Predigt vom 1.1.2020 (Lukas 2,21 und Kolb 3,17)


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Create Date1. Januar 2020
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“Als acht Tage um waren und man das Kind beschneiden mußte, gab man ihm den Namen Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war.”

“Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.”

Liebe Gemeinde,

Eltern suchen einen Namen für ihr Kind aus. Aber es ist so, als ob das Kind, je mehr es wächst, diesen Namen füllt. Nach einer Liste die beliebtesten Vornamen in Deutschland waren im vergangenen Jahr „Paul“ und „Emilia“ ganz vorn. In ein paar Jahren braucht dann nur jemand diesen Namen zu sagen, und man sieht sie förmlich in ihrer Art, sich zu bewegen, sich zu benehmen oder zu reden. So, wie's einem geht, wenn jemand anruft, den man kennt, und als erstes seinen Namen sagt.

Mir geht es so ähnlich auch mit Jahreszahlen. Die sind auch so etwas wie Namen. Silvester 1944/45 haben viele gehofft, dass Frieden kommt. Das war allerdings jedes Jahr so gewesen seit dem Kriegsanfang. Aber dann kam der Waffenstill­stand, und heute steht die Zahl “1945” für das Ende des Zweiten Weltkriegs. “1989” steht wie ein Name für die Öffnung des Grenzzauns und die freie Fahrt hin und her. Die Zahl 2019 war im letzten Januar noch neu. Aber inzwischen ist sie gefüllt und steht für den Brand der Kathedrale Notre Dame von Paris, einen Wirbelsturm und Überschwem­mungen in Mosambik und Simbabwe, die Ermordung des CDU-Politikers Walter Lübcke, den Anschlag vor der Synagoge in Halle, einen Wechsel im deutschen Verteidigungs­ministerium, mindestens drei Klimakonferenzen und noch viel mehr Klima­demonstrationen.

Und nun stehen wir wieder auf der Schwelle zu einem neuen Jahr: 2020. Wofür wird diese Zahl einmal stehen? Was werden Geschichtsbücher damit verbinden, woran werden wir später einmal im Rückblick denken? Wird es das Jahr sein, in dem der Brexit tatsächlich stattgefunden hat? Welche Skandale, welche Kata­strophen, welche guten Nachrichten werden sich damit verbinden?

In unseren Kirchbüchern werden, so Gott will, auf den Seiten mit der “2020” oben drüber zwei Taufen und zwei Trauungen eingetragen werden; so viele sind bisher angemeldet. Da werden zwei Kinder mit ihrem Namen angeredet und in den Namen des dreieinigen Gottes hineingetauft werden. Da wird nicht nur jeweils einer von den Verlobten vielleicht einen neuen Nachnamen annehmen, da werden Mann und Frau im Namen des dreieinigen Gottes zusammengefügt. Da geschieht etwas, von dem sie versprechen, dass sie von da an als eine neue Person leben wollen. Dass wir uns darauf schon jetzt freuen können, ist ein Zeichen dafür, dass Gott auch im neuen Jahr an ihnen und uns zum Segen handeln will.

Aber damit sind wir schon bei unserem persönlichen Namen. Mit unseren Namen verbinden Menschen ja auch etwas; mit deinem und meinem: eine bestimmte Art von Humor vielleicht, oder eine Haltung, die unseren Umgang mit anderen bestimmt. Mein Name erinnert sicher manche an Dinge, wo ich ihnen nicht gerecht geworden bin. Ich hoffe, dass manche auch Gutes damit verbinden, so wie ich mit manchen Namen Vieles verbinde, was mir gut getan hat, hier und anderswo, und manchmal auch ohne eine enge persönliche Verbindung.

In unserer Taufe hat Gott uns einen neuen Namen gegeben, einen Beinamen, den Namen “Christ”. Ob wir so leben oder nicht, das verbindet sich für die Menschen um uns herum mit “Jesus Christus”. Aber das ist nichts Starres, das für immer feststeht. Unser Verhalten, unser Leben in diesem Jahr wird diesen Namen für uns und für sie neu prägen. Das ist das Schöne daran, dass wir mit Gott jeden Morgen und an jeder “Schwelle”, an der wir stehen, neu anfangen können.

Der Apostel Paulus hat an die Gemeinde in Kolossä in der heutigen West-Türkei geschrieben, “Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus.” Was Menschen mit unserem Namen verbinden, das soll der Name Jesu sein. Und Paulus sagt, “alles, was ihr tut”. Wäre das nicht etwas, das wir uns für das neue Jahr neu vornehmen könnten und sollten? Nein, die Frage ist falsch gestellt. Es geht nicht um “wäre” und “könnte” und “sollte”. Es geht nicht darum, dass wir uns einen bestimmten Lebensstil zusammenstellen und dabei ein paar christliche Dinge mit auf die Liste setzen neben anderen wichtigen und guten Vorsätzen wie “ab Montag mache ich Diät” und “öfter mit dem Fahrrad fahren.” Es ist eine Aufforderung des Apostels, die eben in diesem Namen, im Namen Jesu, auch an uns gerichtet ist. Eine Aufforderung, alles, was wir tun, mit Worten oder mit Werken, in diesem Namen zu tun; ob's auf der Liste mit den guten Vorsätzen ist, oder auf der mit den Pflichten, um die wir nicht herumkommen, oder auf der Liste für Wochenende und Freizeit und Urlaubsaktivitäten.

