dringend zum Ausschlafen (das kann man doch auch verstehen).

Von solchen ganz normalen Lebensentwürfen redet Jesus in unserem Abschnitt aus der Bergpredigt. Also nicht von Leuten, die scheinbar gedankenlos durchs Leben gehen, die keine Verantwortung übernehmen im Ort oder im Beruf oder füreinander, oder die sich vor allem nur amüsieren wollen. Sondern von ganz normalen, scheinbar ganz vernünftigen Leuten. Und trotzdem sagt er, dass der Mensch mit so einem Lebensentwurf sein Leben in den Sand setzt; in ein Wadi, wie so ein trockenes Flussbett im Nahen Osten heißt. Wo jeder Israeli weiß, dass das das ganze Jahr trocken sein kann, ja, viele Jahre hintereinander, und mit einem Mal wälzt sich eine Flutwelle herab und alles ist weg. Denn so zu leben, das heißt, die Augen zu verschließen gegenüber dem, was ganz gewiss über jeden herein­ brechen wird: der Tag, an dem der eigene Lebensentwurf an sein Ende kommt, an dem man vor seinem Schöpfer steht, an dem jeder gefragt wird, was er in seinem Leben gedacht und getan und gesagt hat, und was er unterlassen hat.

Gewiss ist davon jetzt noch nichts zu sehen. Gewiss haben viele auch in der Kirche die Rede von einem Gericht über alle Menschen am letzten Tag längst in die Schublade gesteckt, auf der Mittelalter steht. Die Schublade, in der schon die Schauspieler stecken, die man im neuesten Lutherfilm sieht, die den Menschen auf den Marktplätzen fürchterliche Bilder von der Folter im Höllenfeuer zeigten und dann als Gegenmittel die Ablassbriefe anboten; sie haben beschlossen, dass ein lieber Gott nicht zugleich einer sein kann, der klare Erwartungen hat, wie der Mensch leben und sein soll, und auch danach ein klares Urteil sprechen wird.

Aber dieses Gericht kommt. Jesus spricht ganz klar davon. Ja, deshalb hat er Johannes vorher kommen lassen, dass er die Menschen zum Umkehren ruft. Deshalb warnt er gerade die frommen Leute seiner Zeit, die meinen, sie müssen sich keine Sorgen machen, sie werden in dem Gericht gut bestehen. Und er warnt uns und die, die heute leben, solange wir noch eine Möglichkeit haben zu hören und zu tun, was er sagt.

Was aber will uns Jesus sagen? Was meint er mit dem zweiten Menschen, der sein Haus auf den Felsen baut? Da müssen wir vom Flussbett ein ganzes Stück weiter nach oben gucken, an die Felswand an der Seite. Da hat der sein Haus gebaut. Und das sieht zunächst einmal gar nicht so viel anders aus als das im Fluss. Man kann sich nur denken, dass er es schwerer gehabt hat, da oben zu bauen, und dass er auch ein bisschen mehr Mühe hat, es zu erreichen. Aber dass sich das lohnen soll, das ist gar nicht so leicht, das dem anderen da unten zu erklären.

So ist das mit einem Menschen, der sein Leben auf den Felsen baut; den Felsen, der Christus heißt. Der lernt und arbeitet und hat seine Freizeit; er hat Freuden und Interessen und Probleme, hat Freunde, verliebt sich, liebt schräge Musik (oder auch nicht), wie andere auch. Nur, dabei hat er es vielleicht nicht so leicht wie andere. Er verzichtet jeden Sonntag auf das Ausschlafen, er sucht sich nicht zuerst einen Beruf, der ihm möglichst feste Arbeitszeiten, einen schnellen Aufstieg und möglichst bald ein hohes Gehalt einbringt; er nimmt auch als Selbständiger nicht jede Abkürzung, um es weiterzubringen als die anderen, um eine Bilanz am Jahresende zu haben, die nach den geltenden Regeln für die Steuerabrechnung eigentlich nicht möglich ist. Sondern er hat den anderen genauso im Blick wie sein eigenes Auskommen. Fragt, was er für andere tun kann, nimmt dafür auch Wochen mit 60 oder 70 Stunden in Kauf, und ist zu Sondereinsätzen bereit, wo es gebraucht wird. Er fragt auch nicht sofort, was für ihn dabei herauskommt. Und an die große Glocke hängen muss er das auch nicht. Er trägt dabei keinen Ansteck­ knopf, auf dem steht, Bin-immer-für-alle-da. Und findet es vielleicht auch gar nicht so verkehrt, dass er ein bisschen weniger Geld zum Ausgeben hat, als er haben könnte, weil er mit seiner Zeit oder seinem Geld anderen hilft, die es brauchen.

Und und jetzt wird es ein bisschen spannend, auch wenn Jesus das nächste einfach voraussetzt: Ein Christ weiß auch, dass sich niemand so ein Fels-Fundament selbst schaffen kann. Auf unsere moralische Zuverlässigkeit, auf die Stärke unseres Glaubens, auf unser Gebetsleben da ist kein Verlass darauf. Das Fundament ist einer: Christus. Und darauf sollen wir uns nun auch verlassen.

