Gottesdienst zum 3.5.2020 (Sonntag Jubilate)


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Create Date3. Mai 2020
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Wir feiern den 3. Sonntag nach Ostern, Jubilate, auf Deutsch “Jubelt”. Wir hören in den Lesungen von der Schöpfung Gottes und von unserer Neuschöpfung aus der Auferstehung Jesu. Die Predigt von Pastor Werner Degenhardt nimmt uns hinein in den Osterjubel der Frauen und der Jünger.

Wir beginnen diesen Gottesdienst im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Das erste Lied folgt dem Morgengebet Martin Luthers mit dem Dank für die Nacht und der Bitte um Vergebung.

 

Eingangslied: Ev.-Luth. Kirchengesangbuch 345,1-4

1       Gott des Himmels und der Erden, / Vater, Sohn und Heilger Geist,

der es Tag und Nacht läßt werden, / Sonn und Mund uns scheinen heißt,

dessen starke Hand die Welt / und was drinnen ist erhält:

 

2       Gott, ich danke dir von Herzen, / daß du mich in dieser Nacht

vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen / hast behütet und bewacht,

daß des bösen Feindes List / mein nicht mächtig worden ist.

 

3       Laß die Nacht auch meiner Sünden / jetzt mit dieser Nacht vergehn;

o Herr Jesu, laß mich finden / deine Wunden offen stehn,

da alleine Hilf und Rat / ist für meine Missetat.

4       Hilf, daß ich mit diesem Morgen / geistlich auferstehen mag

und für meine Seele sorgen, / daß, wenn nun dein großer Tag

uns erscheint und dein Gericht, / ich davor erschrecke nicht.

 

Schuldbekenntnis

Lieber Vater im Himmel, wir bekennen dir, dass wir nicht heilig sind, wie wir sein sollten, und nicht heilig gelebt haben. Wir bekennen dir, dass wir an dir und aneinander schuldig geworden sind mit dem, was wir getan und unterlassen haben, mit unseren Worten und Gedanken. Wir kommen zu dir im Vertrauen auf deine Gnade und bitten dich: Vergib uns.

Gnadenzuspruch

Der allmächtige Gott hat sich unser erbarmt, seinen eigenen Sohn für unsere  Sünde in den Tod gegeben und um seinetwillen uns verziehen, auch allen denen, die an seinen Namen glauben, Macht gegeben, Gottes Kinder zu werden, und ihnen seinen heiligen Geist versprochen. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden. Das verleihe Gott uns allen.

 

Statt Introitus: Lied 863 im Heft „Herr ich komme zu dir. Unser Gottesdienst.“

Refrain:

Lobe den Herrn! / Sing ihm dein Lied! / Vergiß es nicht, er hat dir viel Gutes getan.

Lobe den Herrn! / Sing ihm dein Lied! / Er ist der König, / bete ihn an.

1    Der dir deine Sünde vergibt / und heilt alle deine Gebrechen.

Der dich vom Verderben erlöst, / dich krönt mit Barmherzigkeit.

2    Der dich fröhlich singen läßt; / du wirst wieder jung wie ein Adler.

Er zeigt dir den richtigen Weg / und schafft dir Gerechtigkeit.

3    So hoch, wie der Himmel sich hebt, / läßt er seine Gnade erstrahlen.

Barmherzig und gnädig ist er / und ist wie ein Vater zu dir.

 

Kollektengebet Herr, du Schöpfer aller Dinge, wie du alljährlich das Angesicht der Erde erneuerst, / so willst du die Welt erneuern, die der Sünde verfallen ist und in der alles Leben unter dem Vorzeichen der Vergänglichkeit und des Todes steht: wir bitten dich, laß uns den Anbruch des wahren Lebens in deinem Sohn erkennen / und teilhaben an der neuen Schöpfung. Durch ihn, unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, / der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: 1. Mose 1,1-4a+26-31a + 2,1-4a

Hört, wie Gott diese Welt gut geschaffen hat, im 1. Buch Mose im 1. und 2. Kapitel:

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, daß das Licht gut war.

Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht. Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise. Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so. Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.

So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte. So sind Himmel und Erde geworden, als sie geschaffen wurden.

 

Lied: „Komm und Sing“ 489 (Refrain, 2 x)

Wie eine Quelle ist dein Wort, o Herr, / und es stillt den Durst nach Leben.

Wie frisches Wasser strömt es her zu mir, / voller Güte und voller Segen.

 

Epistel: 1. Joh. 5,1-4

Der Abfall des Menschen hat einen Schaden in die Welt gebracht, den kein Mensch wieder gutmachen kann. Hört, was der Apostel Johannes von der Neu­ schaffung des Menschen durch Wasser und den Heiligen Geist schreibt, in seinem ersten Brief im 5. Kapitel:

Wer glaubt, daß Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist. Daran erkennen wir, daß wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. Denn das ist die Liebe zu Gott, daß wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Hallelujavers

Die ihr den Herrn liebet, hasset das Arge! / Der Herr bewahrt die Seelen seiner Heiligen.

Der Herr ist auferstanden, / er ist wahrhaftig auferstanden.

 

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, unsern Herrn, der empfan­ gen ist vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.

 

 

Hauptlied: 81

1       Mit Freuden zart / zu dieser Fahrt / laßt uns zugleich fröhlich singen,

beid, Groß und Klein, / von Herzen rein / mit hellem Ton frei erklingen.

Das ewig Heil / wird uns zuteil, / denn Jesus Christ / erstanden ist,

welch's er läßt reichlich verkünden.

 

2       Er ist der Erst', / der stark und fest /  all unsre Feind hat bezwungen

und durch den Tod / als wahrer Gott / zum neuen Leben gedrungen,

auch seiner Schar / verheißen klar / durch sein rein Wort, / zur Himmelspfort

desgleichen Sieg zu erlangen.

 

3       Singt Lob und Dank / mit freiem Klang / unserm Herrn zu allen Zeiten

und tut sein Ehr / je mehr und mehr / mit Wort und Tat weit ausbreiten:

so wird er uns / aus Lieb und Gunst / nach unserm Tod / frei aller Not,

zur ewigen Freud geleiten.

 

Predigt zu Matthäus 28,1-10 (von Pastor Werner Degenhardt)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemein­ schaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee ... Und der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden, wie er gesagt hat … Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude, um es seinen Jüngern zu verkündigen …

Gebet: Lieber Heiland Jesus Christus, du auferstandener Herr, segne Reden und Hören deines Wortes. Amen.

Liebe Gemeinde!

Der norwegische Maler Edvard Munch hat um 1900 ein Gemälde gezeichnet, das den Titel trägt „Der Schrei“. Zu sehen ist eine Frau mit großen, aufgerisse­ nen Augen. Auch der Mund steht offen. Die Lippen sind zu einem großen "O" geformt. Und die Wangen sind rechts und links von den flachen Händen umschlossen. Sie presst die Hände seitlich gegen den Kopf, Ein "O" des Schreckens und des Entsetzens formt ihr Gesicht zu einem Schrei.

Dieses Bild „der Schrei“ von Edvard Munch steht mir vor Augen, wenn ich im Osterbericht höre, wie die Frauen am frühen Morgen zum Grab Jesu gehen, um ihm einen letzten Liebesdienst zu erweisen. Sie wollen seinen verstorbenen Leib mit Salböl einbalsamieren. Danach werden sie ihn zwangsläufig hinter sich lassen und den Alltag ohne ihn irgendwie wieder aufnehmen müssen. So scheint es zumindest.

Aber noch haben sie diese Aufgabe der Totensalbung vor sich. Die schmer­ zenden Gedanken an die furchtbare Kreuzigung Jesu und seinen Todeskampf werden im Moment zurückgedrängt durch die konkrete Trauerarbeit. Die Aufgabe, die zu tun ist, gibt ihnen ein Stückchen Halt. Aber auch damit ist es plötzlich vorbei.