Wie aber ist der Name “Jesus” gefüllt? Zuerst: Den hat sich Maria nicht ausgesucht. Sondern als der Engel ihr ankündigt, dass sie einen Sohn bekommen wird ohne einen menschlichen Vater, sagt er: “den sollst du 'Jeshua' nennen”, wie es im Hebräischen heißt. Eigentlich ist es in ihrer Zeit die Aufgabe des Vaters, dem Kind einen Namen zu geben. Und genau das geschieht, nur anders, weil es eben der himmlische Vater ist, der den Namen aussucht. Aber sie ist es, durch die dieses Kind seine menschliche Natur annimmt, und so bezieht der Vater hier die Mutter auf besondere Weise mit ein. Und Maria hört den Namen und hört schon vor der Geburt mit, wie er gefüllt ist. Denn “jeshua” heißt “Hilfe“ oder “Rettung“. Das sollen und das werden die Menschen mit seiner Geburt verbinden.

Und Maria hat's begriffen. Das hören wir, als sie zu Elisabeth kommt und von ihr begrüßt wird als Mutter ihres Herrn. Da fängt sie an, Gott zu loben, der die Hungrigen satt macht, den Armen gibt, was sie nötig haben, und die, die ganz unten sind, groß macht. So predigt sie die „Hilfe“ und „Rettung“, die er bringt, mit ihrem Lied. Man könnte es ein prophetisches Lied nennen, weil das Kind ja noch gar nicht geboren ist. Aber das trifft es nicht wirklich. Denn wer dieses Kind ist und womit sein Name gefüllt sein wird, das haben die Propheten ja längst gesagt. Es ist ein Glaubenslied, das die ganze Hoffnung der heiligen Schriften von Mose bis zum Propheten Maleachi zusammenfasst. Damit bekennt Maria, was sie glaubt, auch wenn sie's noch nicht sieht: Jetzt geht es in Erfüllung. Jetzt kommt Hilfe für die Armen und Rettung für die Verlorenen. Und die hat einen Namen: “Jesus”.

Und als dieses Kind so in ihr heranwächst, dass es sich nicht mehr verbergen lässt, und Josef weiß, es kann nicht von ihm sein, da offenbart ihm der himmlische Vater denselben Namen. Und jetzt heißt es: “du sollst ihm den Namen Jesus geben.” Der himmlische Vater macht Josef damit für dieses ungeborene Kind zum Adoptivvater. So sorgt er für Maria, so sorgt er für seinen Sohn. So zeigt er uns, dass alles Vatersein abgeleitet ist von Gott, unserem Vater; bis hin zur Annahme eines Kindes bei einer Adoption oder einer Patchwork-Familie. Josef aber erfährt ausdrücklich, warum der himmlische Vater diesen Namen ausgesucht hat: “du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.” Und Josef tut's. Er nimmt dieses Kind an, in Gottes Namen und Gottes Auftrag. Und gibt ihm diesen Namen.

Josef und Maria haben geglaubt. Und wir können wohl sagen: Es ist der Name selbst, den Gott ausgesucht hat, der bei ihnen solchen Glauben gemacht und gestärkt hat. Für uns aber, die wir wissen, wie er zu unserem Helfer und Retter geworden ist, ist dieser Name noch mehr gefüllt. Davon schreibt Paulus an die Christen in Philippi:

“Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem NamenJesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. (Phil 2,8-11)

Vielleicht ahnen wir's jetzt: alles im Namen Jesu zu sagen und zu tun, das heißt, dass wir mit allem bekennen: wir gehören zu dem, der für uns sein Leben gegeben hat. Wir haben's nötig gehabt, dass einer die Strafe für unsere Schuld auf sich nimmt, dass er das tut; wir haben Vergebung in seinem Namen, wir sind in seinen Tod hineingetauft, wir sind mit ihm zu einem neuen Leben auferstanden – und wir wollen in diesem neuen Leben leben. Was Gott zusammengefügt hat – nämlich mich und dich in unserer Taufe mit seinem Sohn –, das sollen wir nicht mehr scheiden. Daher tragen wir den Zunamen “Christ”.

Nun aber berichtet Lukas noch ein drittes Mal davon, wie dem Sohn Gottes der Name “Jesus” gegeben worden ist. Das ist die Evangeliumslesung zum 1. Januar, wenn er nicht in erster Linie als Neujahrstag begangen wird (und der Jahres­ wechsel ist ja oft auch am Silvestertag schon Thema), sondern als 8. Tag nach der Geburt. Denn am achten Tag wird bis heute ein jüdischer Junge beschnitten. Und das ist mit der Namensgebung verbunden.