Nicht nur, wenn es hart auf hart kommt, wenn uns auch ohne Nachdenken klar wird, dass wir nicht ewig topfit sind und dass nicht nur das Arbeiten mal ein Ende hat, sondern auch das Urlaubmachen und das Leben hier.

Sich auf Christus verlassen, das heißt zunächst, sich mit Gottes Wort befassen. Sich mit sich selber auseinanderzusetzen was den Glauben angeht. Sich neu auseinanderzusetzen mit dem, was man als Konfirmand mal gelernt hat (wenn man die Chance dazu hatte). Und auch mit der eigenen Kirchengemeinde und Kirche, mit all ihren Schwächen und ihren schönen Seiten, auch kritisch. Aber eben deshalb, weil es um diesen Felsen geht, um das Fundament für unser Leben, für unser Sterben und unsere Seligkeit. In der Heiligen Schrift zu bohren, weil es da um unser Leben geht. Weil sie nicht nur ein Regal ist wie im Baumarkt, aus dem man sich das heraussucht, was man im eigenen Leben gerade ganz gut einbauen kann. Weil das Leben nicht wie Fernsehen vom Sofa aus ist, wo man mit der Fernbedienung von allem gleichzeitig immer das mitnimmt, was nicht zu langweilig ist. Sondern weil es uns von Gott gegeben ist und wir es mit ihm leben sollen.

Sein Leben auf den Felsen zu bauen, heißt, dem zu vertrauen, was Christus sagt. Zu vertrauen, dass der nicht zu kurz kommt, der sich die Mühe macht, sein Lebens­ baumaterial auf diesen Felsen heraufzuschleppen und dort zu bauen. Das heißt, für die Zukunft zu denken und vorzusorgen, aber sich nicht um sie zu sorgen. Weil der das nicht nötig ist, der sein Leben auf diesen Felsen baut. Und zu glauben auch gegen allen Augenschein und alles Gefühl dass nicht der frei ist, der jedem Verlangen hier drin nachgibt und der Versuchung selbst die Tür aufmacht wie einer Einladung zu einem wirklich erfüllten Leben. Sondern dass der frei wird, der an Christus gebunden ist und damit auch der Versuchung den Kampf ansagt. Gerade der, die ihn ganz persönlich lockt.

Und sein Leben auf den Fels zu bauen heißt schließlich auch, andere einzuladen, es auch zu tun. Sein Kind auf ein Flusspferd setzen zu wollen oder sein Zelt in einem Flussbett aufzuschlagen das gehört zu dem Dümmsten, was man machen kann. Auch wenn hundert andere auf dieselbe Idee kommen und das Flussbett schon zu einem munteren Camping-Platz geworden ist. Ja, dass das so dumm ist, muss uns Menschen gesagt werden, weil wir offenbar so einen Herdentrieb haben und den anderen Schafen nachlaufen statt dem Hirten.

Und es ist gut, wenn wir uns das dann auch sagen und sagen lassen. Denn es geht hier eben nicht um einen Film, der abläuft, der gerade deshalb so schön ist, weil alles Gefährliche an den Nerven kitzelt und einem außen vor dem Bildschirm doch nicht passieren kann. Sondern es geht um das wirkliche Kampfgeschehen, um das alles Entscheidende im eigenen Leben und in der Welt. Wer so lebt, der weiß, dass es woanders vielleicht einen größeren Spaßfaktor gibt, aber kein größeres Erlebnis.

Und schließlich heißt dein Leben auf den Fels bauen auch, gib nicht auf, wenn es scheinbar keinen Nutzen hat. Gib dein Glaubens-Leben nicht auf. Auch wenn der Spaß- und Bequemlichkeitsfaktor da unten viel größer zu sein scheint. Und wenn du merkst vielleicht schon in der Oberschule , dass viele kein Verständnis dafür haben, warum es so entscheidend ist, was dieser Jesus zu unserem Verhalten sagt. Die Prüfung, durch die dein und mein Leben durch muss, die kommt bestimmt. Noch viel gewisser als die Flutwelle im trockenen Flussbett. Dann wird sich zeigen, wer sein Leben in den Sand gesetzt hat.

Wer diese meine Rede hört und tut sie, de gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute, sagt Jesus. Seine Rede, das ist in dem Zusammenhang die Bergpredigt, zusammengefasst mit dem Satz: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit. Dann wird euch alles andere zufallen (Matth. 6,33).

Dann wird unser Leben im Gericht bestehen nicht, weil wir so tolle oder fromme Bauleute sind, was unser eigenes Leben angeht. Sondern weil uns dieser Fels hält, der Christus heißt. Amen.

9. Sonntag nach Trin. (Reihe III)

Daniel Schmidt, P.