Mit aufgerissenen Augen und offenem Mund starren sie auf das offenstehende Grab. Schrecken und unbegreifliches Staunen prägen das Bild. – wie auch bei dem Maler Munch. Der Schreck steht den Frauen ins Gesicht geschrieben. Von dort, dem geöffneten Grab, kommt ihr Staunen und Entsetzen her. Damit muss man ja auch erst mal fertig werden: damit, dass das so sorgsam versiegelte und vom Militär bewachte Grab aufgebrochen ist. Und damit, dass es leer ist. Ach, noch viel mehr: dass da ein Engel Gottes steht, der sie „in seiner Erscheinung wie ein Blitz" erschreckt. – so der biblische Wortlaut – und weiter: der mit einem „Kleid, weiß wie der Schnee" alles, was sie umgibt, in ein helles Weiß taucht: Das leuchtende Weiß der göttlichen Reinheit umgibt ihn. Es ist das strahlende Weiß in der Osternacht! – das Licht des Lebens.

Dann lässt dieser Bote Gottes die Frauen wissen: Er, der Gekreuzigte, der Tote   „ist auferstanden von den Toten!" Der folgende Satz des Engels weist den völlig hilflos und orientierungslos da stehenden Frauen ihren Weg: "Er wird vor euch hergehen nach Galiläa. Da werdet ihr ihn sehen." Aber die Frauen verharren noch weiter in ihrer Erstarrung. Wen will es verwundern?! Das nächste Wort löst sie jedoch aus ihrem versteinerten Dastehen: "Siehe, ich habe es euch gesagt." Das heißt doch: Hört,-- es ist tatsächlich so, wie ich es euch gesagt habe! Ihr könnt euch auf meine Worte verlassen. „Und sie gingen eilends weg vom Grab"; ja, sie laufen los; sie fliehen geradezu von dem Ort dieser übernatürlichen Begegnung. – Ganz anders als die erschütterten Frauen können wir jubeln: Das ist der Ort der herrlichsten Begegnung auf Erden. Es ist es doch die Oster­ begegnung! – Zuerst erschien den Frauen der Engel Gottes, und dann – nur eine kurze Wegstrecke vom Grab entfernt – treffen sie auf Jesus selbst. Ganz wie zuvor, vor seiner Kreuzigung und Sterben, spricht er sie an mit dem vertrauten Worten: „Seid gegrüßt!“ Und sie fallen vor ihm nieder und umfassen seine Füße, die doch gerade erst – am Karfreitag –  gekreuzigt waren.

So erleben die Frauen die Osterbegegnung mit dem Sohn Gottes, dem Auferstandenen selbst. Ja, sie sind die Ersten, für die es Ostern wird! Es ist die herrlichste Begegnung, die es je auf Erden gegeben hat!

So sagen wir mit Recht - aber auch aus sicherem Abstand. Einmal aus dem zeitlichen Abstand und dem Abstand der Gewohnheit, wo uns die Auferstehungs­ botschaft nicht mehr überrascht. Und zum anderen aus dem räumlichen Abstand: Neben uns steht nicht eine Erscheinung, die "wie ein Blitz" ist - die uns förmlich erschlagen würde.

Von den Frauen heißt es: „Sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude.“ Die Freude sollte Schritt für Schritt wachsen – über den ersten Schrecken hinaus.

Und bei uns darf sie ganz groß werden. So singen wir frei und froh von der österlichen Freude: "Auf, auf mein Herz mit Freuden, nimm wahr was heut geschieht …" Wir jubeln! Und singen das österliche Halleluja – d.h. „Lobt doch Gott!“ –  in allen Varianten und Tonlagen, die wir im Gesangbuch finden; die die verschiedenen Melodien der Osterlieder uns in den Mund legen!

