Predigt vom 10.5.2020 (2. Chronik 5,2-5+12-14)


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Create Date10. Mai 2020
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Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. Und es versam­melten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat gefeiert wird. Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.– und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertundzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eineStimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus des HERRN erfüllt mit einer Wolke, so daß die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

es tut gut, euch wieder zu sehen während der Predigt, auch wenn es ungewohnt ist, dass wir hier mit Mund- und Nasenschutz sitzen und mit solchen Abständen zwischen uns. Unsere Gottesdienste sind ja nicht ausgefallen in den letzten Wochen. Wir konnten dazu nur nicht in diesem Gotteshaus zusammenkommen und haben sie einzeln in unseren Häusern gefeiert. Gottes Wort haben wir dabei gehabt, und seine Zusage, dass er da unter uns ist, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Und den Klang des Gottesdienstes hat es bei vielen von uns im Wohnzimmer oder am Küchentisch gegeben und gibt es weiterhin, wenn das Gesangbuch aufgeschlagen und gesungen wurde, wenn unsere Gottes­ dienstaufnahme für den YouTube-Kanal auf dem Computer lief oder wenn in Zahrenholz die Bläser regelmäßig draußen gespielt haben. Vielleicht war ja da zuhause bei manchem mehr Sonntagsklang als sonst.

Gerade die Musik hat für viele in dieser Zeit eine besondere Rolle gespielt. In manchen Orten haben Nachbarn abends aus dem Fenster oder vom Balkon zusammen gesungen, “Der Mond ist aufgegangen”. Und wenn es da in der letzten Strophe heißt, “so legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder”, klingt ja in einer Zeit wie dieser eine tiefe Bedeutung mit. Denn “in Gottes Namen” heißt, er ist bei mir, auch wenn ich nicht in sein Haus kommen kann. Ich lege meine Sorge vor dem Virus, vor den finanziellen Folgen der Krise in seine Hand. Der lasse mich ruhig schlafen, denn ich weiß und glaube, dass er auch morgen für mich sorgen wird; auch wenn ich mehr alleine bin als sonst, mehr zu jonglieren habe mit home office oder der Arbeit in einem Pflegeberuf und der gleichzeitigen Kinder­ betreuung zuhause.

Und er hatfür uns gesorgt und tut es auch weiterhin. Es war möglich, im kleinen Kreis zuhause das heilige Abendmahl zu empfangen, wir durften hier in der Kirche einen Taufgottesdienst feiern (ja, unsere Gemeinde ist in dieser Zeit gewachsen), und nun sitzen wir wieder in unserer Kirche. Ist das nicht eine Freude?

Und da hören wir gerade an diesem Sonntag von der Freude des Volkes Israel, das vor rund 3000 Jahren ganz neu in sei Gotteshaus kam. Salomo hatte den ersten Tempel gebaut, und dann kamen sie alle zur Tempelweihe. Da war's ganz ähnlich wie hier vor gut 140 Jahren, als das Kruzifix und die Abendmahlsgeräte und die Bibel von den Kirchenvorstehern von Zahrenholz hierher gebracht wurden, die Tür aufgeschlossen wurde und die Geräte hineingetragen wurden. So wurden die Geräte für die Opfer zum Tempel gebracht. Und aus der Burg Davids wurde das Zelt der Gegenwart Gottes geholt, das sie in der Wüstenzeit begleitet hatte, und die Bundeslade wurde feierlich  in den innersten Bereich des Tempels gebracht, das Allerheiligste. In diesem Kasten mit den langen Tragestangen lagen die beiden Steintafeln, auf denen Gott seine 10 Gebote aufgeschrieben hatte. Sein heiliger Wille, der wird da gehört, wo er versprochen hat, sich von uns finden zu lassen. Da, wo er uns mit dem dritten Gebot hinzieht, wenn er sagt, “Du sollst den Feiertag heiligen”, wenn er uns sein Wort ans Herz legt, dass wir's gerne hören und aufnehmen und lernen.

Und über dem goldenen Deckel der Bundeslade waren zwei goldene Engel, die ihre Flügel darüber breiteten – das Zeichen, dass Gott gnädig seine Hände über uns breitet, auch da, wo wir seine Gebote gebrochen haben. Wo wir bekennen müssen, dass wir als sündige Menschen alle persönliche Not und alle gemeinsame Not verdient haben. Engel als Gottes Boten, die uns seine Gnade zeigen. Gold wie Gottes herrliche Gegenwart, und wie sein göttliches Lösegeld für unsere Schuld.

Und nun hören wir in diesem Bericht etwas, das etwas ganz Besonderes war. Denn die Bundeslade bekam sonst keiner zu sehen. Die war in der Stiftshütte gewesen, in die Mose als einziger reinging, um mit Gott zu sprechen, und die war im Tempel von dem Tag an hinter dem Vorhang des Allerheiligsten. Da ging nur der Hohepriester hinein, einmal im Jahr. Aber an dem Tag, als die Türen zum Tempel aufgingen, da sahen alle die Bundeslade, und sie sahen so mit ihren Augen, was das Gotteshaus ist: Der Ort, wo wir in die Gegenwart des heiligen Gottes kommen, wo sein Wille verkündet wird und seine Gnade zu finden ist.

