Predigt vom 1.10.2017 (Erntedankfest; Ps 127,1-3)


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Create Date1. Oktober 2017
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Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst. Es ist umsonst, daß ihr früh aufsteht und hernach lange sitzt und esst euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf. Siehe, Kinder sind eine Gabe des HERRN, und Leibesfrucht ist ein Geschenk.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Wenn ich in Botswana Taufunterricht gehalten habe, habe ich ganz vorne ange­ fangen. Damit, wie Gott die Welt geschaffen hat. Und ich habe das mit einem Bild getan, das sie sich gut vorstellen konnten: Ein Mann, der eine Frau heiraten will und vorher alles für sie vorbereitet: Er legt ein Grundstück an, pflanzt Gemüse und Obst (das Übliche halt, Mais und Hirse – rote und gelbe, und die weiße, die so gut schmeckt; Bohnen, Kürbisse, Süßkartoffeln, Papayas), besorgt Hühner und Ziegen, füllt den Kleider­ schrank und die Speisekammer. Und die ganze Zeit denkt er an seine Frau, die das noch nicht gesehen hat, aber für die er alles schön macht. Weil er da mit ihr leben will, weil er sie liebhat.

Und dann kommt die Hochzeit und er bringt sie in dieses schöne Haus. Und sie könnte glücklich und zufrieden mit ihm sein.

So hat Gott an sechs Schöpfungstagen alles für den Menschen vorbereitet. Er hat das Licht gemacht, weil wir das brauchen, um zu leben. Und an der Sonne sehen wir die Tageszeit, aber auch die Jahreszeit, mit Mond und Sternen kann man, wenn man es gelernt hat, auch nachts seinen Weg finden. Er hat Wasser und trockenes Land getrennt, weil wir beides zum Leben brauchen. Er hat die Natur mit ihrer Vielfalt an Pflanzen und Tieren gemacht, mit so verschwenderischen Farben und Formen und Lauten, dass wir es alle sehen können, wenn wir nur wollen: Das ist nicht das Ergebnis von Zufall. Da hat einer schöpferisch gearbeitet, mit Freude am Gestalten, am Sehen und Hören. Der, der am Schluss selbst voll Freude fest­ gestellt hat: Es ist sehr gut.

Und Gott hat reichhaltige Nahrung wachsen lassen. Und das alles, bevor der Mensch da war. Aber für ihn. Wie es im 1. Buch Mose heißt: “Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte.” Und da sieht der Mensch etwas, was die Evolutionstheorie nicht sieht, und was auch in der Diskussion um die Erhaltung der Umwelt nicht vorkommt: Gott hat die Welt gemacht, und er hat sie für den Menschen gemacht.

Aber wir wissen, wie es weitergegangen ist. Die Welt wollte der Mensch haben. Aber er wollte sie für sich haben. Er wollte sein wie Gott: Selbst bestimmen, was er macht, und was er mit der Welt macht. Die heilige Schrift beschreibt das immer wieder mit dem Bild einer Ehefrau, die von ihrem Mann geliebt wird, die das nimmt, womit er für sie sorgt, aber sich einen anderen Liebhaber sucht. Aber was der Mensch damit verloren hat, das ist das Leben. Das Leben, so wie Gott es gewollt hat: In Einklang mit dem Schöpfer, ohne Bedrohung durch Krankheit, durch Umweltkatastrophen und Umweltverschmutzung. Ja, seitdem sieht der Mensch seinen Schöpfer nur noch wie durch Smog: er ahnt, dass es eine “höhere Macht” über der Welt gibt, aber erkennt Gott nicht.

Die Folgen, die das für Tiere und Pflanzen, für Wasser und Luft hat, werden heute oft diskutiert. Das betrifft unsere Gesundheit. Und unsere Zukunft. Deshalb müssen wir etwas tun.