Ich habe mal nachgelesen, was heute bei der Beschneidung gesprochen wird. Der Beschneider sagt:

“Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der uns geheiligt durch seine Gebote und uns die Beschneidung befohlen.”

Der Vater des Kindes spricht:

“Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der uns geheiligt durch seine Gebote und uns befohlen, den Sohn in den Bund unseres Vaters Abraham aufzunehmen.”

Der Junge wird damit also in den Bund Abrahams aufgenommen: Er ist einer von den vielen Nachkommen, die Gott Abraham versprochen hat. Maria und Josef haben's wohl ahnen können, an dem achten Tag, dass Jesus der eine Nachkomme von Abraham ist, durch den alle Völker auf Erden gesegnet werden sollen. (Übri­gens haben wir heute in der ersten Lesung gehört, dass Gott mit diesem Bund dem Abram, wie ihn seine Eltern genannt hatten, einen neuen Namen gibt, nämlich “Abraham”, das heißt “Vater von Vielen”, und mit diesem Namen eine Tatsache schafft, die dann in Erfüllung geht.) Nun hat Gott es nicht nötig gehabt, dass er seinen Sohn auch nach dieser Vorschrift in den Bund Abrahams aufnehmen lässt. Der ganze Bund hat ja auf ihn gezielt. Aber es geschieht um der Menschen willen, dass sie's auch äußerlich sehen. Und es geschieht, weil Gottes Sohn unseren Platz einnimmt. Wir haben es nötig, dass Gott uns in seinen Bund hineinnimmt. Wir können ja von uns aus nicht hineinkommen.

Und antworten die Teilnehmer nach dem Lobgebet des Vaters:

“Wie er in den Bund eingeführt worden, so möge er in die Torah, in die Ehe und in die Ausübung guter Werke eingeführt werden.”

Die Torah, das ist die Ordnung Gottes für das ganze Leben, wie sie in den 10 Geboten zusammengefasst ist. So, wie das hier gesprochen wird, hören wir: Es ist eine gute Ordnung, eine Anleitung für jeden, der zu Gottes Volk gehört, eine Hilfe zum Zusammenleben mit den Menschen und mit Gott. Wir brauchen und sollen gar nicht selbst erfinden, was das heißt, ein gutes Leben zu führen. Wir haben das klar und deutlich in Gottes Wort. Das, was da zusammengefasst ist, das ist die Ausübung guter Werke.

Wer allerdings dann weiter auf Jesus hört, als er öffentlich diesen Willen Gottes predigt, etwa in der Bergpredigt im Matthäusevangelium im 5. bis 7. Kapitel, der merkt, dass wir gerade da Hilfe brauchen. Ich habe diese Woche den Vorschlag gelesen, man könnte ja mal versuchen, nur einen Tag lang ganz und gar liebevoll und ehrlich zu sein, mit jedem Gefühl und Gedanken. Daraus kommt ja das, was wir sagen und was wir tun. Da wird man schnell merken, dass wir's nicht können. Wie sollen wir's dann ein Jahr lang schaffen?

Siehst du, deshalb brauchen wir Gottes Hilfe. Wir brauchen Jeshua oder Jesus. Und nun kommt das wichtigste am Evangelium für den 1. Januar: Ein jüdischer Junge ist ab dem Tag der Beschneidung unter dem Gesetz. Zugleich ist es so, dass der Name eines jüdischen Jungen auch von den Eltern das erste Mal bei der Beschneidung ausgesprochen wird. In dem Moment, wo Gottes Sohn unter das Gesetz getan wird, hören die Menschen, dass sein Name Helfer und Retter ist. Und wir wissen, warum: Weil er als einziger Gottes Willen ganz und gar gehalten hat.

In seinem Namen zu leben heißt daher: Sich diese Hilfe zu holen und sich seinen Gehorsam anrechnen zu lassen, wo wir das nicht geschafft haben. Von seiner Vergebung zu leben. Gott dem Vater zu danken durch Jesus Christus. Und ihn zu erbitten, dass uns sein Wille lieb und teuer wird. Dass wir uns gerne daran halten in unserem Denken, Reden und Tun.

Wo andere das von uns erleben in diesem Jahr, dann wird sein Name geehrt. Gott gebe es. Damit viele erkennen: Gottes Sohn ist ein Helfer und ein Retter von Sünde und Schuld, vom Tod und von der Gewalt des Teufels, in Angst und Unsicherheit, und in der Not; einer, der Lebensmut und Lebenskraft gibt. Mit ihm ist die Zukunft voller Freude. Amen.

So geht hin im Frieden + und in der Kraft Jesu Christi. Der segne euern Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

Neujahr / Tag der Beschneidung und Namensgebung des Herrn (ohne Predigtreihe)

Daniel Schmidt, P.