Das war für Israel an dem Tag ein gewaltiger Grund zum Loben.  Die Leviten – also die Sänger und Helfer für die Gottesdienste – und die Priester hatten ihre Festtagskleidung an. Wir hören die Namen von drei Sängern, und dann heißt es, der Chor bestand aus ihnen und ihren Brüdern und Söhnen. Offenbar waren das die besonders musikalischen Familien, wo alle Generationen mitmachten – das kommt uns in Oesingen ja bekannt vor. Und dazu hundertundzwanzig Bläser mit Blechblasinstrumenten, Trompeten, aus Silber. “Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus des HERRN erfüllt mit einer Wolke, so daß die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.” Die Wolke, das war die Art, die Gott gewählt hatte, um bei seinem Volk auf dem Weg durch die Wüste zu sein und es zu führen. So wie bei ihren Vätern und Müttern, so würde er in diesem Haus bei ihnen sein. Das zeigte er ihnen an dem Tag. Und die Wolke ist es, die die Jünger sehen, als Jesus vor ihren Augen nicht mehr sichtbar ist am Tag seiner Himmelfahrt. Die bleibende Gegenwart Gottes bei ihnen.

Laut singen und laut blasen können wir in diesem Gottesdienst nicht, obwohl das sonst gerade zum Kantatesonntag so sehr dazugehört. Aber das heißt nicht, dass wir Gott nicht loben können. Ich habe mal einen Pastor in der lutherischen Kirche in Australien gebeten, der eine Gehörlosen-Gemeinde hat, mir eine Aufnahme von einem gesungenen Lob Gottes zu schicken, das man nicht hören kann. Da sieht man, wie auch in einem Gehörlosengottesdienst gemeinsam gesungen wird; nicht mit der Zunge, aber mit den Händen. Gottes Lob wird durch unsere Schwachheit und durch unsere äußeren Umstände nicht zum Schweigen gebracht. Wir singen im Herzen, wir glauben und bekennen, dass die Engel sein Lob singen, und wir können es heute im Auto und zuhause kräftig tun.

Und wir haben Grund dazu. Was das Volk Israel am Tag der Tempelweihe zum ersten Mal hatte, das können wir vielleicht für uns ganz neu entdecken, wenn wir nach diesen Wochen zum ersten Mal wieder hier zusammenkommen. Überhaupt habe ich von manchen gehört, dass sie auch in unseren Gottesdienstaufnahmen für das Internet hier in der Kirche manches entdeckt haben, was sie sonst nie so bewusst gesehen haben; manchen Ausschnitt aus unseren Glasfenstern und dem Kirchraum. Mit unserem Predigtabschnitt heute können wir neu entdecken, was es heißt, dass Gott sich an bestimmten Orten finden lässt. Wir können sein Wort ganz gewiss überal hören, aber hier ist sein Haus, wo keine andere Stimme dazwischen redet. Wir können sein heiliges Abendmahl auch am Krankenbett und am Wohnzimmertisch feiern, aber hier haben wir's vor Augen, dass hier unsere Vorfahren gekniet haben und, Gott geb's, unsere Kinder und Enkel knien werden. Hier haben sie ihren Glauben bekannt, und wir sprechen die Worte ihnen nach als Stärkung für unseren eigenen Glauben.

Liebe Gemeinde, es ist anzunehmen, dass die Bücher der Chronik Israels lange nach dem Bau des ersten Tempels aufgeschrieben wurden. Da war er bereits zerstört und die Bundeslade war verloren. Und doch spürt man es diesem Bericht an, dass die, die ihn gehört und gelesen haben, damit selbst in das Lob und das Bekenntnis ihrer Vorfahren hineingenommen wurden, obwohl der Tempel in Trümmern lag und sie nicht in ihm zusammenkommen konnten zum Gottesdienst. Denn Gott tut, was er verspricht. Zu manchen Zeiten lässt er es uns deutlich sehen, wie heute, wo die Kirchtüren wieder für uns offen sind. Zu anderen Zeiten gilt in besonderer Weise das, was unser Herr dem Apostel Thomas nach seiner Auferstehung gesagt hat: “Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.”

Und noch etwas anderes gilt, ob wir laut singen und blasen können oder nicht. Die 120 Trompeten, die hat man in Sicherheit in der ganzen Stadt Jerusalem gehört. Es ist kaum vorstellbar, dass irgendjemand dort nicht dabei sein wollte, als der Tempel offen war. Aber selbst die, die am Gottesdienst nicht teilnahmen, bekamen dadurch etwas mit vom Lob Gottes. So soll es mit uns auch sein in unserem Alltag: Auch die, die das Kino oder den Sport oder den Restaurantbesuch oder den Flug nach Mallorca mehr vermisst haben als die Kirche sollen unser Bekenntnis hören und in unserem Verhalten sehen. Ja, Gott gebe es, dass unser Leben sein Lob ist. Amen.

(Daniel Schmidt, P.)