Gottes Wort sagt's anders. Von Anfang an heißt es da, der Mensch soll das, was Gott für ihn angelegt hat, bebauen und bewahren. Also nicht erst seit dem Sünden­ fall, seit der Katastrophe. Und am Rande beobachtet: Das Paradies war kein “Schlaraffenland”, war nicht für Faulpelze. Garten- und Feldarbeit gehörte dazu.

Von diesem Bebauen und Bewahren aber gilt das gleiche, was Psalm 127 vom Hausbau sagt:

“Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. ... Es ist umsonst, daß ihr früh aufsteht und hernach lange sitzt und esst euer Brot mit Sorgen.”

Handgreiflich wird das beim Wetter. Als wir angefangen haben, uns Gedanken um die diesjährige Herbstaktion der Konfirmanden zu machen, war klar: Apfelsaft­ pressen ist “out”. Weil im Frühjahr so viele Obstblüten erfroren sind. Und wenn sich auch Mähdrescher mit Raupenfahrwerk auf dem nassen Acker festfahren, dann ahnt auch ein Laie, dass das Wetter tage- und wochenlang nicht das war, was für einen Landwirt zur Erntezeit “gutes Wetter” wäre. Und beides heißt, in Arbeitszeit und Kosten gerechnet, dass bei viel Aufwand nicht immer viel herauskommt.

“Wenn der Herr nicht das Haus baut” – das ist die Erinnerung, dass wir bei all unserem Arbeiten davon abhängig sind, dass er seinen Segen dazu gibt. Das gilt auch für Arbeit im Werk, im Büro und zuhause. Das erinnert uns auch daran, dass wir Grund haben zur Dankbarkeit, dass sich immer noch Saat und Ernte, Sommer und Winter, Tag und Nacht abwechseln. Grund zur Dankbarkeit für vieles, was wir haben und was nicht selbstverständlich ist: Dass wir in einem Staat leben, in dem es Krankenversicherungen gibt, in dem es einer, der von Hartz-IV leben muss, bestimmt nicht leicht hat, aber er verhungert nicht. In der die Währung ziemlich stabil ist, in dem es ein Rentensystem gibt. Und dass Gott uns zwar manchmal spüren lässt, dass bei unserer Arbeit wenig herauskommt, aber auch oft viel mehr gibt, als wir zum bloßen Überleben brauchen.

“Wenn der Herr nicht das Haus baut”, das heißt auch: Wenn wir ohne ihn bauen, ist es umsonst. Jesus sagt das mit dem Bild von dem Haus, das einer auf den Sand baut. In ein trockenes Flussbett in Palästina, in dem Monate lang kein Wasser fließt, und manchmal jahrelang. Aber wenn dann der Wind kommt und der Regen, dann bleibt nichts davon.

Es steckt in uns drin, dass wir uns etwas aufbauen wollen im Leben. Aber uns selbst bleibt am Ende nichts davon, auch wenn wir ein Haus oder ein Auto der nächsten Generation hinterlassen können. Bleiben tut nur für den etwas, der schon jetzt eine Wohnung hat im Haus des Vaters, die Jesus für uns bereitet hat. Für den, der durch seine Taufe zu Gottes Familie gehört, und der sein Leben hier deshalb nicht auf Sand baut, sondern auf die felsenfeste Zusage Gottes: wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden. Das heißt, der wird dabei sein, wenn die Engel für Gott die Ernte einholen.

Wenn der Herr nicht das Haus baut, dann ist auch unser Sorgen um das Haus umsonst. Die Sorge, die wir uns um unser eigenes Leben machen, um unsere Familie, um einen Arbeitsplatz und Einkommen und Auskommen. Ja, auch die Sorge um diese Welt. Denn auch wenn wir sie pflegen und bebauen – und dazu gehört auch alles Bemühen um den Umweltschutz –, retten werden wir sie nicht. Gerettet ist der, der zur neuen Schöpfung gehört. Der in der Taufe eine neue Kreatur geworden ist, und damit schon zur neuen Welt gehört.