Gut, dass er uns zur selbstverständlichen, zur vertrauten Gewohnheit geworden ist: der Gedanke von der Auferstehung der Toten durch Jesus Christus. Wie gut, dass in allem, was wir tun und was uns begegnet, der vertraute Gedanke mit uns geht: „Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Wie gut, wenn über dem Gedanken, „Ach ich bin krank, und wer weiß, wie viele Zeit ich hier noch habe,“ der vertraute und so gewohnte Gedanke aufleuchtet: „und er wird mich auferwecken am Jüngsten Tage". Wie gnädig von unserem Gott, wenn in unseren dunklen Gedanken, „Ach wie öde und leer sind meine Tage!“ der Engel des Herrn erscheint "wie der Blitz"; das heißt, wenn in unseren dunklen Gedanken seine Botschaft aufblitzt: "Der Herr ist auferstanden von den Toten. Er wird vor dir hergehen!"

Es tut uns aber auch gut, das Erschrecken und Staunen der Frauen am Grab Jesu im Sinn zu behalten. Denn so lernen auch wir wieder neu das Staunen über die Auferstehung, über die unbegreifliche Größe der Liebe Gottes. Was hier geschieht, ist geradezu unfassbar, weil es nichts von dieser Welt ist. Vielmehr bricht in dem Ostergeschehen Gottes Herrlichkeit und Ewigkeit hier in unser Leben und in unsere Zeit hinein. Und das haut die Frauen fast um: Der Boden unter ihren Füßen gerät buchstäblich ins Wanken.

"Siehe, es geschah ein großes Erdbeben" so heißt es in Vers 2 unseres Osterberichts. Das Erdbeben ist ein gewaltiges Zeichen, welches das eigentliche Geschehen – die Auferstehung selbst – begleitet. Der genaue Vorgang der Auferweckung bleibt uns allerdings verborgen: Wie der Sohn die Fesseln des Todes zerreißt, wie der Vater ihn aus der Finsternis des Todes herausreit – das bleibt das große, anbetungswürdige Geheimnis zwischen dem Vater und dem Sohn. Kein Mensch war dabei. Wir erfahren die Ereignisse unmittelbar darum herum. Wenn da die Erde erbebt, dann wird damit ein Zeichen ihrer Vergänglichkeit gegeben. Denn unter Erdbeben, Hitze und Getöse wird sie am Jüngsten Tage vergehen.

In dem Moment, da Jesus Christus aus dem Tod zum Leben dringt, beginnt das Leben der zukünftigen Welt. Die alte Welt ist in ihren Grundfesten erschüttert; sie ist zwar noch da, aber nur noch auf Abruf, auf Widerruf. Wir leben noch in dieser vergehenden Welt, aber das, was jetzt zählt, ist die neue Welt der Auferstehung, die ewig bleibende Welt. Mit der Auferstehung hat Jesus Christus die Tür des Todes aus den Angeln gehoben. Und damit hat er die uns jetzt umgebende Welt, die nicht nach Gott fragt und eigene, von Gott losgelöste, – eben gottlose – Wege geht, zum Zittern und Wanken gebracht.

Ostern ist nicht die Auferstehung der alten Welt, nicht eine Flickschusterei an der alten Welt, sondern die Geburt der neuen Welt Gottes.

In der frühen Christenheit waren die Gottesdienste in der Osternacht die wichtigsten Taufgottesdienste im ganzen Jahr. Denn in der Taufe geschieht Ähnliches wie an Karfreitag und Ostern; Der alte Mensch, – das ist der Mensch, der fern von Gott, und nur auf sich selbst bezogen lebt, – der bekommt in der Taufe seinen Todesstoß. Der soll uns nicht mehr dazwischenreden. Stattdessen werden wir in der Taufe zu neuen Menschen   geboren – so wie Jesus an Ostern auferstandenen ist zu dem neuen Leben. Wir stehen in einem neuen Verhältnis zu Gott – als seine geliebten Kinder. Mit denen will er verbunden bleiben – in diesem irdischen Leben und in der Auferstehung zum ewigen Leben,

Ostern geschieht Gewaltiges, nie Dagewesenes, nie Für-Möglich-Gehaltenes: Zuerst sichtbar an dem Grabstein, der vor Jesu Grab   zur Seite fiel – zunächst zum Erschrecken der Frauen. Der Stein konnte den Lebenden nicht im Tode halten.