Denn die Welt, in der wir leben, ist ein Auslaufmodell. Sie verbessert sich nicht, und wir werden sie nicht verbessern. Sie muss vergehen, damit alles Böse und Schädliche vergeht. Und damit die neue Welt kommt. Zu der gehörst du dazu, seit deiner Taufe. Freu dich darauf und lebe darauf hin. Er hat dir's schon gegeben, ohne dein Zutun. So wie's unser Psalmvers hier vom täglichen Brot sagt: Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf. Faul sein sollen wir nicht, denn wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Das ist nicht nur ein deutsches Sprichwort, das hat der Apostel Paulus den Christen in Thessalonich auf's Brot geschmiert (2 Thes 3,10). Aber unser Leben haben wir von Gott. Es ist in seiner Hand. Und so wie im Samen schon das neue Leben steckt, wenn er im Frühjahr in die Erde kommt, haben wir das neue Leben schon in uns. Und wenn man uns einmal in die Erde legt, dann kommt in der schönen, ewigen Sommerzeit bei Gott der Mensch heraus, den Gott im Sinn hat: Du wirst ganz Du sein, mit Leib und Seele, aber ganz neu. Ohne Sünde, ohne Schmerzen, ohne Sorgen, ohne schlechte Erinnerungen, ohne Ende.

Darum: Lass ihn dein Leben bauen. Freu dich an dem, was er in dieser Welt an Schönem geschaffen hat für dich, was er auch seit dem Frühjahr für dich wieder hat wachsen lassen. Freu dich, wenn er die Arbeit deiner Hände dazu gebraucht hat, wenn du direkt das Wunder miterleben darfst, dass daraus etwas Neues wächst. Genieße es dankbar, teile mit denen, die wenig haben. Tu, was du kannst, um diese Welt, die Gott gemacht hat, zu erhalten und zu schützen. Und wenn du einen mechanischen oder technischen Beruf hast, wenn die Hausarbeit dein Beruf ist, wenn deine Aufgabe zur Zeit das Studieren ist, dann bitte ihn am Anfang der Woche um seinen Segen dazu. Und leg am Ende das Unvollkommene und das Unerledigte in seine Hand. Und freu dich an Arbeit und Freizeit. Am Leben und an der Welt. Freu dich wie einer, der eine graue Schmetterlingsraupe sieht, die dabei ist sich zu verpuppen, und der weiß, dass daraus in kurzer Zeit ein wunderschöner Schmetterling wird.

Nein, wir reden diese angeknackste, vergängliche Welt nicht schön. Aber haben wir nicht mehr Grund als alle anderen, uns an ihr zu freuen? Gott hat seinen Sohn in diese Wetl geschickt, hat ihn uns in dieser Welt gegeben. Und tut es noch jedes Mal, wenn wir am Altar knien, wenn wir das Brot empfangen, mit dem er uns seinen Leib schenkt. Sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

Liebe Schwestern und Brüder, wir brauchen die Landwirtschaft nicht romantisch zu verklären. Wir tun das ja meist auch nicht mit der Arbeit in der Sparkasse oder als Sanitäter an der Bundesstraße. Wenn Gott nach dem Ab-Fall des Menschen von ihm sagt, der Acker soll uns Dornen und Disteln tragen und wir werden ihn im Schweiße unseres Angesichts bestellen, dann gehört auch Frustration zu unserem Leben dazu. Aber freuen können wir uns auch bei schwerer Arbeit und bei allem, was uns Sorgen macht. Denn wir haben den, von dem alles Leben kommt, ja, der das Leben selber ist.

Deshalb feiern wir Erntedank. Und danken ihm mit Liedern und mit Gebet, und nicht zuletzt mit dem, was wir abgeben. Ja, deshalb sammeln wir heute beim Altarumgang für die Aufgaben unserer Gemeinde, denn was in den Gottesdienst und in die Kirche investiert wird, das ist eine Saat, die in der Ewigkeit aufgeht. Gebe Gott dazu ein fröhliches Herz und seinen Segen, dass viele ihn darüber mit uns loben und das Haus, das er uns dort baut, voll wird. Amen.

Daniel Schmidt, P.