Da, wo die neue, ewige Welt hereinbricht, da fällt ein Grabstein um wie ein Streichholz! Christi Grabstein war der erste. Unsere Grabsteine mögen das Letzte sein, was von uns bleibt, aber sie stehen auch nur für eine begrenzte Zeit. Dann werden auch sie zur Seite gerückt und weggetragen.

Aber es bleibt, dass Gott „am Jüngsten Tage mich und alle Toten auferwecken wird und mir mit allen Glaubenden in Christus das ewige Leben geben wird. Das ist gewisslich wahr.“ So steht es im Kleinen Katechismus am Ende des Glaubensartikels über Jesus Christus.

Kein Wunder, dass die Frauen zu Ostern in der hautnahen Begegnung mit der ewigen Welt vor Staunen und Schreck starr dastehen.

Kein Wunder, dass sie dann mit "Furcht und großer Freude" vom Grabe eilen. "Furcht und Freude" gleichzeitig, das klingt wie ein Widerspruch, aber es ist letztlich doch keiner: Am frischen Grab eines Angehörigen stehen zu müssen, kann furchtbar sein. Auch der Osterglaube wischt den Schrecken des Todes nicht einfach weg. Trotzdem darfst du gleichzeitig ein froher Mensch sein, wo du Jesu Auferstehung vor Augen und im Herzen hast.

Wenn Menschen dem lebendigen Gott begegnen, kommt es immer zu diesem Nebeneinander und Ineinander von „Furcht und großer Freude“. Da steht auf der einen Seite die fürchterliche Erkenntnis, dass Gott wegen unserer Verfehlungen seinen Sohn am Kreuz sterben ließ. Nur so konnte all das aus dem Weg geräumt werden, was trennend zwischen Gott und uns steht und worin auch wir uns immer wieder schuldig machen.

Und andererseits steht da die große, alles beherrschende Freude: Freude darüber, dass wir durch Jesu Tod und Auferstehung mit Gott versöhnt leben dürfen. Große Freude, dass er bereit steht, uns alles zu vergeben, was uns im Miteinander mit Gott und Menschen belastet und beschwert.

Mit ihm an unserer Seite läuft unser Leben nicht auf einen dunklen Schluss­ punkt zu, sondern da steht am Ende ein dicker Doppelpunkt, worauf das letzte und alles entscheidende Wort Jesu folgt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“

Seit vielen Jahrhunderten – nun schon seit Jahrtausenden – rufen sich Christen diesen Ostergruß zu: „Der Herr ist auferstanden. – Er ist wahrhaftig aufer­ standen.“ Halleluja! Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinnen zum ewigen Leben. Amen.

 

Lied nach der Predigt: 526,1-2+4+6

1    In dem Herren freuet euch, / freut euch allewege.

Der am Kreuz den Sieg errang, / der ins Reich der Himmel drang,

ist nah auf eurem Stege.

 

2    Mag der Feind mit Finsternis / euren Schritt umhüllen,

seid nur um den Herrn geschart, / dessen Heil und Gegenwart

all Stund euch kann erfüllen.

 

4    Werft das stolze Sorgen fort, / bittet Gott mit Danken.

Sieh, es leuchtet seine Gnad / über eurem schmalen Pfad,

führt euch durch alle Schranken.

 

6    O so freu dich in dem Herrn, / Kirche, allezeiten!

Mußt du dulden Kreuz und Not, / Gottes Sohn hebt aus dem Tod

sein Volk in Ewigkeiten.

 

 

Allgemeines Kirchengebet

Lasst uns beten für alle, die diesen Gottesdienst mitfeiern, für unsere Gemeinden und für die ganze Kirche Gottes.

Allmächtiger, ewiger Gott, du hast deinen Sohn Jesus Christus geschickt, dass er Mensch wird,

dass er unsere Schuld auf sich nimmt, die Strafe dafür am Kreuz trägt und für uns stirbt. Du hast ihn vom Tod wieder auferweckt. Wir danken dir, dass du Menschen geschickt hast, um diese Botschaft in die ganze Welt hinauszutragen, und dass sie auch zu uns gekommen ist. Wir bitten dich: Lass deine Kirche weiter wachsen und schütze sie gegen alle Angriffe. Gib, dass Menschen auch in dieser Zeit zur heiligen Taufe kommen und dass wir bald wieder inmitten der Gemeinde das heilige Abendmahl feiern können.

Gebetsruf (gesungen): “Vater, hör: wir beten durch Christus, deinen Sohn. Im Geist wir zu dir treten. Wir stehn vor deinem Thron.”

Lasst uns beten für unser Land und für die ganze Welt:

Allmächtiger Gott, Herr des Himmels und der Erde, wir danken dir für alle guten Regierungen und für alle guten Ordnungen. Wir bitten dich, hilf denen, die Gesetze machen, zu erkennen, was gut und was nicht gut ist. Sei mit denen, die unter der Virus-Pandemie besonders leiden; die einsam sind oder bedrückt, die sehr viel oder zu wenig Arbeit haben, die dadurch viel Geld verlieren oder ihre Arbeitsstelle; sei mit den Kranken und mit denen, die für sie sorgen. Sei in der ganzen Welt mit Menschen, die große Not erleben durch Krankheit, Krieg oder Gewalt. Gib ihnen allen die Hilfe, die sie brauchen. Und wenn die Schulen und andere Einrichtungen jetzt nach und nach wieder öffnen, gib, dass sich nicht viele Menschen neu infizieren. Behüte uns und die, die wir lieb haben, im Haus und unterwegs. Gib Regen für die Landwirtschaft und für alles was wächst, damit wir zu essen haben.

Gebetsruf: “Vater, hör: wir beten durch Christus, deinen Sohn. Im Geist wir zu dir treten. Wir stehn vor deinem Thron.”

Lasst uns beten für unsere Familien, für Eltern und Kinder:

Lieber Vater im Himmel, wir danken dir, dass du jeden von uns wunderbar gemacht hast. Lass Eltern und Kinder sich gut verstehen, hilf du, dass die, die verheiratet sind, zusammenbleiben, und die, die sich streiten, wieder zusammenfinden. Gib uns Freunde, die für uns da sind, auch in dieser Zeit, und lass uns gute Freunde sein für die, die sie brauchen.

Gebetsruf: “Vater, hör: wir beten durch Christus, deinen Sohn.” Im Geist wir zu dir treten. Wir stehn vor deinem Thron.”

Lasst uns zuletzt für uns selbst beten:

Herr, lass uns auf deine Stimme hören und darauf vertrauen, dass das, was du willst, für uns gut ist,          Hilf du uns, so zu leben, wie du willst. Geh du mit uns auf dem Weg, auf den du uns gestellt hast,         dass wir am Ende für immer bei dir sind. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.

 

Vaterunser

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

 

 

Schlussstrophe: aus CoSi I,50

Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen; / geh in seinem Frieden, was auch immer du tust.

Geh unter der Gnade, hör auf Gottes Worte: / bleib in seiner Nähe, ob du wachst oder ruhst.

 

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Unsere Gemeinde und unsere Mission haben auch in dieser Zeit laufende Ausgaben. Lasst uns an sie denken und unsere gottesdienstliche Gabe sammeln, bis wir sie zur Kirche bringen können, oder sie gesammelt auf das Gemeindekonto überweisen (Volksbank Hankensbüttel, IBAN DE02 2579 1635 0909 1009 01).